Gedenken. Mit einem Festgottesdienst wurde der Sprengung der Kirchenruine 1968 erinnert. Foto: Manfred Thomas
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Garnisonkirche Potsdam Das Fundament kann kommen

Christoph H. Winter

Am Samstagabend wurde in der Nagelkreuzkapelle an die Sprengung der Garnisonkirche vor 50 Jahren erinnert. Auch die Gegner meldeten sich zu Wort. Am Rande der Veranstaltung kam es zu zwei Festnahmen.

Potsdam - Zum 50. Jahrestag der Sprengung der Potsdamer Garnisonkirche hat die Fördergesellschaft zum Wiederaufbau der einstigen Militärkirche eine positive Zwischenbilanz gezogen. „Wir sind sehr froh, dass wir nun alle 38 Gründungspfähle für die Fundamentplatte gesetzt haben, so dass unsere Unterstützer bald sehen können, wie der Turm hochgezogen wird“, sagte der Vorsitzende Matthias Dombert am Samstag vor der nichtöffentlichen Mitgliederversammlung. „Wichtig ist, diesen Neubau in historisierender Form mit einem neuen Inhalt zu füllen“, betonte Dombert. „Daher werden wir den Gedanken der Friedens- und Versöhnungsarbeit konsequent voranbringen.“

Die Gründungspfähle stehen, das Fundament kann kommen

Zum Festgottesdienst am Samstagabend war die Nagelkreuzkapelle gut gefüllt. Den Gottesdienst hielt Altbischof Wolfgang Huber, der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Garnisonkirche, die Liturgie leitete Nagelkreuzpfarrerin Cornelia Radeke-Engst. In ihren Ansprachen erinnerten sie an die Geschichte der Sprengung: Die kirchenfeindliche DDR ließ im Nachklang des Prager Frühlings 1968 die Garnisonkirche, obwohl sie sich in wiederaufbaubarem Zustand befand, als eine von insgesamt 60 Kirchen auf ihrem Staatsterritorium sprengen. Dabei habe die Kirche auch als maßgeblicher Ort des Widerstands gegen den Nationalsozialismus gedient – der in den Attentatsversuch des 20. Juli involvierte Henning von Tresckow sei Mitglied der Gemeinde gewesen. Nur kurz gingen beide auf die „dunkle Geschichte“ der Kirche ein, den Handschlag zwischen Reichspräsident Paul von Hindenburg und Adolf Hitler am „Tag von Potsdam“ im März 1933, der als Schulterschluss zwischen der Preußischen Elite und den Nationalsozialisten gilt. Die Grüne-Landtagsabgeordnete Marie Luise von Halem sprach in ihrem Grußwort von der neuen Funktion der wiederaufgebauten Kirche als Ort der Vermittlung, der kritischen Auseinandersetzung mit deutscher Vergangenheit, aber auch als Ort der Versöhnung. Die Aufgabe der kritischen Auseinandersetzung übernimmt ein neuer wissenschaftlicher Beirat der Kirche, den der Berliner Historiker Paul Nolte leiten wird (PNN berichteten).

200 000 Euro von der Aurora-Stiftung

Während des Gottesdienstes wurde wie angekündigt auch ein neuer Spender für den Wiederaufbau präsentiert: die Aurora Humanitarian Initiative, der Noubar B. Afeyan vorsitzt, Unternehmer und Dozent der Harvard Business School. Die Initiative wurde am Samstag von ihrem Geschäftsführer Harout Chitilian vertreten. Es handelt sich um eine wohltätige Stiftung, die sich dem Andenken des Völkermordes an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges durch das Osmanische Reich widmet. Großvater und Großonkel Afeyans wurden während der Verfolgung von deutschen Soldaten, die das Osmanische Reich als Bündnispartner unterstützten, aus einem Viehwaggon befreit, mit deutschen Uniformen, Namen und Pässen ausgestattet, um so zwei Jahre lang beim Bau der Bagdad-Bahn zu helfen. „Ohne den Mut der deutschen Soldaten,“ lässt Afeyan sich in der Wochenzeitung „Die Zeit“ zitieren, „gäbe es keine armenische Exilcommunity“. Dennoch passt Afeyans Spende von 200 000 Euro, die er über die Aurora-Stiftung in den Wiederaufbau der Kirche investiert, nicht ganz ins Bild, da sich die Stiftung sonst wohltätigen Projekten verschreibt, die aktiv zur Verbesserung der Lebensqualität Hilfsbedürftiger beitragen. In seiner Rede betont Chitilian immer wieder die „Vision des Wiederaufbaus, die Vision der Versöhnung“, zu deren Umsetzung die Kirche beitragen soll.

Zwei Festnahmen am Rande

Zu zwei vorläufigen Festnahmen kam es am Rande des Festgottesdienstes, wie die Polizei mitteilte: Polizisten wurden demnach auf zwei junge Männer aufmerksam, die eine Bierflasche in Richtung Veranstaltungsgelände warfen. Dabei sei zwar niemand verletzt oder getroffen worden. Bei der Kontrolle der 26 und 28 Jahre alten Männer fanden die Polizisten aber eine größere Menge an Drogen. Die Staatsanwaltschaft ordnete Wohnungsdurchsuchungen an. Die beiden polizeibekannten Männer seien vorläufig festgenommen worden und sollen einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Kripo hat die Ermittlungen übernommen.

Kritiker fordern Baustopp

Die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche forderte unterdessen erneut einen Baustopp. Dies böte die Chance, die Bürger bei der Oberbürgermeisterwahl im September über den Neubau der einstigen Militärkirche zu befragen, sagte der Sprecher der Initiative, Simon Wohlfahrt. Wohlfahrt erinnerte daran, dass 2014 mehr als 14 000 Potsdamer für ein Bürgerbegehren gegen den Wiederaufbau unterschrieben hätten. Ein möglicher Bürgerentscheid sei aber von der Stadtverordnetenversammlung verhindert worden. Dagegen erklärte der Vorstand der Stiftung Garnisonkirche, Peter Leinemann, der Wiederaufbau sei in der Stadtverordnetenversammlung, im Bundestag und in drei kirchlichen Gremien gebilligt worden. „Damit ist das Projekt ausreichend demokratisch legitimiert“, meinte er. Um das Wiederaufbauprojekt wird in Potsdam seit Langem gestritten. Die Gegner befürchten unter anderem, es könne eine Pilgerstätte für Neonazis entstehen. Kritisiert wird zudem die Verwendung öffentlicher Mittel. mit dpa/jaha

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