Die Turm-Baustelle der Garnisonkirche. Foto: Ottmar Winter
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Gegen den Kompromissweg Fördergesellschaft will Kirchenschiff der Garnisonkirche

Die neue Chefin der Unterstützungsgesellschaft für die Garnisonkirche lehnt die Kompromissideen zum Areal ab. Ihr Vorgänger findet für diese Haltung klare Worte und fordert mehr Toleranz in der Debatte.

Potsdam - Maximalforderungen statt Konsenssuche: Der neu gewählte Vorstand der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche positioniert sich klar gegen den von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) ausgehandelten Kompromiss zum Umfeld des Kirchturms. 

Nach der Wahl der neuen Vorsitzenden Maike Dencker am Samstag teilte der Förderverein mit, neben der Unterstützung für den vollständigen Aufbau des Turms wolle man nun ein Nutzungskonzept für das Kirchenschiff inklusive Finanzierungsplan entwickeln. Und beim benachbarten Künstlerhaus Rechenzentrum halte man daran fest, dass dessen Nutzung nur bis Ende 2023 geduldet werde, so der Verein. Dieser hat im 14-köpfigen Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche eine Stimme. 

Fördergesellschaft contra Stiftung für den Wiederaufbau

Damit stellt sich die Fördergesellschaft auch gegen die Position der Stiftung für den Wiederaufbau. Deren Kommunikationsvorstand Wieland Eschenburg erklärte nach der Neupositionierung, die Stiftung stehe zu dem Kompromissvorschlag. Dieser sieht bekanntermaßen den weitgehenden Erhalt des Rechenzentrums und ein „Haus der Demokratie“ statt eines Kirchenschiffs vor. Der Vorschlag zur „gemeinsamen Entwicklung“ eines Forums an der Plantage könne „eine Zukunftsperspektive für den Ort ermöglichen“, so Eschenburg. 

Es müsse dabei darum gehen, „sehr unterschiedliche Interessen zu prüfen und Bedarfe auszutarieren“. Dafür sei „vertrauensvolle Kommunikation, große Ruhe, Offenheit und Sachlichkeit“ nötig. Oberstes Ziel der Stiftung sei aber laut Eschenburg derzeit die Fertigstellung des Turms. Angesichts noch nicht ausgereichter Fördergelder des Bundes und deutschlandweit extrem steigender Baukosten ist diese ungewiss.

Maike Dencker, die neue Chefin der Fördergesellschaft. Foto: CDU Potsdam Vergrößern
Maike Dencker, die neue Chefin der Fördergesellschaft. © CDU Potsdam


Der neue Vorstand der Fördergesellschaft traut sich hingegen sogar die Finanzierung des Kirchenschiffs vor. „Wir werden deutschlandweit für den Wiederaufbau mit Wagemut und Gottvertrauen werben und rufen die ökumenische Christenheit auf, uns beim Wiederaufbau der Garnisonkirche zur Ehre Gottes tatkräftig zu unterstützen“, so der Verein. Man wolle eine „angemessene Spendenkampagne“ für das „europäische Kulturdenkmal“ starten – also den einstigen Barockbau. Für das Kirchenschiff schwebt dem Verein ein Konzept vor, „das gesellschaftliche und kirchliche Perspektiven ermöglicht“. 

Der bisherige Vorsitzende trat zurück

Mit der Neupositionierung geht der Förderverein auch auf Abstand zu seinem bisherigen Vorsitzenden Matthias Dombert, der den Schubert-Kompromiss mit ausgehandelt hatte. Danach hatte es gerade unter Anhängern eines originalgetreuen Wiederaufbaus erhebliche Verärgerung gegeben. Schon während der Sitzung stellten alte und neue Vereinsmitglieder – erkennbar viele davon aus der CDU und dem Umfeld der Bürgerinitiative „Mitteschön“ – Werbebanner mit Bildern der früheren Garnisonkirche auf: „Ist das Ziel klar, fließen auf die Spenden“, hieß es auf einem der Banner. 

