Der Bassinplatz in Potsdam war am Donnerstag teilweise überschwemmt. Foto: Christine Fratzke
© Christine Fratzke

Update Keller und Straßen überschwemmt Zahlreiche Schäden nach Unwetter in Potsdam

Schwere Gewitter zogen in der Nacht zum Mittwoch stundenlang über Potsdam. Der Starkregen überflutete zahlreiche Straßen und Keller, 80 Liter pro Quadratmeter gingen zu Boden. Heute könnte es weitergehen.

Potsdam - Bei einem der stärksten Gewitter der vergangenen Jahrzehnte hat es in Potsdam in der Nacht zum Mittwoch zahlreiche Schäden gegeben. Starkregen setzte zahlreiche Straßen unter Wasser, Blitze zuckten am Himmel. Für den Mittwochnachmittag warnen Meteorologen vor weiteren schweren Gewittern über der Stadt - ab 13 Uhr.

Am Mittwochmorgen sind noch Folgen des Unwetters zu sehen. Bilder in sozialen Netzwerken zeigten Bäume, die auf Autos gestürzt waren - etwa in der Berliner Vorstadt oder Babelsberg. Ferner ist etwa im Volkspark aus einem kleinen Goldfischteich ein ganzer See geworden.

Auch auf dem Bassinplatz ist ein See entstanden: Der Teil hinter der St. Peter und Paul Kirche ist größtenteils überschwemmt, das Wasser steht zentimeterhoch. Es riecht muffig. Eine ältere Anwohnerin sagte den PNN: "So etwas habe ich noch nie hier erlebt."

Die Schlösserstiftung meldete am Mittwochmorgen auf Twitter, dass der Neue Garten inklusive Pfingstberg und der Park Babelsberg am Mittwoch geschlossen bleiben. "Voraussichtlich werden die Aufräumarbeiten längere Zeit brauchen", so die Stiftung. 

Durch Blitzeinschläge wurden ferner zwei Brände verursacht: laut dem Rathaus an einer Solarthermieanlage auf einem Dach in Bornim und durch einen Kabelbrand in einem Wohnhaus. 

Auch in mehreren städtischen Schulen kam es nach dem Unwetter zu Einschränkungen. Besonders betroffen war die Eisenhart-Schule auf dem Campus Kurfürstenstraße, wo die Stromversorgung nach einem Blitzeinschlag teilweise ausfiel. Der Schulbetrieb konnte laut Stadtverwaltung zwar aufrechterhalten werden, allerdings kam es zu Einschränkungen etwa bei der Klingelanlage und bei Teilen der Beleuchtung. Die Folgen von Wassereinbrüchen in der Grundschule im Bornstedter Feld, der Drewitzer Grundschule Am Priesterweg und im Wohnheim des Oberstufenzentrums im Bisamkiez konnten laut Stadt schneller beseitigt werden.

Der Stadtkanal in Potsdam ist nach dem Unwetter in der vergangenen Nacht noch immer voller Wasser. Foto: J. Haase Vergrößern
Der Stadtkanal in Potsdam ist nach dem Unwetter in der vergangenen Nacht noch immer voller Wasser. © J. Haase

Am Weberplatz in Babelsberg erzählte ein Hausbesitzer den PNN, am Haus sei ein Fenster zu Bruch gegangen, der Dachfirst beschädigt. Er haben nun Sorge, ob er im Sommer überhaupt eine Reperaturfirma finde. Es handele sich um ein Schieferdach, wie rund um den Weberplatz üblich, dies könne nur eine Spezialfirma reparieren. Das kaputte Auto vor dem Haus gehört auch dem Hausbesitzer. "Pech", sagt er. Für das Haus habe er eine Versicherung, für das Auto nicht. Der Peugeot ist zwar schon 15 Jahre alt, aber er hätte ihn gerne noch weiter gefahren.

