Steffen Specker. Foto: Manfred Thomas
© Manfred Thomas

Kein Personal und hohe Mieten "Speckers Landhaus" und "Pfeffer & Salz" schließen

In Potsdam verschwinden zwei weitere Restaurants. Das eine hat bereits geschlossen, das andere schließt in wenigen Tagen. Das werden nicht die letzten sein, befürchtet ein Insider.

Potsdam - Stammgäste hatten seit Monaten ungute Ahnungen, jetzt ist es amtlich: „Speckers Landhaus“ wird schließen, die Immobilie ist verkauft. „Vor den Feiertagen fiel die Entscheidung. Das kam alles sehr kurzfristig“, sagte Steffen Specker den PNN. Am 25. Januar soll in dem historischen Haus in der Jägerallee das letzte Mal für ihre Gäste gekocht werden. „Das ist für uns sehr emotional und ein schwerer Schritt, wir haben das alles noch gar nicht richtig verarbeitet.“ Der Käufer stammt laut Makler Robert Neubauer von Dahler & Company aus Potsdam und wird ebenfalls ein Restaurant betreiben, allerdings unter einem völlig neuen Motto.

Personalsituation verheerend

Im Oktober 2007 hatten Gottfried Specker mit Tochter Tina Specker und Schwiegersohn Steffen das Restaurant eröffnet. Zuvor hatte der Senior die „Ratswaage“ am Neuen Markt geführt. Die Küche immer klassisch-regional mit modernen Ideen. Mit einer sterneverdächtigen Qualität, auf die man sich verlassen konnte. „Speckers Landhaus“ rangierte unter den besten Adressen der Stadt, die Gäste kamen in der Mittagspause aus Büros oder dem Gericht und abends aus ganz Potsdam und von weiter her. Es sei gar nicht schlecht gelaufen, so Specker Junior. „Aber die Personalsituation in der Gastronomie ist nach wie vor verheerend. Ich stand zuletzt täglich 14 Stunden in der Küche, meistens alleine. Irgendwann will ich auch mal meine Kinder sehen.“

"Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“

Potsdam leide diesbezüglich unter der Nähe zu Berlin, wo oft andere Löhne gezahlt würden. „Dann wandern die Mitarbeiter eben ab“, so Specker. Dazu komme die komplizierte innerstädtische Verkehrslage. „Die Stadt ist traumhaft schön, aber für kleine Unternehmen wird es immer schwerer.“ Er beobachte einen Trend weg vom täglichen À-la-carte-Geschäft hin zur Veranstaltungsgastronomie. „Das ist besser planbar und nicht so stressig.“

Speckers werden weiterhin vorerst ihre Kantine in Berlin betreiben und auch weiterhin ihr Catering anbieten. „Dann schauen wir mal“, so Specker, „ob sich noch mal was Neues, Kleines in Potsdam findet. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.“ Am 10. und 11. Januar wird noch zum Trüffelwochenende eingeladen, dazwischen ist nur unregelmäßig geöffnet. Man werde die Gäste mit einem Newsletter informieren.

Schlimme Befürchtungen

Auch das beliebte italienische Restaurant „Pfeffer & Salz“ in der Brandenburger Straße schließt nach 15 Jahren. Die Räume stehen bereits leer, dem Vernehmen nach soll der Mietvertrag nicht verlängert worden sein. Inhaber Guido Greifenberg wollte sich zu den Gründen auf Anfrage nicht äußern. Ein Kollege der Potsdamer Gastro-Szene, der nicht namentlich genannt werden will, sagte den PNN: „Da werden horrende Mieten verlangt, zum Teil fünfstellig. Aber keiner arbeitet gerne nur in die Tasche des Vermieters.“ Der Trend werde noch zunehmen. „Ich befürchte, dass die Potsdamer Gastro-Szene noch mehr ausdünnen wird.“ Angeblich soll Anfang Februar ein Steakhaus dort eröffnen. 


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