Die Nikolaikirche im 40. Jahr nach ihrer Wiedereinweihung.  Foto: Martin Müller
© Martin Müller

Update Jubiläum der Nikolaikirche Mit Westgeld auferstanden aus Ruinen

Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört. Dann folgte der Wiederaufbau. Vor 40 Jahren, am 2. Mai 1981, wurde die Nikolaikirche wieder eingeweiht.

Potsdam - Stadtschloss hin, Sanssouci her. Das weithin sichtbarste Wahrzeichen Potsdams dürfte die Nikolaikirche am Alten Markt sein. Der 77 Meter in die Höhe ragende Sakralbau mit seiner kupfergrünen Kuppel prägt die Silhouette der brandenburgischen Landeshauptstadt wie kein zweites Gebäude. Die Kirche ist im Stadtbild sehr präsent. Das goldene Kreuz ganz oben auf der Spitze der Laterne des Gotteshauses kündet von dem Glauben, der hier gelebt wird. Der Tambour, jener zylindrische Gebäudeteil unterhalb der Kuppel, lässt mit dem von einem Palmettenkranz bekrönten korinthischen Säulenrund die Antike aufscheinen. Seit dem Jahr 2018 erfreut auch das rekonstruierte Tympanonrelief am Portikus wieder die Besucher des Alten Markts.

Nur noch Ruinen. Nach dem Krieg machte Max Baur diese Aufnahme der zerstörten Nikolaikirche am Alten Markt. Foto: Bundesarchiv/Max Baur Vergrößern
Nur noch Ruinen. Nach dem Krieg machte Max Baur diese Aufnahme der zerstörten Nikolaikirche am Alten Markt. © Bundesarchiv/Max Baur

In den letzten Tages des Zweiten Weltkriegs wurde jene Erhabenheit der maßgeblich von Karl-Friedrich Schinkel entworfenen Kirche jäh zerstört, als die Artillerie der Roten Armee die Potsdamer Innenstadt unter Beschuss nahm. Beim Bombenangriff vom 14. April 1945 war die Kirche noch verhältnismäßig glimpflich davon gekommen. Beim Artilleriebeschuss jedoch stürzte die Außenkuppel ein, die Innenkuppel hielt diesem zusätzlichen Druck glücklicherweise stand, wenngleich auch sie stark beschädigt wurde. Der Portikus brach völlig zusammen, insgesamt waren die Schäden am Bau gewaltig. Was in kurzer Zeit zertrümmert wurde, konnte erst in mehr als 30 Jahre währender Aufbauarbeit wiederhergestellt werden. Am 2. Mai 1981 wurde die Kirche schließlich wieder eingeweiht. 

Festgottesdienste erinnern an Gründung

An dieses nun 40 Jahre zurückliegende Ereignis erinnert die evangelische Nikolaikirchengemeinde in diesen Tagen mit zwei Festgottesdiensten - der erste fand an diesem Sonntag statt. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein, lobte die berühmte Kuppel als Wahrzeichen der Stadt. Zugleich stehe die Kuppel auch als Symbol für eine Kirche, unter deren Dach sich sehr unterschiedliche Menschen versammeln.

Kirche und Kirchengemeinde dienten „dem Zusammenkommen von Verschiedenen und Verschiedenem“, so Stäblein in seiner Predigt. Die Kuppel stehe „für den Erdball, die Weltkugel, alle und alles vereint unter dem einen Bogen dessen, der die Welt in Händen hält“. In Zeiten, in denen die Bedrohung der Schöpfung so klar sei wie heute, sei auch dies eine Ansage einer solchen Kuppel: „Wir gehören zusammen, ob Virus oder Klima, ob arm und reich, ob West, Ost oder globaler Süden, jedenfalls ein Globus, eine Kugel, ein Himmel.“

Der zweite Festgottesdienst soll unter Beteiligung von Landesbischof Stäblein und Generalsuperintendent Kristóf Bálint am kommenden Sonntag (9. Mai) gefeiert werden. Die ursprünglich geplante Festwoche mit diversen Veranstaltungen fiel der Pandemie zum Opfer. Immerhin will man im Innern der Kirche auf zwei großen Bildschirmen alte Fotos des erstmals 1837 eingeweihten Gotteshauses präsentierten. Sie sollen in der ersten Maiwoche zu den Öffnungszeiten der Kirche – freilich nicht während der Gottesdienste – gezeigt werden. Gut möglich, dass diese Präsentation auch noch verlängert wird, heißt es aus der Kirchengemeinde.