In einem Kleidungsgeschäft in der Brandenburger Straße gibt es auch einen Wasserschaden, der untere Bereich des Ladens musste abgesperrt werden.

Normalerweise ist hier im Volkspark ein kleiner Goldfischteich. Foto: S. Schicketanz Vergrößern
Normalerweise ist hier im Volkspark ein kleiner Goldfischteich. © S. Schicketanz

Gegen 4 Uhr nachts twitterte die Potsdamer Feuerwehr, dass sie erst 90 von 170 Einsatzstellen bearbeiten konnte. Mehrere Keller liefen voll, Bäume stürzten um, Wasser sammelte sich auf einigen Straßen. Insgesamt sei die Feuerwehr rund 200 Mal alarmiert worden, teilte das Rathaus am Mittwochmittag mit. So blieb an einer Bahnunterführung in Babelsberg ein Auto im Wasser stecken – alle Personen wurden durch die Feuerwehr gerettet. 

Die Feuerwehr war in der Nacht mit 30 Fahrzeugen und etwa 100 Einsatzkräften im Einsatz. Zudem haben laut der Stadtverwaltung die  Kameraden von fünf freiwilligen Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks (THW) und des Deutschen Roten Kreuzes, Sondereinsatzgruppe Versorgung, unterstützend eingegriffen.

Im Stadtteil Eiche am Alten Rad drohte ein Damm an einer Überlaufanlage durch die Wassermassen zu brechen. Durch den Einsatz der Feuerwehr und des THW konnte dies verhindert werden. Mehrere Tiefgaragen im Stadtgebiet sind laut Stadt teils bis unter die Decke vollgelaufen und werden noch mit Hilfe des THW ausgepumpt. Wegen einer vollgelaufenen Tiefgarage in der Behlertstraße musste jedoch in Absprache mit der Feuerwehr eine zeitweise Stromabschaltung für zehn Häuser in der Behlertstraße und in der Hebbelstraße vorgenommen werden, teilten die Stadtwerke mit. 

Trinkwasserleitung gebrochen

Wegen eines Bruchs einer Trinkwasserleitung in der Rückertstraße besteht laut den Stadtwerke auch eine Versorgungsbeeinträchtigung für vier Grundstücke. Die Rohrbruchbeseitigung erfolgt heute. Punktuell besteht eine halbseitige Sperrung der Rückertstraße, die Straße wird nach Wiederherstellung der Asphaltdecke voraussichtlich ab 21. Juni 2019 wieder voll befahrbar sein. Die Ursache war vermutlich aufgeweichter Boden auf Grund des Regens.

Ebensolche Probleme gab es in Berlin, starker Regen und Gewitter hatten außerdem für Probleme an den Flughäfen Tegel und Schönefeld gesorgt. Am Mittwochmorgen sagte ein Sprecher der Schlösserstiftung den PNN, man begutachte nun die Schäden und beginne mit Aufräumarbeiten: Besonders im Neuen Garten und im Park Babelsberg seien Bäume umgefallen.

Nach dem Unwetter in Potsdam: Hier am Weberplatz. Marion Kaufmann Vergrößern
Nach dem Unwetter in Potsdam: Hier am Weberplatz. © Marion Kaufmann


Vor allem im Osten Deutschlands gab es am Abend und in der Nacht zum Mittwoch nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Unwetter. In Sachsen und Brandenburg fielen zum Teil Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu fünf Zentimetern. Auch in Bayern, Berlin und Brandenburg gab es Gewitter.

Die Potsdamer Feuerwehr appellierte an die Bürger, wegen des "hohen Notrufaufkommens" in der Leitstelle nur wirkliche Notfälle zu melden. Wassereinsätze würden nach Priorität abgearbeitet, so die Feuerwehr. 

