Das Café Heider in Potsdams Innenstadt galt lange als Wohnzimmer. Foto: Ottmar Winter
© Ottmar Winter

Meinung Lange Abende im Café Heider - das war einmal

Um Punkt 22 Uhr schließt das Café Heider in Potsdams Innenstadt. Gäste werden frühzeitig gebeten, zu gehen. Sabine Schicketanz erinnert sich an lange und große Abende in Potsdams einstigem Wohnzimmer. Lang und groß sind heute dort nur noch die Schnitzel.

Potsdams Wohnzimmer, so heißt es immer, sei das Café Heider. Nun ja, das könnte einmal gestimmt haben. Schließlich zeichnet ein Wohnzimmer ja auch aus, dass es so richtig gemütlich wird, je länger man dort sitzt, sich unterhält, etwas trinkt. Sitzen, etwas trinken, das geht im Café Heider freilich auch – nur nicht länger. Pünktlich um 22 Uhr (!) schließt nicht etwa nur die Küche. Nein, um 22 Uhr schließt derzeit, in der Wintersaison, das ganze Traditionslokal.

Die Gäste allerdings, die sind schon früher nicht mehr erwünscht. Pünktlich um 21.25 Uhr kommt die – zwar sehr freundliche – Bedienung und bittet um die letzte Runde. Wer ob dieser Aufforderung verdutzt ist, wird nett belehrt: Um Punkt 22 Uhr, da werde abgeschlossen, da sei der ganze Laden dicht, Stühle hoch. Die Gäste müssten daher logischerweise schon früher gehen.

Sabine Schicketanz. Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Sabine Schicketanz. © Sebastian Gabsch

Solch ein Procedere anzuweisen, das ist natürlich unternehmerische Freiheit. Möglicherweise geht ganz Potsdam mittlerweile früh ins Bett. Wer sich an das Café Heider von einst erinnert, dem wird bei dieser Episode das Herz allerdings schwer. Groß und lang waren einst die Abende im Heider. Jetzt gilt das nur noch für das Schnitzel. XXL.

Zur Startseite