Die Behlertstraße ist für anderthalb Jahre gesperrt. Foto: Ottmar Winter
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Großbaustelle in Potsdam So lief der erste Tag mit der gesperrten Behlertstraße

Das große Chaos blieb zunächst aus. Doch gebaut wird anderthalb Jahre. Und zur Halbzeit im April 2022 wird es sportlich auf der Baustelle.

Potsdam - Gelbe Umleitungs-Schilder überall: Wer über die Nuthestraße nach oder durch Potsdam fahren will, der muss sich seit Donnerstag neu orientieren. Die Behlertstraße, eine Hauptverkehrsader in der Potsdamer Innenstadt, ist zwischen Berliner Straße und Kurfürstenstraße nun 18 Monate lang für den Durchgangsverkehr gesperrt. Kurz nach 12 Uhr stand die Barriere, seit dem Morgen waren noch Umleitungsstrecken auf der Fahrbahn markiert worden. Um die Mittagszeit war die vielbefahrene Kreuzung Nuthestraße/Berliner Straße für knapp anderthalb Stunden ohne Ampel – und auch ohne Verkehrsregelung durch die Polizei, was teils zu entnervtem Hupen bei Auto- und Lkw-Fahrern führte. Gegen 14 Uhr liefen die Ampeln wieder.

Verkehrslage wird beobachtet, Ampeln gegebenenfalls angepasst

Alles in allem sei der erste Tag ohne großen Stau verlaufen, bilanzierte Stadtsprecherin Christine Homann am späten Nachmittag. Vereinzelt hatte es in der Hans-Thoma-Straße, der Ausweichstrecke für den Autoverkehr in Richtung Norden, Stau und zähfließenden Verkehr gegeben, wie aus dem Internetportal der städtischen Verkehrsplaner, mobil-potsdam.de, hervorging. Man werde die Lage auch in den kommenden Tagen weiter beobachten. Am heutigen Freitag ist erstmals der morgendliche Berufsverkehr voll betroffen. In der Verkehrsplanung geht man davon aus, dass sich der Umleitungsverkehr und mögliche Alternativen zum Auto erst in den nächsten Tagen stabilisieren. „Wir werden die Verkehrslage übers Wochenende und Anfang der Woche weiter beobachten und nachsteuern, wenn nachgesteuert werden kann, zum Beispiel mit Ampelschaltungen“, sagte Stadtsprecherin Homann.

Verboten: Die Durchfahrt von der Kurfürstenstraße auf die Hans-Thoma-Straße ist gesperrt. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Verboten: Die Durchfahrt von der Kurfürstenstraße auf die Hans-Thoma-Straße ist gesperrt. © Ottmar Winter


Dass die neuen Wege noch ungewohnt sind, war am Donnerstag an mancher Stelle in der Innenstadt zu bemerken: Autos mussten wenden, Radfahrer auf neue Routen ausweichen. Anwohner erreichen die Behlertstraße aus entgegengesetzter Richtung von der Kurfürstenstraße aus. Die Zufahrt zu den Grundstücken soll über die Bauzeit erhalten bleiben – wochentags allerdings nur von 17 bis 7 Uhr.
Betroffen ist auch der Behördenstandort Com-City, wo unter anderem der Fachbereich Wohnen, Arbeit und Integration der Stadtverwaltung und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) Büroräume nutzen. Das Gelände soll durchgängig erreichbar bleiben.

Die Zufahrt zum Behördenstandort Com-City bleibt erhalten. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Die Zufahrt zum Behördenstandort Com-City bleibt erhalten. © Ottmar Winter

Eine Bima-Mitarbeiterin und ihr Kollege beobachteten am Donnerstagvormittag das Geschehen auf der Straße skeptisch. „Das wird ein Chaos geben“, meinte die Frau und bekam Zustimmung. „Jetzt wird man mehr mit dem Fahrrad fahren“, sagte ihr Kollege über seinen Arbeitsweg. Beide waren sich einig: Wenn man schon um sechs Uhr mit der Arbeit beginnt, ist man vom Stau ohnehin nicht betroffen. Kurzzeitig wurde es an dieser Stelle wirklich brenzlig: Der Verkehr in der Behlertstraße war noch nicht gesperrt, gleichzeitig nutzte aber eine Autofahrerin beherzt die Einfahrt in Gegenrichtung aus der Kurfürstenstraße, war also als Geisterfahrerin unterwegs. Zum Unfall kam es aber nicht, alle bremsten rechtzeitig.

Straße und Leitungen werden grundhaft erneuert

Die 18-monatige Sperrung wird notwendig, weil die Straße grundhaft ausgebaut wird. Neben der Fahrbahn werden auch die darunterliegenden Wasser-, Gas- und Stromleitungen erneuert (PNN berichteten). Danach soll der Verkehr wie bislang zweispurig in Richtung Norden rollen. Für Radfahrer wird die Strecke dann weniger gefährlich: Geplant sind ein 1,50 Meter breiter Schutzstreifen sowie ein zwei Meter breiter Abbiegestreifen in die Kurfürstenstraße.
Zunächst wird nun eine Interims-Wasserversorgung für die Anwohnerinnen und Anwohner aufgebaut, wie Tristan Grüttner, der zuständige Fachbereichsleiter vom städtischen Energie- und Wasserversorger EWP, den PNN am Donnerstag sagte. Danach können die eigentlichen Leitungsarbeiten beginnen. Gebaut wird in zwei Bauabschnitten, die jeweils noch einmal auf die linke und rechte Straßenseite unterteilt sind, damit die Zufahrt immer gewährleistet bleibt.

RBB-Lauf im April 2022 wird "größte Baustellenbesichtigung"

Der Zeitplan sei eng, so Grüttner. Auch wenn der Verkehr erst Ende 2022 wieder durch die Behlertstraße rollt – die Drittelmarathon-Läufer*innen des RBB-Laufes am 24. April 2022 werden trotzdem durch die Straße kommen, wie er betonte. Dann soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein: „Das wird unsere größte Baustellenbesichtigung.“

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