In der Nacht zu Mittwoch regnete es massiv. Die Zeppelinstraße stand unter Wasser. Foto: Sarah Kugler Vergrößern
In der Nacht zu Mittwoch regnete es massiv. Die Zeppelinstraße stand unter Wasser. © Sarah Kugler

Zudem forderte die Feuerwehr die Bürger in der Nacht auf, unnötige Autofahrten zu vermeiden, da im gesamten Stadtgebiet viele Gullydeckel hochgedrückt worden seien.

Tatsächlich stand gegen Mitternacht das Wasser auf zahlreichen Straßen der Stadt gut 30 bis 40 Zentimeter hoch. Gegen 23 Uhr stellte der Potsdamer Verkehrsbetrieb den Straßenbahnbetrieb ein und bat Fahrgäste, auf Busse auszuweichen.

Das viele Regenwasser konnte durch die Gullys nicht aufgenommen werden. Der sonst leere Stadtkanal füllte sich gegen 1 Uhr nachts durch den Starkregen sogar bis obenhin. Auch am Mittwochmorgen war er noch gefüllt.  

 Unter anderem brannte in Bornim eine Solaranlage auf einem Dach. Unklar ist, ob ein Blitzeinschlag den Brand ausgelöst hat.

Sturmböen sorgten für abgebrochene Äste, die Straßen und Wege zusätzlich versperren. Manche nahmen es jedoch mit Humor - und packten die Luftmatratzen als Fortbewegungsmittel aus, wie in der Friedrich-Ebert-Straße gesehen.

Bereits den Tag über hatte der Deutsche Wetterdienst von dem Extremwetter gewarnt - anders als am Montagabend traf es Potsdam am Dienstag in der Nacht zu Mittwoch mit großer Wucht. Über die Warn-App Nina wurde ebenfalls Alarm ausgelöst. Potsdam sei von "schwerem Gewitter" mit extrem heftigem Starkregen und Hagel betroffen, hieß es dort. 

Es bestehe Lebensgefahr aufgrund von Blitzschlägen, aber auch wegen herabfallenden Gegenständen, warnte der Deutsche Wetterdienst die Nacht über. Überflutungen von Straßen seien nicht ausgeschlossen. Auch Meteorologen wie Jörg Kachelmann erwähnten das Unwetter über Potsdam auf ihren Kanälen in den sozialen Netzwerken: Es seien rund 30 Liter Regen pro Quadratmeter in nur einer Stunde gefallen. In anderen Meldungen war von 50 Litern die Rede. Insgesamt kamen die Nacht über rund 80 Liter zu Boden. Beim letzten großen Unwetter dieser Art waren am 29. Juni 2017 mehr als 70 Liter pro Quadratmeter gefallen - soviel wie sonst im gesamten Juni. In den vergangenen Wochen noch hatte Potsdam unter anhaltender Trockenheit gelitten.  


In den sozialen Medien teilten viele Potsdamer Bilder und Videos der Wassermassen sowie der zuckenden Blitze und des krachenden Donners. 

Viele Nutzer bei Facebook wunderten sich auch darüber, dass es teils minutenlang blitzte - wie bei einem Stroboskoplicht. Auch vor dem Rathaus in der Friedrich-Ebert-Straße bildete sich ein kleiner See, wie ein Video eines Nutzers zeigt.

Weitere Videos zeigen, dass niedergehendes Wasser auch in den Hauptbahnhof floss - im Eingangsbereich in Richtung Friedrich-Engels-Straße. 

In Potsdam-West sind vor allem die Zeppelinstraße und die Lennéstraße betroffen gewesen, sie standen in der vergangenen Nacht komplett unter Wasser. Dort wurden Keller mit Sandsäcken abgesichert. Aber auch aus vielen anderen Potsdamer Stadtteilen wurden Überschwemmungen und Schäden gemeldet.

Land unter in der Lennéstraße in Potsdam-West. Foto: Hans-Joachim von Cölln Vergrößern
Land unter in der Lennéstraße in Potsdam-West. © Hans-Joachim von Cölln


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