Potsdams Gemeinde und Synagogenzentrum ist ein Entwurf des Berliner Architekten Jost Haberland. Visualisierung Jost Haberland Architekt
© Visualisierung Jost Haberland Architekt

Jüdisches Leben in Potsdam Synagogen-Baustart noch in diesem Jahr

Die Vereinbarung zum Bau der Potsdamer Synagoge ist unterzeichnet. 2024 soll eröffnet werden. 

Potsdam - Ein weiterer wichtiger Schritt zum Bau der Potsdamer Synagoge ist getan: Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) und der Präsident der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), Abraham Lehrer, unterzeichneten am Montag eine Vereinbarung zum Bau der Potsdamer Synagoge. Die Vereinbarung regelt, dass das Land als Bauherr das Gebäude entsprechend nach dem Entwurf des Berliner Architekten Jost Haberland errichtet.

Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) und ZWST-Präsident Abraham Lehrer unterzeichneten den Vertrag. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) und ZWST-Präsident Abraham Lehrer unterzeichneten den Vertrag. © Andreas Klaer

„Der Bau der Synagoge ist ein Symbol dafür, dass jüdisches Leben in Potsdam wieder dort präsent und sichtbar sein wird, wo es hingehört: im Herzen der Stadt, in unserer Mitte“, sagte Schüle. „Es war kein einfacher Prozess, aber ich bin sicher, dass er nun zu einem guten Ende kommen wird.“

Lehrer: "Wichtiges Zeichen in diesen Zeiten"

Es sei ein sehr freudiger Tag für die jüdische Gemeinschaft in Potsdam und Brandenburg, sagte ZWST-Präsident Abraham Lehrer: „Gerade in diesen Zeiten ist es ein wahnsinnig wichtiges Signal, dass in Potsdam an so prominenter Stelle eine Synagoge entsteht.“ Lehrer und Schüle verwiesen auf die gestiegene Zahl antisemitischer Straftaten, wie auch der aktuelle Bericht des Verfassungsschutzes bestätige. Zufrieden und erleichtert zeigte sich auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der bei der Unterzeichnung anwesend war: „Jetzt steht dem Bau des Gemeindezentrums nichts mehr im Wege. Damit ist ein wichtiger Schritt für ein gutes Miteinander in Potsdam getan.“

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Laut Vereinbarung wird das Land Brandenburg in Zusammenarbeit mit der ZWST ein Synagogen- und Gemeindezentrum in der Schloßstraße 1 zwischen Altem und Neuem Markt errichten. Die Baugenehmigung sowie die denkmalrechtliche Genehmigung liegen bereits vor. Die Bauarbeiten sollen Ende diesen Jahres starten, die Eröffnung ist im Frühjahr 2024 geplant. Das Land finanziert den Bau mit rund 13,7 Millionen Euro und wird zudem die Kosten für Sicherheitspoller entlang der Schloßstraße sowie an der Zufahrt zum Hinterhof über die Friedrich-Ebert-Straße übernehmen. „Jüdinnen und Juden sollen sich hier sicher fühlen“, sagte Schüle.

An der Schlosstraße, zwischen Altem und Neuem Markt, soll das Zentrum jüdischen Lebens in Potsdam entstehen.  Foto: Andreas Klaer Vergrößern
An der Schlosstraße, zwischen Altem und Neuem Markt, soll das Zentrum jüdischen Lebens in Potsdam entstehen.  © Andreas Klaer

Jährliche Förderung für Betrieb des Zentrums 

Zudem wird das Land die ZWST mit jährlich bis zu 650 000 Euro für den Betrieb des Synagogenzentrums unterstützen. „Das Geld bleibt komplett in Potsdam, die ZWST bekommt kein gesondertes Honorar“, so Lehrer. Nach Fertigstellung der Synagoge soll die ZWST als Treuhänderin zunächst für drei Jahre die Trägerschaft übernehmen, dann soll der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Brandenburg das Haus als Träger leiten. Der Brandenburgische Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) wird die Ausführung als Landesbaumaßnahme übernehmen. Die ZWST werde dabei als jüdischer Kooperationspartner den Planungs- und Bauprozess begleiten. Hierzu soll es einen gesonderten Verantwortlichen von Seiten der ZWST geben, der für die BLB als Ansprechpartner fungiert.

