Bis Ende 2023 können die Kreativen noch im Rechenzentrum bleiben, danach soll das Gebäude womöglich abgerissen werden. Foto: Sebastian Gabsch PNN
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Kultur in Potsdam Kreativquartier könnte größer werden als geplant

Das neue Kreativquartier soll von einem Investor errichtet werden. Um günstige Mieten zu gewährleisten, soll dieser höher bauen dürfen als zunächst geplant.

Potsdam - Um das neue Ersatzquartier für das Künstlerhaus im Rechenzentrum finanzieren zu können, will die Stadt dem künftigen Investor eine massivere Bebauung erlauben, als im gültigen Bebauungsplan vorgesehen ist. Das ist das Ergebnis der von der Stadt in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie, die Sanierungsträgerchefin Sigrun Rabbe und Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) am Donnerstag vorstellten.

Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos). Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos). © Andreas Klaer

Höher als zunächst geplant

Entgegen den ursprünglichen Erwägungen soll das 12.000 Quadratmeter große Grundstück zwischen dem früheren Langen Stall und der alten, inzwischen abgerissenen Feuerwache zudem nicht in Einzellosen ausgeschrieben werden, sondern an einen Investor vergeben werden. Im Innenhof sollen vier- statt dreigeschossige Häuser möglich sein. Nur dann bekomme der Investor den nötigen wirtschaftlichen Spielraum, um günstige Mieten für die Künstler und Kreativen bieten zu können, erklärte Rabbe.

Und die sollen zumindest für einen Teil der Branche vergleichsweise günstig bleiben. 4300 der insgesamt 10.000 für die Künstler geplanten Quadratmeter Nutzfläche muss der Investor verpflichtend zu einer Durchschnittsnettokaltmiete von neun Euro pro Quadratmeter anbieten. Auf die Gesamtfläche bezogen geht die Studie wie berichtet von einer Durchschnittsmiete von 15,42 Euro pro Quadratmeter aus. Der Gedanke dabei: Kreative, die wirtschaftlich erfolgreich sind, sollen höhere Mieten zahlen und damit Start-ups oder finanziell schwächer aufgestellte Künstler quersubventionieren. Eine Durchschnittsmiete von neun Euro – warm wären das etwa zwölf – bedeute aber nicht, dass jeder so viel zahlen müsse, betonte Rubelt. Auch sechs oder sieben Euro seien möglich, wenn dafür anderswo höhere Mieten erhoben würden. Insgesamt ermögliche dieses Vorgehen eine viel höhere Flexibilität, sagte Harald Kümmel, der die Machbarkeitsstudie noch als OB-Büroleiter im vergangenen Jahr mit angestoßen hatte.

Kritik erneuert

Der Sprecherrat der Nutzer des Rechenzentrums erneuerte am Donnerstag seine Kritik an dem Papier. Ein Großteil der heute dort ansässigen Künstler und Kreativen werde sich die neuen Mieten nicht mehr leisten können, sagte Carsten Linke vom Sprecherrat den PNN. Zudem sei zu befürchten, dass die Mieten noch höher ausfallen, weil die Baukosten mit 1800 bis 2300 Euro pro Quadratmeter in der Machbarkeitsstudie nach Ansicht von Experten viel zu niedrig angesetzt seien. Linke forderte die Stadt auf, vor einem Neubau zu prüfen, ob eine Sanierung des städtischen Teils des Rechenzentrums nicht womöglich billiger wäre und somit niedrigere Mieten garantiere.

Wie berichtet dürfen die Mieter noch bis Ende 2023 im Rechenzentrum bleiben, danach soll es für einen möglichen Wiederaufbau des Schiffs der Garnisonkirche abgerissen werden. Bis dahin soll der Neubau bezugsfertig sein. Mehrere potenzielle Investoren, darunter auch Stiftungen, hätten bereits Interesse gezeigt, sagte Rabbe. Über die Architektur der Bebauung soll im nächsten Jahr ein Werkstattverfahren entscheiden.

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