Gegner des Wiederaufbaus der Garnisonkirche haben vor Monaten dieses gelbe Warnschild an den Sicherheitskäfig für die Wetterfahne des montiert. Foto: A. Klaer
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Gegner der Garnisonkirche führen Stiftung vor Falsche Warnung vor dem Strom

Garnisonkirchen-Gegner haben gelbe Warnschilder, auf denen zum Beispiel "Hochspannung Lebensgefahr" steht, an den Sicherheitskäfig für die Wetterfahne befestigt. Vor einem Dreivierteljahr. Der Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche ist das bislang noch nicht aufgefallen.

Potsdam - Die Hinweise auf den gelben Schildern sind eindeutig: „Warnung vor dem Berühren der elektrischen Einrichtung. Vorsicht!“ und „Hochspannung, Lebensgefahr“. Doch die Schilder, die in über drei Metern Höhe am Drahtkäfig für die originalgetreu rekonstruierte Wetterfahne der Potsdamer Garnisonkirche hängen, sind ein Scherz. Dort gibt es gar keine elektronischen Einrichtungen, auch steht der Drahtkäfig nicht unter Strom, wie die Schilder suggerieren.

Gegner des Wiederaufbaus der Kirche montierten die Warnzeichen bereits vor einem Dreivierteljahr an den Sicherheitskäfig, der die etwa acht Meter hohe und tonnenschwere Fahne vor mutwilliger Zerstörung schützen soll. Sandro Szilleweit, einer der Aktivisten der Wiederaufbau-Gegner, installierte zusammen mit dem Konzeptkünstler Marcus Große das Warnschild: „Für uns war das eine interventionistische Kunstaktion – es ging darum, sichtbar zu machen, dass etwas Öffentliches vor der Öffentlichkeit mit viel Aufwand weggesperrt wird. Dass das so komische Züge annahm, hätten wir auch nicht erwartet“, sagte er den PNN auf Anfrage. Zum Beispiel habe er mehrfach etwas ratlos wirkende Touristen gesehen, die auf die Schilde zeigten. Der Stiftung für den Wiederaufbau der Garnisonkirche sind die fremdinstallierten Warnhinweise bis jetzt nicht aufgefallen.

Bekennerschreiben in der Fraktionszeitschrift von Die Andere

Dabei war bereits im vergangenen Januar in der regulären Fraktionszeitschrift der Wählergruppe Die Andere, zu der Szilleweit gehört und für die er bereits als Stadtverordneter tätig war, ein satirisch verfasstes Bekennerschreiben zu lesen. Unter der Überschrift „Spannende Pute“ wird beschrieben, wie das Schild an den Käfig kam: „Eine isolierte Klappleiter und einige Kabelbinder helfen bei der Befestigung am leitfähigen Metallgitter der Vitrine.“ Kurz nach der Aktion hätten sogar noch Polizisten in einem Streifenwagen angehalten, sich nach der Leiter erkundigt. Die Aktivisten behaupteten nach eigener Darstellung, für ein Kunstprojekt Fotos schießen zu wollen. Schließlich hätten die Polizisten – unter Verweis auf das eben erst angebrachte Schild und den angeblichen Stromfluss im Gitter – ermahnt, vor dem Käfig nicht einfach eine Leiter aufzustellen. Der Text in dem Andere-Heft schließt mit der Feststellung: „Die zwei Wachtmeister treten ab. Unter der Anstrengung ernster Mienen machen die Diskurs-Installateure noch einige ebenerdige Beweisfotos, bevor ihnen im Auto die Lachtränen in die Augen schießen.“

Jetzt kommt das Schild weg

„Wir werden das Schild jetzt abmontieren“, sagte der Verwaltungsvorstand der Stiftung Wiederaufbau Garnisonkirche, Peter Leinemann den PNN, der ebenfalls keine Kenntnis davon hatte. Weiter wollte Leinemann die Angelegenheit allerdings nicht kommentieren. Die im Mai vor einem Jahr ausgestellte Wetterfahne soll einmal den 88 Meter hohen Turm der Kirche krönen. Der Nachbau der vergoldeten Spitze besteht aus einem zur Sonne strebenden Adler, einer Krone und den Initialen Friedrich Wilhelms I. (1688–1740). Der König ließ den Bau in Potsdam 1735 errichten. Zum Wiederaufbau der barocken Garnisonkirche und zur Gestaltung des Umfelds findet gerade ein von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) initiierter Bürgerdialog statt. Wegen der kaum zu vereinbarenden Positionen der Gegner- und Wiederaufbauinitiativen liegt das Verfahren derzeit allerdings auf Eis, über den Fortgang des Vorhabens soll in Gesprächen hinter verschlossenen Türen beraten werden.

Den Dialog hatte Jakobs nach einem Bürgerbegehren ins Leben gerufen, bei dem mehr als 14.000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt wurden. Für den Kirchenturm gibt es eine gültige Baugenehmigung. Allerdings muss die Wiederaufbau-Stiftung noch mindestens rund 20 Millionen Euro sammeln, damit der Turm fertig werden kann. Die Befürworter hoffen auf einen Baustart bis 2017 oder eher. In zwei Jahren findet der Deutsche Evangelische Kirchentag zum 500-jährigen Reformationsjubiläum unter anderem in Berlin statt.


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