Tradition seit 250 Jahren. Im Jahre 1769 wurde auf dem Klausberg unter Friedrich II. der Weinberg angelegt.  Foto: Varvara Smirnova
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Königliches Weinfest Besonderer Tropfen vom Klausberg

Potsdam feiert das achte Königliche Weinfest - mit Besuch aus ganz Deutschland. Bei der Sanierung des Weinbergs auf dem Klausberg ist allerdings noch einiges zu tun. 

Sanssouci - Gekrönte Häupter haben sich für dieses Wochenende angekündigt, wenn auf dem Potsdamer Klausberg das mittlerweile achte Königliche Weinfest startet. Die derzeitige Deutsche Weinkönigin Carolin Klöckner sowie Gina Maria Gräfe, Königin des Gebietes Saale-Unstrut, wollen Potsdam mit ihrem Besuch die Ehre erweisen. Zur Eröffnung am morgigen Freitag um 17 Uhr werden die Weinköniginnen auf dem Klausberg erwartet. An diesem Ort feiert man in diesem Jahr zugleich ein Jubiläum: Im Jahre 1769, also vor 250 Jahren, wurde hier unter Friedrich II. der Weinberg angelegt. 

Berliner Firma Mosaik betreibt den Weinberg 

Andreas Kramp von der Firma Mosaik-Berlin zeigte sich bei der gestrigen Vorstellung des diesjährigen Festprogramms erfreut, dass mit Klöckner die „First Lady des deutschen Weins“ das Fest besuchen werde. Die Berliner Firma Mosaik, in der Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten, betreibt seit Jahren den Weinberg. Grundlage hierfür ist eine entsprechende Vereinbarung mit der Potsdamer Schlösserstiftung. 

Ein besonders guter Jahrgang 

Auch den frisch gekelterten Rebensaft des jüngsten Jahrgangs kündigte Kramp am Mittwoch an. Es sei ein besonders guter Jahrgang, so der Mosaik-Mitarbeiter. Dank der vielen Sonnenstunden im vergangenen Jahr konnten die Trauben gut ausreifen. Was andernorts in der Landwirtschaft wegen der großen Trockenheit zu Problemen führte, war am Weinberg offenbar eher förderlich.

Eine Kostprobe der Weißweinsorte Phoenix vom neuesten Jahrgang erwies sich gestern jedenfalls schon einmal als durchaus lecker – als fruchtiger und leichter Wein. Der rote Tropfen, ein 2018er- Regent, ebenfalls am Klausberg angebaut, kam hingegen noch ohne echten Charakter daher. Der Rotwein benötige eine längere Lagerzeit, meinte denn auch Kramp, der daher empfahl, die Flaschen mit dem 2018er-Regent ein bis zwei Jahre liegen zu lassen. „Dann haben Sie richtig Spaß an dem Wein", gab sich der Mosaik-Mitarbeiter überzeugt. Das Königliche Weinfest am Wochenende werde zugleich der Verkaufsstart für den 2018er-Wein vom Klausberg sein, sagte Kramp. Der Wein soll auf dem Fest ausgeschenkt sowie zugunsten des Wiederaufbaus des Königlichen Weinbergs versteigert werden. 

Noch einiges sanierungsbedürftig 

Dass in puncto Sanierung am Berg tatsächlich noch viel zu tun ist, wird bei einem Presse-Rundgang am Mittwoch schnell deutlich. Von den einstigen Gewächshäusern sind nur noch Gerippe vorhanden. Und die sogenannten Talutmauern, an denen in historischen Zeiten der Wein hinter Glas wuchs, harren über weite Strecken noch ihrer Instandsetzung. Nur an einem ganz kurzen, bereits fertiggestellten Musterstück mitsamt Verglasung ist zu erkennen, wie die Anlagen wohl einmal ausgesehen haben muss.

„Der ganze Berg war verglast“, sagt Kramp. Man habe früher vom „gläsernen Berg von Potsdam“ gesprochen. Ob das jemals wieder so hergestellt werde, wisse man momentan nicht. Die originalgetreue Wiederherstellung der Verglasung sei zum Einen sehr kostspielig, zum Anderen dürfe man auch den erhöhten Arbeitsaufwand nicht unterschätzen, wenn der Wein hinter Glas gepflegt werden müsse, da man nicht so leicht an die Trauben kommt.

Die denkmalgerechte Wiederherstellung ist teuer 

Von der früheren Idee eines Hofladens im einstigen Heizhaus hat sich Mosaik mittlerweile so gut wie verabschiedet. Es würden wohl zu wenige Besucher kommen, prognostiziert Kramp. Das Heizhaus, in dem kürzlich eine neue Ausstellung zum Weinbau in Potsdam eröffnet wurde, müsste zudem saniert werden. Die denkmalgerechte Wiederherstellung des Gebäudes dürfte mit einer Viertelmillion Euro zu Buche schlagen, schätzt Kramp, der zugleich auf einen Mäzen für den Weinberg hofft. Die Lepèreschen Mauern im Ostteil der Berganlage sind hingegen in den vergangenen Jahren wiederhergerichtet worden. Der französische Obstzüchter Alexis Lepère der Jüngere hatte sie unter König Wilhelm I., dem späteren Kaiser, in den 1860er Jahren angelegt. Heute wachsen auf den rechteckigen Flächen zwischen den Mauern Pfirsiche, Birnen, Äpfel und Wein.

Aus dem Programm

Am Freitag, dem 12. Juli, um 16 Uhr beginnt auf dem Potsdamer Klausberg das Königliche Weinfest. Die offizielle Eröffnung findet um 17 Uhr statt. Die Deutsche Weinkönigin Carolin Klöckner will um 18.30 Uhr im ehemaligen Heizhaus auf dem Gelände des Weinbergs in einer halbstündigen Veranstaltung die deutschen Weinanbaugebiete vorstellen. Um 19.30 Uhr wird Mosaik-Mitarbeiter Andreas Kramp ebenfalls im einstigen Heizhaus in die Potsdamer Tradition des Weinbaus einführen. Gegen 22 Uhr am Freitagabend endet der erste Tag des Weinfestes.

Am Samstag um 13 Uhr geht es weiter. Ab 14.30 Uhr stellen die anwesenden Weingüter – die sich aus allen Anbaugebieten Deutschlands angekündigt haben – gemeinsam mit der Deutschen Weinkönigin ihre Weine vor. Um 15.30 Uhr gibt Klöckner im alten Heizhaus ein Kurzseminar über die Vielfalt des Rieslings. Am selben Ort erzählt Kramp um 18 Uhr nochmals etwas über Potsdam und den Weinbau. Das Fest endet um 21 Uhr. Der Eintritt ist frei. Essen und Trinken müssen bezahlt werden. 


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