An der Ecke von Großbeerenstraße und August-Bebel-Straße soll gebaut werden. Foto/Grafik: Lutz Hannemann/TSP
© Foto/Grafik: Lutz Hannemann/TSP

Gewerbeansiedlung am Filmpark Investor erwartet 5000 Arbeitsplätze für Potsdam

300 Millionen Euro sollen in eine Gewerbeansiedlung am Filmpark investiert werden. Der Entwurf von Stararchitekt Daniel Libeskind soll das Projekt zusätzlich attraktiv machen.

Potsdam - In Potsdam bahnt sich die größte Gewerbeansiedlung der vergangenen Jahrzehnte an. Neben dem Filmpark sollen bis zu 5000 neue Arbeitsplätze überwiegend in der Medienbranche entstehen. An der Kreuzung von Großbeerenstraße und August-Bebel-Straße soll dazu unter anderem ein 66 Meter hohes Haus gebaut werden. Der Entwurf des US-Stararchitekten Daniel Libeskind soll im August den Stadtverordneten vorgestellt werden.

Hinter dem Projekt stehen Filmparkchef Friedhelm Schatz und der Projektentwickler KW Development des Potsdamers Jan Kretzschmar. Von den rund 600 Millionen Euro Investitionssumme in der Medienstadt entfalle etwa die Hälfte auf dieses Gewerbeprojekt, sagte Kretzschmar den PNN. Die Jobs sollen überwiegend in der Medien- und Filmbranche entstehen. Neben Büros sollen deshalb auch Räume für Postproduktion, Ton und Gaming entstehen. 

Wirtschaftsförderung sieht großen Bedarf

Die Branche entwickle sich dynamisch, speziell im Internet. „Das ist eine große Chance, die Potsdam nutzen könnte“, so Kretzschmar. Der Bedarf sei vorhanden. Er verwies auf die jüngsten Analysen der Potsdamer Wirtschaftsförderung, die bis 2030 rund 14.500 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Beschäftigte und etwa 51 Hektar Gewerbeflächenbedarf prognostiziert. Außerdem könnte das Projekt am Filmpark weitere Unternehmen anziehen.

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem neuen Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]

Damit das gelingt, wollen Kretzschmar und Schatz auch architektonisch ein Ausrufezeichen setzen. Schatz verkündete im Bauausschuss am Dienstagabend, dass er Libeskind für einen Entwurf gewinnen konnte und bat darum, auf einen städtebaulichen Wettbewerb für das Areal zu verzichten, für das derzeit der Bebauungsplan überarbeitet wird.

Daniel Libeskind, US-amerikanischer Architekt und Stadtplaner Foto: Mike Wolff, TSP Vergrößern
Daniel Libeskind, US-amerikanischer Architekt und Stadtplaner © Mike Wolff, TSP

Kretzschmar sagte, er habe zwar nichts gegen einen Wettbewerb. Er bemühte jedoch eine Analogie zur Filmindustrie: „Wenn man einen internationalen Blockbuster drehen will, fragt man auch nicht, wer alles mitmachen will.“ Bei der Auswahl des Architekten gehe es auch darum, auf sich aufmerksam zu machen mit internationaler Strahlkraft. „Wir wollen eine Flagge heben und nicht nur ein Fähnchen.“

Bebauung an der Straße soll nicht höher werden

Für Bedenken hatte im Bauausschuss die beabsichtigte Höhe von bis zu 66 Metern gesorgt. Diese Höhe sei nur auf einem Teilbereich vorgesehen, so Kretzschmar. Das Gebäude soll 18 Stockwerke haben. „Das wird kein Schornstein.“ Die Bebauung am Straßenrand soll hingegen die gleiche Höhe behalten, die derzeit im Entwurf des Bebauungsplans vorgesehen sei. Lasse die Stadt das Hochhaus zu, erhöht sich laut Kretzschmar die nutzbare Fläche um 25 Prozent.

Rechts neben dem Gebäude für Büros und Fundus des Filmparks soll sich neues Gewerbe ansiedeln. Foto: Ottmar Winter PNN Vergrößern
Rechts neben dem Gebäude für Büros und Fundus des Filmparks soll sich neues Gewerbe ansiedeln. © Ottmar Winter PNN

Projektentwickler Kretzschmar hält das Areal für bestens geeignet für eine solche Ansiedlung – und auch für ein Hochhaus. Direkt gegenüber Straßenkreuzung befinde sich der Bahnhof Medienstadt mit Anbindung Richtung Berlin und Beelitz. Es gebe mehrere Buslinien und zum S-Bahnhof Griebnitzsee sei es auch nicht weit. Auch der Bau einer Tram durch die Großbeerenstraße, für die das Rathaus seit Jahren eine Trasse freihält aber nicht finanzieren kann, sei durch das Bauprojekt nicht behindert. Das liege aber in der Hand der Kommune. „Ich würde mich über eine Tram freuen“, so Kretzschmar.

Kretzschmar verwies auch darauf, dass in früheren Versionen der Bebauungspläne für die Medienstadt ähnliche Höhen vorgesehen waren – wenn auch nicht an der identischen Stelle. „Die Verträglichkeit von derartigen Bauten ist also schon einmal geprüft worden.“ Im direkten Umfeld befinden sich fast ausschließlich gewerbliche Nutzungen.

Der Entwurf von Stararchitekt Libeskind wurde indes noch nicht enthüllt. Er soll dem Bauausschuss erst im August in einer nichtöffentlichen Sitzung gezeigt werden. Ganz überraschend mag der Vorstoß für einige Stadtpolitiker allerdings nicht gekommen sein. Denn nach PNN-Informationen haben bereits Vertreter mehrerer Fraktionen den Entwurf gesehen. Allerdings soll sich das Vorhaben noch in einem frühen Projektstadium befinden.

Zur Startseite