Kritiker des Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche würden das Glockenspiel auf dem Plantagenplatz gern abgeschaltet sehen. Foto: A. Klaer
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Garnisonkirche in Potsdam Wirbel um das Glockenspiel

Die alternative Fraktion Andere erklärt: Das Garnisonkirchen-Geläut wird wegen Lärmschutz abgestellt, weil ein "lärmgeplagter Anwohner" geklagt hätte. Das Rathaus dementiert.

Potsdam - Im Streit um die Garnisonkirche forciert die alternative Fraktion Die Andere eine Debatte zum gleichfalls umstrittenen Glockenspiel an der Ecke Dortu-/ Yorckstraße. In einer Kleinen Anfrage an die Stadtverwaltung formuliert Fraktionsgeschäftsführer Lutz Boede jetzt forsch: „Das Glockenspiel auf der Plantage wird in den nächsten Monaten wegen der Umgestaltung des Platzes abgeschaltet.“ Damit komme die Stadt Potsdam offenbar einer Klage „lärmgeplagter Anwohner“ zuvor, die bemängeln würden, dass das Geläut den Rechtsnormen für Lärmschutz nicht mehr entspreche. Auch die genaue Uhrzeit der Abschaltung will Boede wissen, „ da dieses Ereignis in der Nachbarschaft mit einem Sektempfang begleitet werden soll“.

Abschaltung aus Lärmschutzgründen sei nicht vorgesehen

Doch das Glockenspiel, das seit mehr als 25 Jahren im Wechsel die Choräle „Üb’ immer Treu’ und Redlichkeit“ sowie „Lobet den Herrn“ ertönen lässt, wird nicht abgeschaltet. Und auch nicht abgerissen, wie am Montag jeweils Sprecher der Potsdamer Bauverwaltung und des kommunalen Sanierungsträgers für die Potsdamer Mitte übereinstimmend versicherten. „Das Glockenspiel bleibt in unserer Planung erhalten“, sagte Jessica Beulshausen vom Sanierungsträger. Unter anderem verwies sie auch auf die „identitätsstiftende Bedeutung“ des Glockenspiels, die sich auch bei der Kinder- und Jugendbeteiligung zur Zukunft des Plantagenplatzes gezeigt habe. Rathaussprecher Jan Brunzlow sagte, auch eine Abschaltung aus Lärmschutzgründen sei nicht vorgesehen. Boede dagegen verwies gegenüber den PNN auf anderslautende Informationen aus der Stadtverwaltung, die vor sechs Monaten im Hauptausschuss gegeben worden seien. Wie berichtet wird die Plantage ab dem Sommer zu einem Freizeitareal mit Spiel-, Sport- und Bewegungsangeboten umgestaltet.

Das dortige Glockenspiel war 1991 von der umstrittenen „Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel“, 1984 von Bundeswehrsoldaten um den rechtsnationalen Mäzen und Ex-Oberst Max Klaar in Iserlohn gegründet, der Stadt Potsdam gestiftet worden. Auch wegen des Spenders blieb es umstritten, war schon mehrfach das Ziel von Attacken. So hatten Unbekannte 2003 die Glocken mit Dämmschaum zum Schweigen gebracht. Sie hatten die Klangkörper, die an meterhohen Stahlstreben hängen, mit der klebrigen Masse verfüllt und die Stromleitungen des Spiels gekappt. 2004 hatte die Stadtverwaltung bereits die Läutzeit des Glockenspiels nach einer Bürgerbeschwerde leicht verkürzt.

Die Glocken sollen einmal im geplanten Garnisonkirchen-Turm läuten

Ob das Glockenspiel wirklich dauerhaft auf der Plantage bleiben wird, ist noch unklar. Denn eigentlich sind die Glocken dafür vorgesehen, einmal im geplanten Turm der Garnisonkirche zu läuten. Das bestätigte Peter Leinemann aus dem Vorstand der Stiftung Garnisonkirche. „Diese Fragen müssen wir aber noch konkreter untersuchen.“ Das werde erst nach Baubeginn möglich sein. „Wie bei allen anderen Entscheidungen müssen wir Fachgutachter und -planer befragen, auf deren Untersuchungsergebnissen dann die Entscheidungen basieren“, sagte Leinemann. Boede hatte außerdem wissen wollen, mit welchen Einnahmen zu rechnen wäre, falls ein Verkauf oder eine Verschrottung des Glockenspiels vorgesehen sei.

Der Baustart für den Garnisonkirchturm ist für diesen Oktober geplant. Zuletzt hatte noch der Bund grünes Licht für die Freigabe der zwölf Millionen Euro gegeben, mit denen Berlin das als von nationaler Bedeutung eingestufte Projekt fördern will. Vor knapp einem Monat hatte die Garnisonkirchen-Stiftung verkündet, dass die Finanzierung für die abgespeckte, 26,1 Millionen Euro teure Variante des Turms ohne Turmhelm, Glockenspiel und barocke Verzierungen steht.

Auch hier meldet Die Andere mit Fragen an die Bauverwaltung Zweifel an. So wird gefragt: „Welche Maßnahmen ergreift die Stadt, um eine Bau- und Förderruine zu vermeiden, sollte der Bau des Gesamtturms scheitern und eine Zahlungsunfähigkeit der Vorhabenträger durch Rückzahlungsverpflichtungen drohen?“ Zudem wird daran gezweifelt, ob alle Bedingungen der Baugenehmigung durch den geplanten Rumpfturm eingehalten werden. Die Garnisonkirchenstiftung hatte solche Vorwürfe stets zurückgewiesen. 

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