Der Kubb-Verein trainiert montags und mittwochs auf dem Sportplatz des SSV Turbine Potsdam.  Foto: privat
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Kubb-Fieber in Potsdam Den König wegklotzen

Das Spiel Kubb erfreut sich wachsender Beliebtheit. Seit zwei Jahren gibt es auch in der Landeshauptstadt einen Verein. Mitgründer Sven Thiele erklärt die Faszination.

Potsdam - Wer sich am Wochenende auf einer öffentlichen Grünfläche niederlässt, der braucht nicht lange zu warten: Je besser das Wetter ist, desto sicherer kommt irgendwann eine Gruppe Menschen, stellt 13 Holzklötze auf den Rasen und beginnt mit Hölzern darauf zu werfen. Kubb oder Wikingerschach heißt dieses aus Schweden stammende Outdoor-Spiel, das mittlerweile so beliebt ist, dass es etliche Kubb-Turniere, -Meisterschaften und -Vereine gibt.

Auch in Potsdam gibt es seit 2020 einen Kubb-Verein mit aktuell 18 Mitgliedern. „Man braucht mentale Stärke, man muss taktisch denken und trotzdem herrscht eine familiäre Atmosphäre“, erklärt Vereinsmitgründer Sven Thiele seine Kubb-Faszination. Regelmäßig treffen sich die Mitglieder am Sportforum Waldstadt zum Training auf dem Sportplatz des SSV Turbine Potsdam.

„Du stellst dich auf die Wiese schon geht’s los“

Mit Schach hat das Geschicklichkeitsspiel eigentlich nichts zu tun, allerdings gilt es auch hier, am Ende den König zu schlagen: Zwei Teams spielen auf einem circa fünf mal acht Meter großen Feld gegeneinander und versuchen, die sechs Holzklötze der jeweils anderen Seite – die Kubbs – mit Hölzern umzuwerfen. In der Mitte steht ein besonders großer Kubb mit einer gezackten Spitze – der König. Er darf erst ganz zum Schluss geschlagen werden, wer ihn vorher abwirft, hat das Spiel verloren.

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Die Regeln sind simpel und das ist auch ein Grund für Popularität von Kubb, das man sich mittlerweile in jedem Spieleladen kaufen kann: „Du stellst dich auf die Wiese schon geht’s los“, sagt Thiele. Ähnlich wie bei Boule geht es dabei viel um Geschicklichkeit, allerdings mit dem Vorteil, dass sich Kubb auf praktisch jedem Boden spielen lässt. In seiner heutigen Form existiert Kubb etwa seit den 1980er-Jahren; ob es wirklich auf ein altes Wikingerspiel zurückgeht, wie manchmal behauptet, ist nicht wirklich belegt. Vor allem in Schweden, Belgien, Deutschland, den USA und der Schweiz wird begeistert gekubbt; seit 1995 gibt es auf der schwedischen Insel Gotland jährlich die Kubb-Weltmeisterschaften, die offiziellen Europameisterschaften finden seit 2011 Ende Juli in Berlin statt.

Aufruf in Online-Nachbarschaftsportal geschaltet

Thiele spielt schon seit sieben Jahren Kubb: „Eigentlich bin ich Fußballer und habe bis 2020 als Schiedsrichter fast jedes Wochenende Spiele gepfiffen“, sagt der 43-jährige Lagerist aus Potsdam. Doch irgendwann habe ihn das Verhalten vieler Spieler genervt: Immer wieder habe es nach Entscheidungen Diskussionen und Beanstandungen gegeben, insgesamt sei ihm die Stimmung beim Fußball zu verbissen gewesen, so Thiele. „Das ist bei Kubb ganz anders“, sagt er. „Keine Rangeleien, kein stundenlanges Diskutieren, keine Schiedsrichter.“

Im Mai 2020 hatte er zusammen mit seiner Lebensgefährtin einen Aufruf an Gleichgesinnte in einem Online-Nachbarschaftsportal geschaltet: Schnell hatte sich ein Dutzend Kubb-Begeisterter gefunden, die ab sofort immer montags und mittwochs in einem Innenhof in der Waldstadt spielten. Bald erwies sich der Platz jedoch als zu klein für den wachsenden Verein, weshalb Thiele Kontakt zum SSV Turbine Potsdam aufnahm, der sich vor allem auf Faustball spezialisiert hat: „Der Vorsitzende Dietrich Ulbrich war ganz begeistert“, sagt Thiele.

Mit Kubb kann man auch Geld verdienen

Da Kubb so simpel ist, sind Menschen aller Altersklassen und Berufe im Potsdamer Kubb-Verein vertreten: „Da ist von Rentnern, Schülern, Ingenieuren oder Studierenden alles dabei, unser jüngstes Mitglied ist zwölf Jahre alt“, sagt Thiele. „Es ist unwichtig, ob man sportlich ist oder eine Behinderung hat, man muss nur Lust darauf haben und ein bisschen Geschicklichkeit besitzen.“ Von manchen seiner Fußball-Kameraden müsse er sich manchmal anhören, dass Kubb ja ein Rentner-Sport sei: „Aber das wird unterschätzt, nach so einem Turnier hat man definitiv Muskelkater!“, so Thiele.

Natürlich stehe für Viele der Spaß im Vordergrund, doch wenn er auf ein Turnier fahre, habe er schon die Ambition, im Wettbewerb möglichst gut abzuschneiden: „Das ist für mich ganz klar ein Sport“, sagt Thiele. Und manch einer verdient damit offenbar sogar Geld: „Viele Leute wissen gar nicht, dass Kubb auch professionell gespielt wird.“ 

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