Modern, ja fast schon futuristisch wirkt das Forschungszentrum „Circle“ in Bornim von außen. Foto: Michael Voit
© Michael Voit

Futurismus in Bornim Dach wie eine aufgeschnittene Frucht

Am heutigen Tag der Architektur steht das Forschungszentrum Circle in Bornim offen – und viele Bauwerke mehr. Eine herausgehobene Rolle spielt der Baustoff Holz.

Potsdam - Wer in der ländlichen Umgebung der Bornimer Feldflur unterwegs ist, mag überrascht sein, auf ein so modernes Gebäude wie das Forschungszentrum „Circle“ zu stoßen: Leicht futuristisch erscheint der zweigeschossige Kubus auf dem Gelände des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Bornim und ist sofort als Ort der Wissenschaft erkennbar. Dank seiner niedrigen Höhe und der zurückhaltenden Fassadengestaltung wirkt es dennoch nicht wie ein Fremdkörper, sondern fügt sich gut in die umgebende Landschaft ein.

Das Circle (der Name steht für „Center for Research and Communication in a Circular Bioeconomy“) gehört zu einem von 39 Gebäuden und Außenanlagen, die am 26. Juni am Tag der Architektur in Brandenburg öffentlich zugänglich sind. Der Baustoff Holz spielt eine herausgehobene Rolle, 30 Prozent der Objekte sind Holzbauten. In Potsdam stehen vier Häuser für Interessierte offen, in Potsdam-Mittelmark fünf. Von 13 bis 18 Uhr bieten die Architekt:innen Führungen an, zum Teil sind Voranmeldungen nötig; mehr Informationen sind auf der Webseite www.ak-brandenburg.de/tag-der-architektur-2022 zu finden.

Wechselwirkung von Ackerböden und Dürre erforschen

In dem 2019 erbauten Circle führt das ATB vor allem chemisch-physikalische, mikrobiologische und molekularbiologische Analysen durch, um so etwas über die Wechselwirkung von Ackerböden und Dürre zu erfahren, Nutzungskonzepte für Biomasse zu verbessern oder die Herstellung von Biokohle und Biogas zu erforschen. „Ich fand von Anfang an spannend, welche Rolle das Thema Nachhaltigkeit in der Arbeit des ATB spielt“, sagt Architekt Thiemo Pesch vom Architektur-Büro AGN in Halle, der den Neubau entworfen hat. „Es geht ganz viel um das biologische Werden und Vergehen.“

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Thiemo Pesch. © privat

Von Seiten des ATB hatte es zunächst den Wunsch gegeben, vor allem Naturmaterialen wie Holz im Neubau zu verwenden. Dies erwies sich jedoch als schwierig: „Bei einem wissenschaftlichen Gebäude mit chemisch-biologischen Laboren gibt es sehr hohe Sicherheits- und Brandschutzvorschriften, bei denen Holz zu viele funktionale Nachteile gehabt hätte“, sagt Pesch. 

Um die Erdverbundenheit des Hauses dennoch aufzugreifen, brachte der Architekt an Teilen der Außenwände eine Messinglegierung auf, die im Laufe der Zeit verwittert und nachdunkelt. Sie ist an den Dachterrassen zu sehen, wo durch „Subtraktionen“ der Kubatur Schnittflächen entstehen, sodass sich ein Kontrast aus hellgrauer Außenhülle und messingfarbenen Einschnitten ergibt. Dies erinnere an eine aufgebrochene Schale oder Hülse, so Pesch.

Auch im Foyer, das durch ein Oberlicht erhellt wird, findet sich der Bezug zur Erde wieder: „Eine der Wände im Foyer besteht aus dem Lehm aus der Baugrube“, sagt Pesch. „Es war unser Wunsch, dass das Haus unsere Arbeit widerspiegelt“, sagt Uta Tietz vom Vorstand des ATB. Dies sei durch die Verwendung des Metalls und des Lehms gut gelungen: „Die Bodenverbundenheit ist eine wichtige Grundlage für unsere Forschung“, so Tietz.

Auch die Plantage an der Dortustraße kann besichtigt werden

Zu den weiteren Objekten, die am Tag der Architektur in Potsdam besichtigt werden können, gehört die neugestaltete Plantage an der Dortustraße: Der grüne Stadtplatz, der im 18. Jahrhundert von Peter Joseph Lenné angelegt worden war, wurde im Zuge der Neugestaltung durch eine Multifunktionslandschaft für Spiel und Sport ergänzt. Von 16 bis 17 Uhr findet eine Führung statt, Anmeldung unter [email protected] Auch Architekt Stefan Reimann und Andreas Rieger, der Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer, werden vor Ort sein. Bereits um 10 Uhr besucht Brandenburgs Bauminister Guido Beermann (CDU) die Plantage.

Die Plantage an der Dortustraße ist zu einer Multifunktionslandschaft für Spiel und Sport geworden. Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur Vergrößern
Die Plantage an der Dortustraße ist zu einer Multifunktionslandschaft für Spiel und Sport geworden. © Foto: hutterreimann Landschaftsarchitektur

In Babelsberg steht am 26. Juni die Pension Zeitlos für Architektur-Fans offen: Hier wurde im Zuge der Erweiterung des Frühstücksbereiches und der Rezeption die Innenarchitektur mit Fokus auf die Farbe „Preußisch Blau“ neugestaltet. Von 13 bis 18 Uhr gibt es Führungen. 

Hochmodern präsentiert sich die Augenoptiker-Filiale Krass im Stern-Center: In Vitrinen in Zickzack-Form steht die Ware, Theken aus blau gewalztem Stahl, Glas und Velours erinnern an das Innere eines Brillenetuis. Der Laden soll als Prototyp für die Optikerkette fungieren. Abweichend vom übrigen Programm fand bereits am Samstag um eine Führung statt.

In Töplitz kann um 14 und 15 Uhr das „Minimalplushaus“ besichtigt werden, ein mit Holz verkleidetes Wohnhaus. Holz war auch der Hauptbaustoff eines Mehrgenerationenhauses in Schwielowsee, das um 13 und 14.30 Uhr nach Anmeldung unter [email protected] für Interessierte offen steht. Das denkmalgerecht sanierte Logierhaus im Schlosspark Caputh kann von 13 bis 18 Uhr ohne Anmeldung besucht werden. Die vollsanierte Villa Lustig in Kleinmachnow, die als Hort dient, bietet Führungen um 13, 15 und 17 Uhr an. In Jeserig (Wiesenburg) wurde eine ursprünglich als Stall genutzte Backstein-Remise zu einem Wohnhaus nach KfW-70-Standard umgebaut, hier gibt es von 13 bis 18 Uhr Führungen.


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