Professorin Nadine Spörer will in der neuen Schulform soziale Vielfalt fördern. Foto: Universität Potsdam
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Innovative Lehrkonzepte Neue Universitätsschule will soziale Ungleichheit aufbrechen

Ein besonderes Potsdamer Schulmodell für Brandenburg soll innovative Lehrkonzepte erproben. Golm ist favorisierter Standort.

Potsdam - Potsdam soll eine Universitätsschule bekommen: So sieht es ein in den vergangenen zwei Jahren erarbeitetes Konzept des Projekts „Innovative Hochschule Potsdam“ der Universität Potsdam vor, das kürzlich dem brandenburgischen Bildungsministerium und dem Wissenschaftsministerium übergeben wurde. Dahinter verbirgt sich keine Mischung aus Universität und Schule, sondern ein besonderer Schultyp, in dem neue Lehr- und Lern-Konzepte erprobt werden, um den Austausch zwischen Schulpraxis, Wissenschaft und Lehrerausbildung zu verstärken und neue Erkenntnisse über innovatives Lernen zu gewinnen.

„Es gibt in Deutschland mehrere Universitätsschulen, jede hat ihren eigenen Schwerpunkt“, sagt Nadine Spörer, Professorin für Psychologische Grundschulpädagogik an der Uni Potsdam. Die Laborschule Bielefeld zum Beispiel verzichtet auf Noten und ist nicht nach Jahrgängen sondern Stufen unterteilt, in der Universitätsschule Bielefeld gibt es statt normaler Klassenräume große Lernlandschaften, wo man sich in Gruppen zusammenfindet, und die Universitätsschule Dresden schreibt keine festen Schulferien vor, jeder Schüler kann individuell Lernphasen und Ferien bestimmen.

18-köpfiges Team erarbeitete das Konzept

Der Schwerpunkt der Universitätsschule Potsdam soll auf der Förderung sozialer Vielfalt liegen, sagt Spörer. Sie gehört zu dem 18-köpfigen Team aus Wissenschaftlern, Lehrkräften und Lehramtsstudierenden, das das Konzept für die Universitätsschule erarbeitet hat. Als wichtiges Thema wurde dabei die soziale Ungleichheit in Potsdam identifiziert, also der Umstand, dass ärmere Bevölkerungsschichten stark in bestimmten Stadtteilen konzentriert sind, was auch die Bildungskarrieren negativ beeinflussen kann: „In Potsdam ist die Segregation sehr stark ausgeprägt“, sagt Spörer. „Wir müssen dafür sorgen, dass Kinder aus allen sozialen Schichten die gleichen Chancen auf eine bestmögliche Ausbildung haben.“

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Da in vielen Schulen zu wenig Durchmischung stattfindet, soll die Universitätsschule Potsdam bewusst so gestaltet sein, dass Schüler:innen aus verschiedensten Schichten und Kulturen hier zusammen lernen. „Die Schülerschaft soll sich so zusammensetzen, dass die gesamte Breite der Gesellschaft abgebildet wird“, sagt Spörer. Das soll auch für Lehrer:innen gelten. Wenn aber beim Lehrkollegium Diversität herrsche, könnten auch Schüler unterschiedlicher Schichten und Kulturen für diesen Beruf begeistert werden, so die Annahme.

Wie Ganztagsschule aufgebaut

Passend zu dieser Vielfalt soll auf alle Schüler möglichst individuell eingegangen werden und dabei weitere innovative Lernkonzepte ausprobiert werden – alles auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, betont Spörer: „Wir geben da nicht einfach etwas vor, wir erproben diese Ideen und prüfen systematisch, welche Auswirkungen sie haben.“

Die geplante Universitätsschule ist wie eine Ganztagsschule aufgebaut, bildet alle Klassenstufen von der ersten Klasse bis zum Abitur aus und ermöglicht sämtliche Abschlüsse. Idealerweise soll sie in Golm im Umfeld des Potsdam Science Park angesiedelt werden, denn vor allem von der Nähe zur Uni Potsdam versprechen sich die Verfasser des Konzeptes Synergie-Effekte: „Die Uni Potsdam ist die einzige Hochschule Brandenburgs, die Lehrkräfte ausbildet“, sagt Spörer. Außerdem soll es an der Universitätsschule eine Transferwerkstatt geben, die den Austausch mit anderen Schulen und wissenschaftlichen Einrichtungen koordiniert.

Ob die Universitätsschule tatsächlich in Golm entsteht oder in der Innenstadt, ist noch nicht entschieden. Die Stadtverwaltung hat das Konzept bereits gutgeheißen, nun liegt es bei den Ministerien. Wenn sie das Konzept annehmen, könnte die Universitätsschule in den nächsten Schulentwicklungsplan der Stadt einfließen, der in diesem Jahr erarbeitet wird. 

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