Leserbriefe Werden nur die Plattenbauten und die „Seerose“ übrig bleiben?

Nach dem Bericht „Galgenfrist für das Minsk“ und dem Kommentar „Gut so“ vom 12. April haben die Potsdamer Neuesten Nachrichten einige Leserbriefe erreicht.

Ihren Kommentar habe ich mit großem Interesse gelesen und stimme Ihren Äußerungen voll zu. Es ist doch ein Zeichen lebendiger Streitkultur, wenn beim Auftauchen neuer Aspekte vieles noch einmal überdacht werden soll.

Ich habe in den mir zugänglichen Architekturführern von Potsdam nachgesehen. Das Minsk habe ich nirgends gefunden – denn es wurde bislang nicht unter Denkmalschutz gestellt. Das kann aber nicht zu Ungunsten des Minsk angeführt werden. Ich erinnere mich an die Auseinandersetzungen um das Haus Dietz in der Kurfürstenstraße. Die PNN schrieben am 1. März 2012 auf Seite 11 dazu: „Die Obere Denkmalschutzbehörde verweigert dem Haus Dietz wegen eines Neuaufbaus in den 1980er-Jahren den Schutz-Status. In Fachkreisen gilt jedoch die Rekonstruktion eines Hauses der klassischen Moderne zu DDR-Zeiten als einmalig und daher schutzwürdig. So rügte die Brandenburgische Architektenkammer die Abrisspläne scharf.“ So wurde das „Haus Dietz“ abgerissen. Inzwischen haben zahlreiche Fachleute sich zugunsten der Erhaltung des Minsk ausgesprochen. Es wäre eigentlich doch nicht zu vertreten, wenn in Potsdam als DDR-Architektur nur die Plattenbauten und die „Seerose“ (erbaut von Ulrich Müther) übrig bleiben.

Zum Wandel der Beurteilungen will ich nur auf die Wertung des sogenannten Eklektizismus (Gründerzeit) hinweisen. Er wurde von Paul Schultze-Naumburg (er erbaute in Potsdam unter anderem das Schloss Ceciliienhof und die Kita am Heiligen See) als Gräuel bezeichnet. So konnte noch 1935 bis 1937 die ehemalige Kriegsschule auf dem Brauhausberg (Architekt Franz Heinrich Schwechten) , später „Kreml“, im Sinne der „schöpferischen Denkmalpflege“ (Rudolf Esterer) vollkommen verändert werden. Heute stehen derartige Bauten längst unter Denkmalschutz.

Mithin sollte man auch beim Minsk in erster Linie nicht an einen möglichst hohen Verkaufspreis (zur Finanzierung des blu) denken. Vielmehr dürften Kompromisse angezeigt werden, nachdem glücklicherweise in Potsdam doch vieles wieder in Annäherung an das historische Stadtbild erreicht wurde und wird.

Dr. Günter W. Zwanzig, Oberbürgermeister a.D., Erlangen

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Danken möchte ich Ihnen für die Anteilnahme Ihres Blattes an dem Geschehen am Brauhausberg! Komme gerade aus Dresden und musste feststellen, dass den Sachsen es gelungen ist, eine Schwimmhalle in exakt der selbigen Ausführung wie die, die am Brauhausberg bald zu Autobahnschredder umgewandelt wird, aufs Schönste denkmalgerecht zu sanieren und zu integrieren in ein Konzept der Bäderbetriebe Dresden (Freiberger Schwimmhalle). Es ist ein überaus gelungenes Beispiel des Erhalts der DDR-Architektur! Und das mit kommunalem Willen!

Bettina von Finck, Potsdam

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Bei der Diskussion der Bebauung des Brauhausbergs steht der Erhalt des Minsk im Vordergrund. Dabei wird übersehen, dass die Stadt unmittelbar davor steht, auf wesentliche Gestaltungsrechte zum Nachteil der Bürger zu verzichten.

Im letzten Jahr wurde der Bebauungsplan 36-2 beschlossen, der viergeschossige „Stadthäuser“ vorsieht. Es ist eine eher fantasielose Ansammlung von Würfeln. An dieser markanten Stelle wäre eine höhere Verdichtung angemessen. Die Stadt kann die künftige Wohnnutzung effektiv steuern, wenn sie oder ein kommunales Unternehmen Grundstückseigentümer ist, wie hier am Brauhausberg. Dann kann sie in städtebaulichen Verträgen vorgeben, dass zum Beispiel ein bestimmter Prozentsatz als sozialer Wohnungsbau zu errichten ist, weitere Anteile mit 4,5-Zimmer-Wohnungen für Familien mit Kindern. Die Stadt hat zwar mit den Stadtwerken einen städtebaulichen Vertrag geschlossen, doch nichts davon vereinbart. Jetzt sollen die Grundstücke an den Meistbietenden verhökert werden. Der wird dann leider, leider erklären, das sei nur bei einer Bebauung mit Luxuswohnungen wirtschaftlich. Warum werden die Flächen nicht von der städtischen Pro Potsdam bebaut? Das Entwicklungskonzept für die Mitte ist doch erfolgreich gewesen. Noch kann der Vertrag nachgebessert werden! Über den Erhalt des Minsk, der laut Begründung des Bebauungsplans als Option besteht, sollte vom Stadtparlament politisch beraten und entschieden werden. Das ist aber das „kleinere“ Problem.

Siegfried de Witt, Potsdam

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Ihr Kommentar spricht mir aus der Seele. Auch ich finde es richtig, (politische) Entscheidungen aus der Vergangenheit durchaus auch einer aktuellen Neueinschätzung zu unterziehen. Ganz schwach finde ich den Versuch von Herrn Jakobs, die Grünen hier „auf Linie“ trimmen zu wollen, anstatt ihnen einen eigenen Willen zuzugestehen. Ich hätte mir die aktuelle Sichtweise der Grünen auch schon in der Debatte um das alte FH-Gebäude gewünscht. Denn auch dort wurde auf alten Entscheidungen herumgeritten, statt eine Neubewertung zuzulassen, wie es bis vor Kurzem möglich gewesen wäre. Entwürfe von Architekturstudenten der FH haben nämlich sehr wohl gezeigt, dass das FH-Gebäude durchaus in das neue Stadtquartier integriert sein könnte, ohne auf zusätzliche Wohn- und Nutzflächen zu verzichten.

Sven Busack, Falkensee

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