Auch im ehemaligen Landtag auf dem Brauhausberg waren Flüchtlinge untergebracht.  Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Kommentar Die Kosten für die Flüchtlingsunterbringung sind unfair

Für die Unterbringung von Flüchtlingen werden in Potsdam Kosten von bis zu 36 Euro pro Quadratmeter fällig. Eine Rechtfertigung gibt es dafür nicht. Ein Kommentar.

Potsdam - Es klingt nach einem schlechten Scherz: Da soll ein Flüchtling für seinen Heimplatz in einem Mehrbettzimmer 395,21 Euro im Monat bezahlen. Das 33 Quadratmeter große Zimmer im Wohnheim An der Alten Zauche teilt er mit zwei weiteren Bewohnern, wie sein Anwalt schildert. Rechnerisch kommt er damit auf monatliche Unterkunftskosten von knapp 36 Euro pro Quadratmeter. Das übertrifft die im aktuellen Potsdamer Mietspiegel festgehaltenen Mieten in der Stadt um ein Vielfaches. Eine genaue Erklärung für die Berechnung dieser Kosten blieb das Rathaus am Mittwoch schuldig. So bleiben Fragezeichen. 

Aber selbst mit gutem Willen lassen sich solche horrenden Preise nicht rechtfertigen. Sie sind unfair gegenüber dem Steuerzahler, der diese Kosten in den meisten Fällen trägt. Und sie sind unfair gegenüber jenen Flüchtlingen, die dafür, dass sie sich – trotz der für sie erschwerten Situation auf dem Arbeitsmarkt – eine Arbeit gesucht haben und finanziell auf eigenen Beinen stehen, auch noch bestraft werden. Sie müssen dann im Extremfall einen Großteil ihrer Einkünfte für die Unterbringung im Heim ausgeben – dürfen gleichzeitig wegen ihres rechtlichen Status’ aber auch nicht umziehen. Eine Zwickmühle, die so nicht gewollt sein kann und aufgelöst werden muss.

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