Vergrößern
Galerie

Startseite Virtuelles Wandeln durch die Garnisonkirche

2 Fotos

Geschichte der Garnisonkirche Potsdam Virtuelles Wandeln durch die Garnisonkirche

Joachim Castan hat einen Film über die Geschichte des Gotteshauses gedreht. Computeranimationen sollen das Kirchenschiff fast 50 Jahre nach seiner Sprengung erlebbar machen.

Potsdam - Für Liebhaber des alten Potsdams dürfte dies ein wahrer Leckerbissen sein: Am kommenden Mittwoch um 19 Uhr wird in der Nagelkreuzkapelle ein Dokumentarfilm über die Geschichte der Garnisonkirche gezeigt. Eine spannende Zeitreise in das wechselvolle Leben des berühmten Gotteshauses verspricht Historiker und Filmemacher Joachim Castan. Gerade erst fertiggestellt hat er seine filmische Dokumentation über Potsdams einstige Hof- und Garnisonkirche.

Original Filmmaterial verwendet

Auch Kenner der Materie werden darin Spannendes entdecken können: Neu aufgefundene und bislang unveröffentlichte Bilder und Privatfilme hat der in Osnabrück lebende Castan für seine 43 Minuten lange Dokumentation ausfindig gemacht. Darunter ein Wochenschau-Bericht über den verhängnisvollen „Tag von Potsdam“ am 21. März 1933, jenem Datum, an dem aus Anlass der Konstituierung des neu gewählten Reichstages in der Garnisonkirche ein Staatsakt stattfand, nach dessen Ende sich Reichspräsident Paul von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler mit Handschlag verabschiedeten – ein Foto dieser Szene wurde später weltbekannt. Eigentlich war es nur ein kleiner Schnappschuss. „Völlig banal“, nennt Castan die Handschlagszene.

„Den ,Tag von Potsdam’ nehme ich ganz kleinräumig auseinander“, sagt der Filmemacher über sein neuestes Werk. Zwei Wochenschau-Berichte, einen NS-Propagandastreifen sowie zwei Amateurfilme habe er für seine Dokumentation verwendet. Darin unter anderem zu sehen: Eine jubelnde Volksmenge. Die Straßen waren gesäumt von Menschen. In früheren Nachkriegsdokumentationen über den Tag von Potsdam tauchen jubelnde Menschenmengen „eigentlich nicht groß auf“, sagt Castan. Die große Begeisterung der Massen habe man nach dem Krieg in Kenntnis des grauenvollen NS-Terrors wohl lieber etwas ausblenden wollen, mutmaßt Historiker und Filmemacher Castan.

Wiedersehen mit Zeitzeugen

Die überlieferten Filmaufnahmen decken sich dabei auch mit den Erinnerungen eines der wichtigsten Zeitzeugen des „Tags von Potsdam“, dem im vergangenen September im Alter von 100 Jahren verstorbenen Pfarrer Wilhelm Stintzing. Wenige Wochen vor dessen Tod hatte Castan den hochbetagten Alt-Pfarrer noch in seiner Potsdamer Wohnung besucht und ihn vor der Kamera nach seinen Erinnerungen an den 21. März 1933 befragt.

Castans Film ist also zugleich ein letztes Wiedersehen mit jenem Zeitzeugen, der als 18-jähriger Abiturient diesen Tag miterlebte und noch im hohen Alter davon berichten konnte. „Ein kleines Tröpfchen im Meer“ der Menschen sei er damals gewesen, sagte Stintzing einmal gegenüber den PNN. Sehr viele Menschen hätten den 21. März 1933 damals als einen Tag der Hoffnung empfunden. Und eben jene Hoffnung, sowie die Freude und den Jubel über die vermeintlich positive Wende an der Staatsspitze zeigt Castan in historischen Aufnahmen.

Zeitreise ins 18. Jahrhundert

Als ein Highlight seines neuen Films über die mehr als 200-jährige Geschichte des Gotteshauses bezeichnet Castan die Computeranimationen, die den Zuschauer in der Welt des 18. Jahrhunderts wandeln lassen. „Es ist uns gelungen, den Bauzustand aus der Zeit um 1790 erlebbar zu machen“, sagt der Historiker. So werde es im Film eine Kamerafahrt vom Alten Markt bis zur Garnisonkirche geben, die dem Zuschauer einen Eindruck vom Stadtbild des 18. Jahrhunderts vermittelt. Die Zuschauer sollen zudem einen Eindruck vom Inneren des Kirchenschiffs und der Gruft bekommen. Auf diese virtuelle Weise wird es auch „einmal schwungvoll zum Turm hoch“ gehen, verrät Castan schon einmal. Man werde dabei einen im Inneren lichtdurchfluteten weißen Kirchenbau erleben können. Geradezu schmuck- und schnörkellos, noch nicht „neobarock aufgerüstet“, wie Castan es nennt. Jene neobarocken Zutaten wie Prunkleuchter und der reich verzierte Altar seien erst in der Phase ab 1891 unter Wilhelm II. in die von 1730 bis 1735 nach Plänen von Philipp Gerlach errichtete Kirche gekommen.

Lösung eines Rätsels

Castan verspricht, in seinem Film auch ein Rätsel zu lösen: Was nämlich hat Napoleon 1806 wirklich gesagt, als er in der Kirchengruft vor dem Sarg Friedrichs des Großen stand? Die Aussage, er – also Napoleon – wäre nicht bis hierher gekommen, wenn Friedrich noch lebte, sei es jedenfalls nicht gewesen, verrät Castan schon einmal vorab. Anhand eines Manuskriptes von 1806 aus der Berliner Staatsbibliothek habe er klären können, was Napoleon am Grab wirklich gesagt hat.

Auch die Zerstörung der Kirche im Krieg sowie die Sprengung der Turmruine im Jahre 1968 thematisiert Castan in seinem Werk. Dabei habe er auf mehrere Filme von der Sprengung des Sakralbaus zurückgreifen können. Ein Film ist schon länger bekannt. Er war als Lehrfilm zur „Sprengung einer Kirchenruine“ gedacht. Doch Castan sagt, er habe auch auf mehrere bisher unbekannte Amateurfilme zurückgreifen können.

Selbst der Geheimagent Ihrer Majestät, der legendäre James Bond, ist im Film mit von der Partie. Na ja, nicht ganz: Als Sprecher im Film wird Lutz Riedel zu hören sein. Er verlieh unter anderem James-Bond-Darsteller Timothy Dalton seine deutsche Stimme.

Am 14. April, dem 70. Jahrestag der Zerstörung Potsdams, zeigt der RBB um 20.15 Uhr in der Reihe „Geheimnisvolle Orte“ den Film noch einmal

Zur Startseite