2024 soll das Haus eröffnet werden. Visualisierung: MWFK, Jost Haberland Vergrößern
2024 soll das Haus eröffnet werden. © Visualisierung: MWFK, Jost Haberland

In Potsdam sorgte die Vereinbarung für positive Reaktionen: „Damit rückt die Erfüllung unserer Hoffnung auf eine Synagoge in Potsdam mit einem Gemeindezentrum, die uns erlaubt, das religiöse, kulturelle und soziale Leben unserer Gemeinden zu gestalten und bekannt zu machen, ein gutes Stück näher“, teilten die Jüdische Gemeinde Potsdam e.V. und die Gemeinde Adass Israel zu Potsdam e.V. in einer gemeinsamen Erklärung mit. Auch Johannes Funke, religionspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag, zeigte sich zufrieden: „Damit ist das Projekt nach Jahren der Diskussion nun in guten Händen.“

Alle Gemeinden eingeladen, Zentrum zu nutzen

Sowohl Schüle, als auch Lehrer und Schuster betonten, dass die künftige Synagoge allen Jüd:innen in Potsdam offen stehen solle: „Alle Gemeinden sind eingeladen, das Zentrum zu nutzen“, sagte Lehrer in Richtung der Synagogengemeinde und der kleineren Gemeinde „Kehilat Israel“, die den Haberland-Entwurf für die Synagoge ablehnen. „Es wird immer Entwürfe geben, die nicht allen gefallen, aber ich hoffe, dass diese Gräben mit der fertigen Synagoge überwunden werden können“, sagte Schuster.

Lehrer: "Haus ist längst überfällig"

Abgesehen davon sei es „lange an der Zeit“, dass die Synagoge, um die seit 2005 gestritten wird, endlich gebaut werde. „Es kann nicht darum gehen, das einzelne Gruppierungen alles verhindern“, so Schuster. Ähnlich äußerte sich Lehrer: „Dieses Haus ist längst überfällig.“ Schüle verwies zudem darauf, dass man auch Verpflichtungen gegenüber älteren Gemeindemitgliedern habe: „Viele sehnen sich danach, die Fertigstellung ihres religiösen und kulturellen Zentrums noch zu erleben, darin zu beten und gemeinsam Gottesdienste und Feste zu feiern.“

Mindestens fünf jüdische Gemeinden in Potsdam

In der Landeshauptstadt gibt es mindestens fünf jüdische Gemeinden – ungewöhnlich für eine Stadt von der Größe Potsdams, befand Schuster: „Es wäre an der Zeit, Meinungsverschiedenheiten bei Seite zu legen und sich im Interesse der jüdischen Menschen zusammenzuschließen“, forderte der Vorsitzende des Zentralrats. „Wenn man sich die Anzahl der Mitglieder anschaut, muss man sich schon ernsthaft fragen, welche Realität sich hier für ein aktives Gemeindeleben bilden kann – die Kräfte sollten gebündelt werden.“ Die ZWST habe Synagogengemeinde und „Kehilat Israel“ zu Gesprächen über eine Zusammenarbeit eingeladen, sagte Lehrer. Konkrete Termine seien aber noch nicht vereinbart worden.

Einzige Landeshauptstadt ohne  Synagoge

Potsdam ist die einzige Landeshauptstadt ohne einen klassischen Synagogenbau. „Dieses Projekt liegt uns sehr am Herzen“, sagte Schuster. Im März wurde in der Landeshauptstadt zwar bereits die Synagoge des Abraham-Geiger-Kollegs eröffnet, die sei jedoch eine Hochschul-Synagoge mit liberaler Ausrichtung, so Schuster: „Die Gemeindesynagoge wird eher dem traditionellen Judentum verpflichtet sein.“ Das sei eine ideale Situation, so Schuster: Beide Synagogen würden sich gut ergänzen.


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