Für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche gibt der Bund 4,5 Millionen Euro extra.  Foto: Ottmar Winter
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Frisches Geld für umstrittenes Großvorhaben Bund fördert Garnisonkirche mit weiteren 4,5 Millionen Euro

Klaus Peters

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) gibt weiteres Geld für die Stiftung Garnisonkirche frei. Das für die Kirchturmspitze gedachte Geld soll auch unerwartete Mehrkosten decken helfen.

Potsdam - Der in Potsdam hochumstrittene Wiederaufbau des knapp 90 Meter hohen Turms der Garnisonkirche hat mehr als viereinhalb Jahre nach dem Baustart ein weiteres entscheidendes Etappenziel erreicht: Trotz Kritik von vielen Seiten fördert die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth (Grüne), das Großvorhaben mit weiteren 4,5 Millionen Euro. Das bestätigte die Sprecherin der Stiftung Garnisonkirche, Maria Zach, am Dienstagabend auf PNN-Anfrage. Der Zuwendungsbescheid sei bereits am vergangenen Freitag bei der Stiftung eingegangen. Zuerst hatte die "Märkische Allgemeine Zeitung" berichtet.

4,5 Millionen Euro für die Haube

Die Sprecherin sagte, die Förderung über 4,5 Millionen Euro fuße auf einem Antrag der Stiftung aus dem November 2021 zur Freigabe der vom Haushaltsgesetzgeber im Dezember 2020 beschlossenen Mittel. Mit den Geldern „sollen die unvermeidbaren Mehrkosten, welche durch die seit 2020 extrem gestiegenen Baupreise entstanden sind, gedeckt werden.“ Das schließe auch Leistungen und Gewerke ein, „die für die Funktionstüchtigkeit des Turms und die Sicherstellung einer wirtschaftlichen Bauweise unabdingbar sind“, so Zach. 

Zugleich will die Stiftung bekanntermaßen mit dem Geld die Turmspitze finanzieren – also den Bau einer 23 Meter hohen Haube aus Holz und einer Metallkonstruktion, die nach PNN-Informationen erst neben dem Turm aufgebaut und dann hochgehoben werden soll. Unklar ist, inwiefern die stark gestiegenen Preise für Holz und Metall noch weitere Mehrkosten verursachen könnten.

Spenden weiterhin nötig

Weiter um Spenden werben müsse man für zusätzliche Schmuckelemente, zum Beispiel das Glockenspiel oder die Turmuhr, sagte Stiftungssprecherin Zach. Denn diese Elemente seien nicht in der Förderung enthalten. „Die Stiftung ist dankbar für die Förderung.“ 

Man arbeite engagiert darauf hin, den Turm mit Kapelle als Lernort für Demokratie und Geschichte sowie als Ort der Friedens- und Versöhnungsarbeit vollständig nutzbar fertigzustellen, so die Sprecherin. Zuletzt hatte die Stiftung die Inbetriebnahme mit Anfang 2024 angegeben.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). Foto: picture alliance/dpa Vergrößern
Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). © picture alliance/dpa

Was sagt das Roth-Ministerium?

Ob das Geld kommt, war monatelang unsicher: Denn der Bundesrechnungshof hatte unter anderem kritisiert, die bisherige Förderung durch den Bund in Höhe von bereits rund 20 Millionen Euro sei ohne ausreichenden Nachweis über die Gesamtfinanzierung des Projekts erfolgt. Daraufhin legte das Haus von Kulturstaatsministerin Roth die weitere Förderung in Höhe von 4,5 Millionen Euro zunächst auf Eis und forderte von der Stiftung entsprechende Nachweise. 

Unter anderem hatte die Bundesbehörde erklärt, das Geld fließe erst, wenn die Stiftung Garnisonkirche die Gesamtfinanzierung des Turms nachweisen könne. Eine kurzfristige Anfrage der PNN zum Grund für die Förderung und zu möglichen Bedingungen beantwortete das Roth-Ministerium am Dienstagabend nicht mehr, wollte dies aber noch tun. Im Bundestagswahlkampf hatte sich die Potsdamer Grünen-Kandidatin und jetzige Bundesaußenministerin Annalena Baerbock gegen eine weitere Millionen-Förderung ausgesprochen.

Wegen der Vergangenheit als Militärkirche und Treffpunkt rechter Organisationen wenden sich mehrere, auch christliche Initiativen gegen den Wiederaufbau. 

Die Gegner sehen in dem historischen Bau ein Symbol des Militarismus und einen Treffpunkt rechtsnationaler Bewegungen in den 1920er und 1930er Jahren. Daher will die Stiftung neben der Ausstellung in dem Turm einen Schwerpunkt auf die schon begonnene Bildungs- und Friedensarbeit legen.

Aussichtsplattform soll Touristen locken und Geld einbringen

Der Turm soll aber auch als Attraktion für Touristen dienen: Mit einer kostenpflichtigen Aussichtsplattform, die barrierefrei mit einem Aufzug zu erreichen ist – es geht aber wie berichtet auch über 365 Stufen zu Fuß bis nach oben. Zuletzt kalkulierte die Stiftung die Gesamtkosten auf 41 Millionen Euro. 

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Zugleich bestätigte die Stiftungssprecherin Zach, man erarbeite immer noch das „neue umfängliche Betriebskonzept“ für den Turm. Dies geschehe „gründlich in gebotener Sorgfalt“. Dafür würden alle dazugehörigen Bedarfe und Positionen geprüft, „gegebenenfalls ergänzt und die Zeit genutzt, um es fristgerecht fertigzustellen“. Gegner des Wiederaufbaus vermuten, dass die Gelder für den dauerhaften Betrieb nicht reichen könnten.

Bald tagt wieder das Kuratorium der Stiftung

Unklar ist noch, wie es neben dem Turm weitergeht – denn eigentlich hatte die Stiftung mit dem von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) herbeimoderierten Kompromiss zum Umfeld des Gebäudes von einer Wiedererrichtung des historischen Kirchenschiffs Abstand genommen, was auch den Erhalt des Künstlerhauses Rechenzentrums bedeuten könnte. 

Statt des Kirchenschiffs könnte demnach ein „Haus der Demokratie“ unter anderem mit einem neuen Plenarsaal für die Stadtverordneten errichtet werden. Allerdings hatten zuletzt gerade die an der Spitze neu aufgestellte Fördergesellschaft für den Wiederaufbau und auch der Kommunikationsvorstand der Stiftung, Wieland Eschenburg, den Kompromiss mehr oder weniger offen infrage gestellt. Für Anfang Juli ist nach PNN-Informationen eine weitere Sitzung des Kuratoriums der Stiftung Garnisonkirche geplant. (mit dpa)

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