Neustart. Ähnlich wie das Plattenbauviertel Drewitz soll auch der Schlaatz grundlegend erneuert werden – unter anderem mit neuen Grünflächen, Gewerbe, einem Klimakonzept und Wohnungsneubau. Foto: Andreas Klaer
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Leben in Potsdam Große Pläne für den Schlaatz

Schlaatz wird zum Entwicklungsgebiet: Die Stadt Potsdam und mehrere Wohnungsunternehmen wollen den Stadtteil bis 2030 grundlegend umgestalten und aufwerten.

Potsdam - Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und der Arbeitskreis Stadtspuren haben am Donnerstag beschlossen, ein „Bündnis für den Schlaatz“ zu schließen, um den oft als Problemviertel wahrgenommenen Stadtteil bis 2030 grundlegend umzugestalten und aufzuwerten. Dies werde nicht nur den Wohnungsbau, sondern auch Verkehr, Grünanlagen, Gewerbe, Bildung und soziale Infrastruktur umfassen. „Wir alle kennen die schwierige Situation im Schlaatz, sehen aber auch viel Potential“, sagte Carsten Hagenau, Sprecher des Arbeitskreises Stadtspuren.

Schubert betonte, dass die Veränderungen sich nicht auf einzelne Bereiche oder Maßnahmen beschränken werden: „Die Projektstruktur entspricht der eines Entwicklungsgebietes.“ Das Projekt sei mit der Umwandlung von Drewitz zur Gartenstadt vergleichbar. Ziel sei die Schaffung einer hohen Wohnqualität, eine Vielfalt an Bildungs-, Arbeits- und Wohnangeboten und eine bedarfsgerechte Infrastruktur – das Leben im Schlaatz soll attraktiver werden.

Auch neue Wohnungen sollen gebaut werden: Das könne durch „behutsames Aufstocken“ geschehen, etwa am Wieselkiez, oder durch das Schließen städtebaulicher Lücken, sagte Schubert. Auf die Frage, wieviel Potenzial für neue Wohnungen die Unternehmen des Arbeitskreises Stadtspuren im Schlaatz sehen, wollte sich jedoch keiner der Beteiligten äußern, dafür sei es zu früh.

Bis 2030 will die Pro Potsdam rund 2000 Bestandswohnungen imStadtteil sanieren. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Bis 2030 will die Pro Potsdam rund 2000 Bestandswohnungen imStadtteil sanieren. © Andreas Klaer

Mehrere Unternehmen kooperieren

Im Arbeitskreis Stadtspuren kooperieren mehrere Unternehmen der Wohnungswirtschaft miteinander, unter anderem das kommunale Wohnungsunternehmen Pro Potsdam, die Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ Potsdam eG, die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 eG und die Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaft eG. Gemeinsam bewirtschaften die vier Unternehmen rund 4700 Wohnungen im Schlaatz, das entspricht 85 Prozent der Wohnungen im Stadtteil. Derzeit leben insgesamt 9442 Menschen im Schlaatz.

Die Initiative für das Bündnis geht vom Arbeitskreis aus. „Es ist bemerkenswert, dass diese vier Unternehmen so eng zusammenarbeiten“, sagte Bodo Jablonowski, Vorsitzender der Wohnungsgenossenschaft Karl Marx. Doch immerhin geht es für die Unternehmen darum, auch für künftige Mieter attraktiv zu bleiben. Allein die Wohnungsgenossenschaft Karl Marx hat in den letzten 20 Jahren rund 60 Millionen Euro im Schlaatz investiert, um ihren Bestand zu sanieren. „Das wollen wir gesichert wissen“, so Jablonowski.

Eckpunkte mit besonderer Priorität

Wie die Umgestaltung konkret aussehen solle, ist allerdings noch unklar: Genaue Pläne sollen erst ab Herbst entwickelt werden, nachdem der geplante Kooperationsvertrag zwischen Stadt und Arbeitskreis auch von der Stadtverordnetenversammlung bestätigt sei, so Schubert. Aber es gibt Eckpunkte, die besondere Priorität besitzen: Aufgewertet werden sollen die Grün- und Freiräume im Stadtteil, vor allem die Wohnhöfe und die Verkehrsflächen. Das Quartier solle ein eigenes Energie- und Klimaschutzkonzept bekommen, außerdem soll neues Gewerbe angesiedelt und die soziale Infrastruktur gestärkt und ausgebaut werden.

Ein zentraler Punkt sei die Bestandsentwicklung und -modernisierung: Wie berichtet will die Pro Potsdam bis 2030 knapp 200 Millionen Euro am Schlaatz investieren und ihren gesamten Wohnungsbestand sanieren. Das Unternehmen bewirtschaftet rund 2500 Wohnungen im Stadtteil, etwa 500 davon seien bereits saniert, so Pro Potsdam-Geschäftsführer Jörn-Michael Westphal. „Wie in Drewitz wollen wir die Wohnqualität verbessern, ohne die heutige Anwohnerschaft zu verdrängen“, betonte Westphal. Trotz steigender Baukosten solle die Sozialverträglichkeit gesichert bleiben. Etwa ein Viertel der Bewohner im Schlaatz ist auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Von den Fehlern in Drewitz lernen

Für die zukünftige Entwicklung des Stadtteils hatte es seit 2017 bereits eine Ideen-Werkstatt sowie zwei Nachbarschaftskonferenzen gegeben, bei denen verschiedene Wünsche und Verbesserungen für den Schlaatz diskutiert worden waren: Dazu zählten etwa mehr Sauberkeit, ein Ärztehaus, eine Poststelle, die Schaffung von Parks entlang der Nuthe oder der Bau regalartiger Wintergärten an den Fassaden der Plattenbauten. Als städtebauliche Probleme wurden unter anderem die mangelhafte Beleuchtung oder die unübersichtliche Wegeführung identifiziert.

Aufgewertet werden sollen die Grün- und Freiräume im Stadtteil, vor allem die Wohnhöfe und die Verkehrsflächen. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Aufgewertet werden sollen die Grün- und Freiräume im Stadtteil, vor allem die Wohnhöfe und die Verkehrsflächen. © Andreas Klaer

Vorgeschlagen wurde auch eine zentrale Geschäftsstelle im Schlaatz, die als Ansprechpartner für die Bewohner fungieren soll. Bürgerbeteiligung ist den Beteiligten sehr wichtig: „Wir wollen auch aus den Fehlern lernen, die bei der Gartenstadt Drewitz gemacht wurden“, sagte Carsten Hagenau. Damals seien bereits fertige Pläne präsentiert worden, die nach Kritik von Anwohnern zum Teil angepasst werden mussten. „Diesmal wollen wir erst miteinander reden und die beteiligten Gremien und die Anwohner mitnehmen“, sagte Schubert.

Schlaatz-Werkstatt und Stadtteilwanderung

Deshalb werde es auch am neunten Mai eine Stadtteilwanderung mit Beteiligung des Oberbürgermeisters geben, am 23. Mai folgt ein Stadtteildialog. Vorher lädt der Schlaatz-Bürgerclub am 28. Februar im Friedrich-Reinsch-Haus zu einer Schlaatz-Werkstatt ein, bei der die geplanten Modernisierungen diskutiert werden sollen. Unter www.schlaatz2030.de gibt es weitere Informationen.

Währenddessen wird das weitere Vorgehen von Stadt und Arbeitskreis geplant: 200.000 Euro sollen in diesem Jahr für die vorbereitenden Koordinierungs- und Organisationsschritte investiert werden, die Hälfte davon wird von der Stadt getragen, die andere Hälfte von den vier beteiligten Wohnungsunternehmen.

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