Dencker hatte sich vor ihrer Wahl auch für ein Kirchenschiff ausgesprochen. Mit der Formulierung „in welcher Form auch immer“ hatte sie allerdings Spielraum gelassen, wie originalgetreu das Schiff errichtet werden soll. Die Evangelische Kirche hatte Millionenkredite für den Wiederaufbau an die Bedingung geknüpft, dass an einem Kirchenschiff architektonisch Brüche zur Vergangenheit der Militärkirche erkennbar sein müssen.
Auch daran erinnerte Dombert, der auf der Sitzung wie angekündigt zurücktrat

Gleichwohl stehe er, trotz der Kritik aus den eigenen Reihen, zu dem Kompromiss. Denn bei seinem Engagement für die Garnisonkirche habe für ihn stets der inhaltliche Versöhnungsaspekt des Projekts im Vordergrund gestanden, sagte er den Mitgliedern des Fördervereins. Dafür sei der Turm als städtebauliche Dominante das Entscheidende, um an dem Ort überzeugende Antworten auf die Frage zu finden, „was zu tun ist, um das zu verhindern, was sich in der unsäglichen deutschen Geschichte mit diesem Gebäude verbunden hat“. 

Dombert gegen Rigorismus in Städtebaufragen

Der Kompromiss zeige, dass auch Befürworter der Garnisonkirche Gräben überwinden könnten. Ein jahrzehntelanger Streit könne so in ein konstruktives Miteinander überführt werden, warb Dombert. Dagegen widerspreche „ein Rigorismus“, der sich in städtebaulichen Forderungen zeige, dem Kerngedanken des Projekts: „Versöhnung leben – und mit anderen reden“. Dieser Gedanke sei auch bei teils persönlichen Anwürfen gegen Befürworter des Kompromisses leider sehr in den Hintergrund getreten. 

Matthias Dombert, der nun abgetretene Chef der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Matthias Dombert, der nun abgetretene Chef der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. © Sebastian Gabsch

Zugleich mahnte Dombert Ehrlichkeit an: Die Garnisonkirche sei zwar als Spendenprojekt von Bürgern gestartet. Doch durch die Förderung mit mehr als 20 Millionen Euro aus Steuermitteln sei es nun ein öffentliches Vorhaben. Insofern komme es nicht mehr allein auf die Fördergesellschaft an – sondern zum Beispiel auf die Unterstützung des Bundespräsidenten und Schirmherren des Großvorhabens für Schuberts Kompromissidee. Schubert selbst erklärte auf Anfrage, er wolle mit Dencker konstruktiv zusammenarbeiten – wie mit ihrem Amtsvorgänger, dem er ausdrücklich dankte. 

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Eine Mahnung von Saskia Hüneke - und Freude bei der CDU

Schon im Vorfeld des geplanten Kurswechsels der Fördergesellschaft hatte auch Grünen-Fraktionschefin Saskia Hüneke, zugleich von Beginn an Mitglied des Vereins, eine Mahnung ausgesprochen. „Wenn die Fördergesellschaft im weiteren Diskursweg relevant bleiben will“, müsse diese sich auf den auch von den Stadtverordneten beschlossenen Kompromissweg begeben. Die Fördergesellschaft könne diesen breit angedachten Diskurs bereichern, allerdings werde das nicht „mit der einfachen Position ’das Rechenzentrum muss weg’ funktionieren“, so Hüneke. Doch für solche moderaten Positionen gab es am Samstag keine Mehrheit.

Beifall kam allerdings von der CDU. "Es ist gut, dass nun wieder ein Vorstand gewählt wurde, der im Einklang mit den Zielen der Satzung handelt", teilte Kreischef Oliver Nill mit. In der Mitteilung wurde auch daran erinnert, dass die ersten frei gewählten Stadtverordneten in Potsdam in der Garnisonkirche tagten - eine Funktion, die sich die CDU offenbar auch für das Kirchenschiff vorstellen kann. 

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