Ein Straßenzusatzschild informiert künftig in Potsdam über die Rolle Henning von Tresckows im militärischen Widerstand. Foto: Ottmar Winter PNN
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Gedenken an gescheitertes Attentat am 20. Juli 1944 „Schlüsselfigur des militärischen Widerstandes“

Die Stadt enthüllte anlässlich des Jahrestages des 20. Juli 1944 ein Straßenzusatzschild in der Henning-von-Tresckow-Straße.

Potsdam- Wer war Henning von Tresckow? „Leider erinnern sich heute immer weniger Menschen daran“, sagte Potsdams Bürgermeister Burkhard Exner (SPD) am Dienstag anlässlich des 77. Jahrestages des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944, an dem von Tresckow maßgeblich beteiligt war. Um Gedenken und Erinnerung an den Wehrmachtsoffizier wachzuhalten, enthüllte die Stadt in der Henning-von-Tresckow-Straße ein Straßenzusatzschild, auf dem die historische Rolle des Namensgebers erläutert wird.

Minister Beermann erinnert an weitere Widerstandsaktionen

Die Straße befindet sich an dem ehemaligen Kasernenkomplex, in dem von Tresckow als 16-Jähriger in den Militärdienst eingetreten war, sagte Guido Beermann (CDU), Minister für Infrastruktur und Landesplanung, dessen Ministerium sich heute hier befindet. Rund 30 Personen waren bei der Enthüllung anwesend, darunter auch der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Pete Heuer (SPD), Vertreter des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, das sich in der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Geltow befindet, sowie von Tresckows Enkelin, Felicitas von Aretin.

Am 20. Juli 2021, 77 Jahre nach dem gescheiterten Attentat, wird mit der Enthüllung des Schilds an den Widerständler gedacht Foto: Ottmar Winter PNN Vergrößern
Am 20. Juli 2021, 77 Jahre nach dem gescheiterten Attentat, wird mit der Enthüllung des Schilds an den Widerständler gedacht © Ottmar Winter PNN

„Der Krieg ist verloren. Hitler ist verrückt geworden und muss beseitigt werden“, vertraute von Tresckow Anfang Dezember 1941 dem befreundeten Karl Silex an, Chefredakteur der Deutschen Allgemeinen Zeitung. Der Wehrmachtsoffizier hatte sich allmählich von einem Anhänger zu einem Gegner der Nationalsozialisten gewandelt, Hitlers militärische Inkompetenz, der Vernichtungskrieg sowie die Gräuel der Nazis waren bei ihm auf immer mehr Ablehnung gestoßen. Zusammen mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörte er zu den zentralen Verschwörern der „Operation Walküre“, bei der Hitler durch eine Bombe im Führerhauptquartier Wolfsschanze getötet und ein Staatsstreich vollführt werden sollte.

Von Tresckow nahm sich anschließend das Leben

Hitler überlebte, Henning von Tresckow fuhr einen Tag später an die Ostfront. „Um nicht unter Folter weitere Namen von Verschwörern preiszugeben, entschied er sich zum Suizid“, sagte Guido Beermann. Von Tresckow nahm sich das Leben mit einer Gewehrgranate, die er allein in einem Waldstück zündete, um so einen Partisanenangriff vorzutäuschen.

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„Henning von Tresckow war eine Schlüsselfigur des militärischen Widerstandes“, sagte Beermann und erinnerte daran, dass dem 20. Juli 1944 eine Reihe weiterer Attentate vorausgegangen waren, die von Tresckow ebenfalls initiiert hatte. Das erste fand am 13. März 1943 statt: Die Verschwörer hatten Hitler zu einer Truppeninspektion nach Smolensk gelockt, vor Ort platzierte von Tresckow eine britische Haftmine mit einem Säurezünder in Hitlers Flugzeug. Die Bombe, die als Box mit zwei Flaschen Cointreau getarnt war, sollte 30 Minuten nach Start explodieren und den Absturz des Flugzeugs wie einen Unfall aussehen lassen.

Geplantes Bombenattentat in Ausstellung misslang

Doch der Zündmechanismus versagte aufgrund der großen Kälte im Frachtraum seinen Dienst. „Niemand bekam etwas von dem Attentatsversuch mit“, sagte Beermann. Damit dies so blieb, fuhr der Mitverschwörer Fabian von Schlabrendorff am folgenden Tag unter einem Vorwand ins Führerhauptquartier, und nahm das Päckchen mit der nicht detonierten Bombe wieder an sich. Wenige Tage später versuchten es die Widerstandskämpfer um Tresckow erneut: Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff sollte Hitler am 21. März 1943 im Berliner Zeughaus mit einer Bombe töten, während sich dieser eine Ausstellung ansehen sollte. Auch dieses Attentat scheiterte, weil Hitler statt der geplanten 20 Minuten lediglich zwei Minuten dort vor Ort verbrachte.

Von Aretin: "Für mich immer ein tragischer Held"

Von Tresckow gab nicht auf, längst war das Attentat auf Hitler – selbst wenn es misslang – zur Gewissensfrage geworden: „Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, daß die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleichgültig“, schrieb er an Stauffenberg.

Felicitas von Aretin zeigte sich erfreut über die Informationstafeln zum Gedenken an ihren Großvater. Dass seine Geschichte etwas in Vergessenheit geraten ist, sei der Zeit geschuldet: „Er wird in der öffentlichen Wahrnehmung immer etwas hinter Stauffenberg zurückstehen“, sagte die Historikerin und Autorin. „Für mich war er immer ein tragischer Held“, so von Aretin.

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