Die Baustelle an der Heinrich-Mann-Allee. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Grüne Dächer, niedrige Mieten Das größte Bauprojekt der Pro Potsdam feiert Richtfest

Auf dem Gelände des ehemaligen Tram-Depots an der Heinrich-Mann-Allee entstehen 341 Wohnungen, 75 Prozent davon gefördert. 


Potsdam - Bezahlbar und ökologisch: Die Pro Potsdam feierte am Dienstag Richtfest für 341 Wohnungen auf dem Gelände des ehemaligen Tram-Depots, das derzeit größte Neubauprojekt des kommunalen Bauunternehmens. „Die Heinrich-Mann-Allee ist ein Vorzeigeprojekt für die Landeshauptstadt, wenn es um die Themen sozialverträgliche Mieten und nachhaltige Mobilität geht“, sagte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD), der bei der Veranstaltung zu Gast war.

In direkter Nachbarschaft des Humboldt-Gymnasiums entstehen auf insgesamt 21 380 Quadratmetern Fläche 13 unterkellerte Häuser mit 21 separaten Aufgängen und jeweils drei Stockwerken. Dank Landesfördermitteln werden 257 der Wohnungen für Potsdamer:innen mit geringem und mittlerem Einkommen zur Verfügung stehen. Für Menschen mit Wohnberechtigungsschein (WBS) liegt die Nettokaltmiete bei 5,50 Euro pro Quadratmeter, für WBS-Plus-Berechtigte bei sieben Euro.

Ziel ist die soziale Durchmischung

Das brandenburgische Bauministerium stellt für die Entwicklung des Quartiers ein Wohnungsbaudarlehen von 19,6 Millionen Euro und einen Zuschuss in Höhe von drei Millionen Euro zur Verfügung. „Der Wohnungsmarkt in Potsdam ist angespannt“, sagte Brandenburgs Bauminister Guido Beermann (CDU). Dem gelte es, durch soziale Wohnraumförderung und eine Erhöhung des Wohnungsangebots entgegenzuwirken. Dazu gehöre auch ein Anteil von Wohnungen, die freifinanziert sind, so Beermann. Auf diese Weise würden gut durchmischte Quartiere entstehen, was die Einkommensverhältnisse angeht. Dies ist auch eines der erklärten Ziele der Stadtpolitik: „Wir wollen eine heterogene Struktur beim Wohnen in Potsdam“, sagte Bürgermeister Schubert.

Mike Schubert, Geschäftsführer der ProPotsdam Bert Nicke und der Minister Guido Beermann (v.l.) Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Mike Schubert, Geschäftsführer der ProPotsdam Bert Nicke und der Minister Guido Beermann (v.l.) © Andreas Klaer

Die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf 79,4 Millionen Euro. Davon werden 40,9 Millionen Euro über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert. Der Eigenanteil der Pro Potsdam beträgt 15,9 Millionen Euro. „Für uns ist dieses Projekt im Rahmen unseres Neubauprogramms einmalig“, sagte Pro Potsdam-Geschäftsführer Bert Nicke. „Es ist nicht nur das größte unserer aktuellen Bauvorhaben, mit der Heinrich-Mann-Allee bauen wir ein nachhaltiges Quartier in zentrumsnaher Lage, das den künftigen Bedürfnissen der Menschen in der Stadt gerecht wird.“

Dächer mit Photovoltaik-Anlagen

Die 13 Gebäude werden nach dem KfW-Standard 55 gebaut und gelten damit als „Effizienzhäuser“. Das heißt, dass die Gebäude nur 55 Prozent der Primärenergie (Heizen, Warmwasser) benötigen, die ein konventionell errichtetes Referenzgebäude nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) braucht. Zudem gelangt die Fernwärme durch ein sogenanntes Niedertemperatur-Wärmenetz zum Quartier, das in Zusammenarbeit mit den Potsdamer Stadtwerken konzipiert wurde: Dabei ist die Vorlauftemperatur der Fernwärme in den Rohren viel niedriger als gewöhnlich, wodurch es weniger Energieverluste beim Transport durch das Netz geben soll.

Die Dächer der Häuser sollen begrünt und mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. Jede Wohnung erhält drei Fahrradstellplätze, außerdem gibt es neben einer Tiefgarage auch 20 E-Lade-Säulen. Vergrößerte Aufzüge sollen den Transport von Fahrrädern erleichtern. Alle Wohnungen sollen barrierefrei sein, 21 davon rollstuhlgerecht. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2023 anvisiert.

Beim Richtfest strahlte die Sonne. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Beim Richtfest strahlte die Sonne. © Andreas Klaer

Es wird nicht das letzte Neubauprojekt vor Ort bleiben: Direkt nordwestlich liegt eine weitere Fläche des ehemaligen Tram-Depots, die der Pro Potsdam gehört. Hier soll künftig ein neues Gebäude für die Stadtverwaltung entstehen, um den sanierungsbedürftigen Standort an der Hegelallee zu entlasten. „Wir schreiben jetzt die Planungen dafür aus“, sagte Nicke. Baubeginn sei voraussichtlich 2024. Eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung hatte ergeben, dass es dort Platz für rund 450 Arbeitskräfte geben könnte, die Kosten für den Neubau wurden auf etwa 71 Millionen Euro geschätzt.

Auch eine Grundschule wird gebaut

Weitere Wohnhäuser sind ebenfalls geplant: Laut Nicke hat das ehemalige Tram-Depot-Gelände Platz für rund 750 Wohnungen, auf der noch unbebauten Fläche im Nordwesten könnten also etwa 400 neue Wohnungen entstehen. Auch sie sollen nach Möglichkeit gefördert sein, so Nicke. Ein weiterer Neubau ist die Schule am Nuthewinkel: Die dreizügige Grundschule mit Hort soll auf dem südwestlichen Teil des Tram-Depot-Geländes entstehen, in Nachbarschaft zum Humboldt-Gymnasium. 

Die Fertigstellung ist für Mitte 2025 geplant, bereits in diesem Jahr wird eine Containerschule als Übergangsvariante errichtet. 
Mike Schubert betonte, dass sich an der Heinrich-Mann-Allee „unheimlich viel entwickelt“ habe. Das Gebiet falle bei Diskussionen zur Stadtentwicklung etwas hinten runter, dabei entstehe zusammen mit den Wohnungen, der Grundschule und dem neuen Standort der Stadtverwaltung ein großes und nachhaltiges Neubaugebiet mitten in der Stadt.

Zur Startseite