2008 feierte Wolfgang Hering in der Nikolaikirche mit seiner Nachfolgerin und damaligen Pfarrerin Susanne Weichenhan den 25. Geburtstag der Gemeinde.  Foto: Manfred Thomas Vergrößern
2008 feierte Wolfgang Hering in der Nikolaikirche mit seiner Nachfolgerin und damaligen Pfarrerin Susanne Weichenhan den 25. Geburtstag der Gemeinde.  © Manfred Thomas

Zur Zeit der Wiedereinweihung 1981 war Wolfgang Hering einer der Pfarrer an St. Nikolai. Damals sei der Altarraum der Kirche noch gar nicht fertig restauriert gewesen, erinnert sich Hering. „Während der Einweihungsfeierlichkeiten sah es noch recht grau und traurig aus“, sagt der Altpfarrer. „Aber wir waren voller Freude“, ergänzt der mittlerweile 81-jährige Potsdamer, der von 1973 bis 2003 Pfarrer der Nikolaikirchengemeinde war. Das stadtbildprägende Gotteshaus wurde 1981 Heimstatt der drei Gemeinden St. Nikolai, Teltower Vorstadt und Heiligengeist. 1983 vereinigten sie sich zur Nikolaikirchengemeinde.

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Die Wiedereinweihung des Gotteshauses mit Bischof Albrecht Schönherr war nicht nur innerkirchlich von großer Bedeutung. Auch außerhalb der Evangelischen Kirche nahm man von diesem Ereignis mehr als nur Notiz. Wolfgang Hering erinnert sich, dass auch Klaus Bölling, zu dieser Zeit Ständiger Vertreter der BRD in der DDR, an den Einweihungsfeierlichkeiten teilnahm. Die damalige Potsdamer Oberbürgermeisterin Brunhilde Hanke befand sich ebenfalls unter den Gästen. Auch Diplomaten aus mehreren westlichen Ländern und kirchliche Amtsträger aus der Bundesrepublik waren angereist, wie am 5. Mai 1981 der Westberliner Tagesspiegel berichtete. Weiter hieß es in der Zeitungsmeldung: „Zu dem Festakt waren die Botschafter der vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und damit auch der Signatarstaaten des Potsdamer Abkommens von 1945 eingeladen worden. Die Missionschefs Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten ließen sich vertreten, während Angehörige der sowjetischen Botschaft erst zum anschließenden Empfang kamen.“

Beschwerliche Rekonstruktion

Der Wiederaufbau der Kirche in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg war beschwerlich. „Erste Aufräumungsarbeiten durch Konfirmanden und ältere Gemeindeglieder begannen 1947“, schreibt der Autor und Bauingenieur Andreas Kitschke in einem Heft, das 1981 anlässlich der Wiedereinweihung des Gotteshauses vom Kuratorium der Nikolaikirche herausgegeben wurde. Die Instandsetzung der Kirche begann unter der Leitung des Kirchenbaurats Winfried Wendland. Kitschke zufolge übernahm dann im Jahre 1955 Kirchenoberbaurat Eberhard Snell die Bauleitung. Ein Jahr später, am 22. August 1956, feiert man Richtfest, nachdem das Stahlfachwerk für die äußere Kuppel errichtet worden war. Es folgten die Verschalung und das Aufbringen der Kupferhaut. Am 9. September 1962 schließlich wurde das aus Kupfer getriebene vergoldete Kreuz auf die Spitze der Kirche gesetzt.

Wahrzeichen der Stadt: Die Nikolaikirche am Alten Markt.  Foto: Peter Raddatz Vergrößern
Wahrzeichen der Stadt: Die Nikolaikirche am Alten Markt.  © Peter Raddatz

Während das äußere Erscheinungsbild des Gotteshauses weitgehend rekonstruiert wurde, erfuhr der Innenraum deutliche Veränderungen. So ließ Architekt Horst Göbel unter den nach innen vorgezogenen Seitenemporen kleinere Räume zur Nutzung für die Gemeindearbeit einbauen. Mit dunklen Glaswänden sind sie vom Kircheninneren getrennt. Auch im Keller entstanden Räumlichkeiten.

Wolfgang Hering erinnert sich, dass zumindest von Beginn seiner Amtszeit 1973 an bis zum Abschluss der damaligen Restaurierung in den 1980er-Jahren der größte Teil der für den Wiederaufbau benötigten Finanzmittel aus dem Westen kam. Die Kirchengemeinde erhielt das Westgeld jedoch nicht direkt. Es musste in Ostmark umgetauscht werden. So bekam der sozialistische Staat die dringend benötigten Devisen. „Für Westgeld hat die DDR alles gemacht“, sagt Hering. Lediglich die raumteilende Verglasung im Innern der Kirche sei direkt aus dem Westen geliefert worden. Eine Westberliner Firma habe die Scheiben eingebaut. Alles andere, was für den Wiederaufbau benötigt wurde, musste die Gemeinde im Osten kaufen, erinnert sich Hering. „Das war das Negative dabei, dass wir auf Ostmaterial angewiesen waren.“ Und doch kam man auch so zum Ziel: 36 Jahre nach ihrer Zerstörung konnte die Kirche wieder eingeweiht werden. Beim Ursprungsbau unter Schinkel – damals jedoch noch ohne Kuppel – dauerte es von der Grundsteinlegung bis zur Weihe lediglich sieben Jahre. (mit epd)

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