Etwa 1800 Demonstranten protestierten am Freitag in Potsdam gegen die aktuelle Klimapolitik und für mehr Umweltschutz. Foto: Andreas Klaer
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Für mehr Umweltschutz Weitere "Fridays for future"-Demonstrationen angekündigt

Die Protestbewegung „Fridays for Future“ mobilisierte in Potsdam eine Rekordzahl an Teilnehmern. Auch mit Landespolitikern wurde diskutiert. Weitere Demonstrationen sind bereits angekündigt.

Potsdam - Der kalte Wind bläst um die Ecke des Landtagsschlosses. Hin und wieder kommt bei einstelligen Temperaturen ein Regenschauer dazu. Nach einer Weile kriecht die Kälte an den Beinen hoch. Es ist nicht gerade gemütlich am Freitagmittag. In den Potsdamer Klassenzimmern dürfte es unterdessen trocken und warm sein. Dennoch sind zum Schülerprotest unter dem Motto „Fridays for Future“ diesmal so viele Teilnehmer gekommen wie noch nie. Rund 1800 dürften es gewesen sein. Zuerst versammelten sie sich zwischen Landtag und Filmmuseum, bildeten eine Menschenkette um das Parlament und zogen schließlich bis zur Staatskanzlei.

Dass der anhaltende Schülerprotest an Wucht gewinnt und inzwischen auch von der Landespolitik nicht ignoriert werden kann, hatte sich schon im Vorfeld gezeigt. Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) hatte am Vormittag Schüler zum Gespräch in den Landtag eingeladen. Rund 20 von ihnen saßen dann in einem Sitzungsraum, während sich draußen vor dem Fenster schon die ersten Demonstranten sammelten.

Die Schüler berichteten dem Landtagspräsidium und Vertretern verschiedener Fraktionen von ihren Sorgen wegen des Klimawandels. „Sie müssen heute etwas tun, damit die Konsequenzen des Klimawandels in der Zukunft nicht so schlimm sind“, appellierte eine Schülerin. Ein Schüler aus Potsdam-Mittelmark berichtet von den Waldbränden im vergangenen Dürresommer. Er habe gefürchtet, nicht mehr nach Hause zu kommen. Die Klimaveränderung sei nicht abstrakt, sondern spürbar, sagte eine weitere. Sie verlangen, dass der Ausstieg aus der Klimaschädlichen Kohleverstromung nicht wie beschlossen bis zum Jahr 2038 umgesetzt wird, sondern früher.

Politiker sehen "Schulstreik" kritisch

Bei den Landespolitikern stieß das auf gemischte Reaktionen. Zwar begrüßten alle, dass die Schüler politisches Interesse zeigen und sich engagieren – inhaltlich gingen die Meinungen aber auseinander. Wolfgang Roick, SPD-Landtagsabgeordneter aus der Lausitz, fragte, warum die Proteste während der Schulzeit stattfinden müssten. „Die friedliche Revolution hat auch am Montagabend funktioniert.“ Er fragte die Schüler, was sie denn selbst gegen den Klimawandel tun würden.

Die konnten die Kritik erwidern. Er sei Vegetarier, versuche nicht zu fliegen und im elterlichen Haus gebe es kein Auto, sondern Ökostrom, sagte ein Schüler. Es gehe nicht darum, wann demonstriert werde, sondern wofür. „Wenn wir nicht während der Schulzeit streiken würden, bekämen wir weniger Aufmerksamkeit“, sagte ein anderer.

Die meisten Landtagsabgeordneten lobten die Schüler für ihr Engagement. CDU-Chef Ingo Senftleben schlug vor, dass die Abgeordneten auch in die Schulen gehen, um dort mit den Schülern über das Thema zu diskutieren. Man müsse bei der Klimapolitik aber auch einen Interessenausgleich mit den Menschen in den Braunkohlegebieten finden, sagte er. Linke-Fraktionschef Ralf Christoffers zeigte sich begeistert vom Engagement der Schüler. Aber er wies auf Schwierigkeiten hin: „Es gibt allein 80 Bürgerinitiativen gegen Windkraft in Brandenburg.“ Uneingeschränkte Zustimmung bekamen die Schüler von den Grünen Ursula Nonnemacher und Benjamin Raschke. „Toll, dass ihr euch kümmert“, so Nonnemacher. „Klimawandel ist eine politische Frage“, so Raschke.

AfD verurteilt "aufgeheizte Stimmung"

Auf weniger Interesse stießen die Sorgen und Nöte der Schüler offenbar bei der AfD. Beim Treffen war jedenfalls keiner ihrer Abgeordneten dabei. Am Nachmittag postete die AfD-Potsdam dann auf ihrer Facebookseite ein Foto, das „drei Enthusiasten des Kreisverbandes“ dabei zeigt, wie am Landtag ein Transparent mit dem Motto „#StoppKlimahysterie und Bildungsnotstand“ halten. „Die Ursachen für die aufgeheizte Stimmung unter den Schülern liegen eher in der fehlenden Physik- und Chemie-Grundbildung sowie der Ausnutzung ihrer noch ungeformten Intellekte“, hieß es auf der Facebook-Seite weiter. Bei den Schülern kam das nicht so gut an: Bevor sich der Demonstrationszug Richtung Lange Brücke in Bewegung setzte, war mehrfach ein Sprechchor zu hören: „Ganz Potsdam hasst die AfD.“

Unter den Teilnehmern waren am Freitag auch Familien mit Kindern und auch etwas ältere Potsdamer. „Ich finde es schlimm, dass die Politik nicht genug auf die Wissenschaft hört“, sagte die 62-jährige Petra Schulz. „Wir hätten die Pflicht gehabt, es den Kindern zu ersparen, dass sie heute demonstrieren müssen.“

Die Schüler werden wohl wiederkommen. Die nächsten Demos werden bereits geplant. Am 31. März sollen dann auch Arbeitnehmer eine bessere Chance haben, an den Protesten teilzunehmen. Dann wird ausnahmsweise an einem Sonntag demonstriert – und zwar um 13 Uhr am Schillerplatz. Die nächste Demo am Freitag soll es am 5. April geben.

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