Preußenexperte Volker Schobeß hält den Fund für authentisch. Vergrößern
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Kleiner Sensationsfund in Potsdam Glocke aus der Garnisonkirche aufgetaucht

Henry Klix

Eine kleine alte Glocke mit russischer Inschrift ist jetzt wieder aufgetaucht. Sie soll aus der zerstörten Garnisonkirche stammen.

Potsdam - Einen, wenn auch kleinen, Sensationsfund hat die „Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche e.V.“ am Donnerstag vermeldet. Es handelt sich um ein Glöckchen, das einst aus den Kirchentrümmern geborgen worden sein soll und jetzt wiederaufgetaucht ist. In das Glöckchen ist eine russische Inschrift und die Jahreszahl 1821 eingraviert. Volker Schobeß, Autor von Publikationen zur preußischen Militärgeschichte, hat am Donnerstag den Fund begutachtet.

Dass die Glocke aus der Garnisonkirche stammt, sei glaubwürdig, sagte Schobeß. „Sie ist unbedingt den vielen Dingen und Andenken, die sich in der Kirche befunden haben, zuzuordnen.“ Ihre russische Inschrift deute auf die preußisch-russische Waffenbrüderschaft hin, die eine Tradition von über 100 Jahren aufzuweisen hatte. „Die Jahreszahl 1821 weist augenscheinlich auf ein besonderes Ereignis in der preußisch-russischen Verbindung hin.“ Die Großmächte Russland, Österreich und Preußen hatten sich gegen Napoleon verbündet und ihn 1815 besiegt. Gegenseitige Freundschaftsbeweise durch Fahnen, Uniformen oder auch Glocken seien damals üblich gewesen und hätten zum normalen christlichen Ritual einer Garnisonkirche gehört. Schobeß: „Das ist ein sensationeller Fund, da er an die Verbindung zwischen Preußen und Russland im 19. Jahrhundert erinnert.“

Aus den Trümmern der Garnisonkirche

Der Potsdamer Ofenbaumeister Gerhard Folz hatte das Glöckchen nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Trümmern der Garnisonkirche geborgen. Die Familie des Ofenbauers hatte sie durch die turbulenten Zeiten der DDR-Ära privat gehütet. Nach dem Tod des Ehepaares Folz haben nun die Kinder verfügt, dass diese Glocke wieder in die Garnisonkirche zurück soll, teilte der Förderverein am Donnerstag mit. „In der Hoffnung auf ihren baldigen Wiederaufbau trennen wir uns von unserem lieb gewordenen Familienerbe. Das hätten auch unsere Eltern so gewollt“, werden die Kinder zitiert.

Auf der Facebookseite des Vereins wird in einem Kommentar daran erinnert, dass der spätere Zar Nikolaus I. und seine Frau, Charlotte von Preußen, 1820 und 1821 in Preußen weilten. Der Besuch habe sehr hohe Wellen in Berlin und Potsdam geschlagen.

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