Die Preise für Wohneigentum in Potsdam wie hier in der Speicherstadt steigen weiter. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Grundstücksmarkt in Potsdam Mehr Umsatz, mehr Verkäufe, höhere Preise

Der Grundstücksmarktbericht für das erste Halbjahr 2021 ist da. Die Corona-Delle auf dem Immobilienmarkt scheint überwunden. Nun werden weiter steigende Preise erwartet.

Potsdam - Wer in Potsdam eine Immobilie besitzt, dürfte im ersten Halbjahr dieses Jahres Grund zur Freude gehabt haben. Auf der anderen Seite wurde es für Kaufinteressenten immer kostspieliger, eine passende Bleibe zu finden. Denn die Preise für Grundstücke, Häuser und Eigentumswohnungen sind erneut kräftig gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Zwischenstand zum Grundstücksmarktbericht für Potsdam im ersten Halbjahr 2021 hervor, der am Donnerstag vorgestellt wurde.

„Auf Potsdams Immobilienmarkt trifft eine hohe Nachfrage auf ein begrenztes Angebot“, sagte der Chef des Gutachterausschusses für Grundstückswerte, Winfried Schmidt. Deshalb steigen die Preise in allen Kategorien. Grundstücke, Häuser und Wohnungen für 509,8 Millionen Euro wurden verkauft – 31 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Und auch die Zahl der Verkäufe legte deutlich zu: von 532 im ersten Halbjahr 2020 auf 749 in diesem. Laut Schmidt scheint die Corona-Delle des Vorjahres überwunden. Es habe Verzögerungen bei Vertragsabschlüssen gegeben, Investoren hätten abgewartet. „Nun werden die zurückgestellten Verkäufe nachgeholt.“ Man rechne weiterhin mit steigenden Preisen. „Wohnimmobilien in der wachsenden Stadt stellen eine gute Anlagemöglichkeit bei einem anhaltend niedrigen Zinsniveau dar.“

Einfamilienhäuser 51 Prozent teurer

Deutlich zogen die Preise für Einfamilienhäuser an. Der durchschnittliche Verkaufspreis stieg um 51 Prozent auf 830.000 Euro. Der ungewöhnlich hohe Zuwachs gehe darauf zurück, dass relativ wenige Objekte zu teils sehr hohen Preisen veräußert wurden. 33 Verkäufe wurden gezählt. Darunter waren auch zehn Objekte, die mehr als eine Million Euro kosteten. In die Kategorie fallen nämlich auch kleine Villen. Schaut man sich die Preise für Einfamilienhäuser pro Quadratmeter an, relativiert sich das Bild: Der Quadratmeter Wohnfläche in Ein- und Zweifamilienhäusern sowie kleinen Villen kostete 5135 Euro. Ein Zuwachs von 15 Prozent im Jahresvergleich.

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Die Preise für Reihenhäuser zogen um acht Prozent auf 632.000 Euro an, Doppelhaushälften verteuerten sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 611.000 Euro. Ein Zuwachs von sieben Prozent. Pro Quadratmeter Wohnfläche wurden im Durchschnitt 4790 Euro fällig. Zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Preise für Eigentumswohnungen bis zu 26 Prozent gestiegen

Gestiegen sind auch die Preise beim Weiterverkauf von Eigentumswohnungen. In vor 1960 errichteten Altbauten kostete der Quadratmeter 3945 Euro im Durchschnitt – ein Zuwachs von fünf Prozent. Stärker legten die Preise beim Weiterverkauf von seit 1990 errichteten Wohnungen zu. Der Quadratmeterpreis stieg um 19 Prozent auf 3660 Euro. Deutlich höher sind die Preise beim sogenannten Erstverkauf, weil es sich dabei entweder um Neubauten oder frisch sanierte Altbauten handelt. Der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter Wohnfläche in einem nach 1990 errichteten Gebäude stieg um sieben Prozent auf 5995 Euro. Bei Altbauten waren es sogar 6740 Euro pro Quadratmeter – eine Steigerung um 26 Prozent im Jahresvergleich.

Die Baulandpreise blieben weiter auf hohem Niveau. Der durchschnittliche Kaufpreis für den individuellen Wohnungsbau betrug 560 Euro je Quadratmeter Grundstücksfläche. Das sind elf Prozent mehr als im vorherigen ersten Halbjahr. Anders als viele Marktberichte von Maklerfirmen oder Immobilienportalen wertet der Grundstücksmarktbericht keine Angebote aus, sondern tatsächlich beurkundete Verträge. Nicht erfasst wird allerdings, wenn statt des Grundstücks lediglich die Eigentümerfirma den Besitzer wechselt.

Daten werden seit 30 Jahren veröffentlicht

Die Gutachterausschüsse für Grundstückswerte im Land Brandenburg begehen in diesem Jahr ein Jubiläum: Seit 30 Jahren erfassen sie alle Transaktionen auf den örtlichen Grundstücksmärkten, werten diese aus und stellen umfangreiche Informationen in Form von Bodenrichtwerten und Marktberichten der Öffentlichkeit zur Verfügung. Am 18. Juni 1991 trat die Gutachterausschuss-Verordnung des Landes Brandenburg in Kraft. Seit März 2019 sind die jährlichen Informationen kostenfrei für jede und jeden im Internet verfügbar.

Winfried Schmidt, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in der Stadt Potsdam Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Winfried Schmidt, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in der Stadt Potsdam © Andreas Klaer

Für Schmidt selbst steht eine Veränderung an. Der Fachbereichsleiter für Bauen, Denkmalschutz, Vermessung und Geoinformation geht im Oktober in Rente. Kommissarisch wird der derzeitige Leiter der Bauaufsicht Matthias Franke sein Nachfolger. Die Stelle werde ausgeschrieben. Dem Gutachterausschuss für die Grundstückswerte bleibt der 64-jährige Schmidt aber noch bis Ende 2023 erhalten. Die Funktion ist ein Ehrenamt und wird jeweils für fünf Jahre vom Land bestellt. Mit Blick auf die Preissteigerungen der vergangenen Jahre wagt Schmidt ein vorsichtiges Urteil: Die Probleme seien erkannt. Die Umsetzung sei Sache der Politik.


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