Garnisonkirche hätte genügend Platz Stiftung: Wohnheim könnte bleiben

Das Studentenwohnheim in der Breiten Straße in Potsdam muss nicht zwangsläufig einem möglichen Wiederaufbau der Garnisonkirche zum Opfer fallen. Turm und Kirchenschiff der Garnisonkirche hätten neben dem Studentenwohnheim ausreichend Platz, sodass der Wohnheimkomplex nicht für einen Wiederaufbau der Kirche abgerissen werden müsste, teilte die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche am Freitag in Potsdam mit.

Die Argumentation der Kirchengegner, nach der durch den Bau Wohnraum vernichtet werde, sei daher falsch. Dem Bebauungsplan zufolge werde auf dem Gelände, auf dem derzeit das Heim steht, nur im Falle eines Wohnheim-Neubaus ein öffentlicher Stadtplatz entstehen. Durch den Wiederaufbau der Garnisonkirche sollen auch neue Bildungsangebote möglich werden. Es sei ein „Lernort der Geschichte“ geplant, in dem auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden sollen. „Wir wünschen uns, dass das studentische Leben in Potsdam seinen Platz hat, denn das braucht die Stadt“, sagte der Verwaltungsvorstand der Stiftung Garnisonkirche, Peter Leinemann. „Damit gehen wir nicht der Vergangenheit entgegen, sondern werden aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen“, fügte er hinzu.

Gut funktionieren offenbar die neuen Angebote für potenzielle Spender. 97-mal sei seit Mitte Dezember ein sogenannter Zeichnungsschein zur Zahlung einer frei gewählten Summe gewählt worden, sagte Stiftungssprecherin Friederike Schuppan der PNN. Das Geld müssen die Spender aber nur dann zahlen, wenn es zum Baustart kommt – eine Methode, die an Crowdfunding-Aktionen im Internet angelehnt ist. Insgesamt seien so rund 135 800 Euro eingesammelt worden. Mitte Januar waren es noch gut 90 000 Euro. Die höchste Zusage belief sich auf 30 000 Euro, sagte Schuppan.

Der Bebauungsplan soll in der kommenden Woche im Bauausschuss beraten werden. Darin ist langfristig ein Teilabriss des Wohnheims vorgesehen. Da das Gebäude erst vor Kurzem modernisiert wurde, genieße es aber zunächst einen Bestandsschutz.

Vor allem die Studentenvertretungen und das Studentenwerk laufen gegen die Pläne Sturm und argumentierten, dass Wohnraum geschaffen und nicht vernichtet werden müsse. Das Wohnheim ist bei Studenten wegen der zentralen Lage sehr beliebt.

Auch Mike Schubert, Chef SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung und SPD-Kreischef, verwies auf den Bestandsschutz. Er schlug zugleich vor, die Diskussion um die Garnisonkirche von der Zukunft des Wohnheims zu trennen. Der Linke-Politiker Sascha Krämer kritisierte, dass die Landeshauptstadt Potsdam falsche Prioritäten setze. Sie gehe mit schnellen Schritten der Vergangenheit entgegen und verliere so die Zukunft. „Wir fordern eine lebendige Stadt, und vor allem eine lebendige Stadtmitte, für alle“, sagte er.sen

 

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