In Potsdam drängen Anleger auf den Markt, die in Berlin nicht mehr fündig werden. Foto: Ottmar Winter
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"Es ist viel Geld im Markt" Makler rechnen weiter mit steigenden Preisen in Potsdam

Der Immobilienboom der vergangenen Jahre hat in Potsdam Spuren hinterlassen. Und die Preise steigen weiter, nur in einigen wenigen Bereichen scheint Schluss zu sein.

Potsdam - Wer vor ein paar Jahren in Immobilien in Potsdam investiert hat, dürfte sich heute freuen: Laut einem am Dienstag vorgestellten Marktbericht des Maklerunternehmens Engel & Völkers sind die Angebotspreise für Wohn- und Geschäftshäuser innerhalb von fünf Jahren um mehr als 75 Prozent gestiegen. Damit gehört Potsdam zu 27 Kreisen und kreisfreien Städten mit derart hohen Steigerungsraten. Im bundesweiten Durchschnitt von 401 deutschen Stadt- und Landkreisen legten die Angebotspreise für Wohn- und Geschäftshäuser von 2014 bis zum ersten Halbjahr 2019 um 44,6 Prozent zu.

Häuser mit mindestens vier Wohneinheiten

Der Marktbericht richtet sich in erster Linie an Anleger. Die Daten stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen wie den Grundstücksmarktberichten der Kommunen sowie aus Immobilienannoncen und beziehen sich auf Wohn- und Geschäftshäuser mit mindestens vier Wohneinheiten. Preise teurer Villen fließen also nicht ein. Man erwarte weiter steigende Umsätze: „Es ist viel Geld im Markt“, erklärte Untersuchungsleiter Florian Kraul.

Der Preisauftrieb konzentriere sich dabei nicht nur auf die wirtschaftsstarken Metropolen, sondern zunehmend auch auf das Umland. In den Metropolen werde das Angebot knapp, Anleger suchen nach räumlich benachbarten Alternativen, hieß es. Den höchsten Zuwachs weise mit einem Anstieg um 133 Prozent auf rund 2040 Euro pro Quadratmeter der Landkreis Potsdam-Mittelmark auf.

Im Jahr 2019 wurde der Quadratmeter in Potsdam für durchschnittlich 3191 Euro zum Kauf angeboten. Damit landet Potsdam bundesweit auf dem zwölften Platz. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Preise im Durchschnitt um 5,8 Prozent. Auch bei den Mieten geht es in Potsdam aufwärts: Die durchschnittliche Angebotsmiete lag im vergangenen Jahr bei 9,93 Euro je Quadratmeter – bundesweit der 20. Platz unter den Großstädten. Nirgends in Ostdeutschland sind die Mieten so hoch wie in Potsdam. Am höchsten sind die Mieten demzufolge in den nördlichen Vorstädten. Dort und in der Babelsberger Villenkolonie werden auch die höchsten Kaufpreise aufgerufen.

Keine Ende der Preissteigerung in Sicht

Bei Engel &Völkers rechnet man weiterhin mit steigenden Preisen. Niedriger Leerstand treffe auf einen robusten Arbeitsmarkt und hohen Zuzug. Außerdem drängen Anleger auf den Markt, die in Berlin nicht mehr fündig werden. In den sehr guten Lagen stoße man aber an eine Decke, sagte Carmen Liersch, die bei dem Immobilienmakler für Wohn- und Geschäftshäuser in Potsdam zuständig ist. Dort seien Kaufpreis und die jährlich erzielbaren Mieten einfach zu weit auseinander. „Es gibt keine Kunden, die mehr als einen Faktor von 30 bezahlen wollen“, sagte sie den PNN. „Wir sind am oberen Rand angelangt.“ Man beobachte deshalb, dass Kaufinteressenten in weniger gute Lagen ausweichen. Dort würden in der Folge ebenfalls die Preise anziehen. Eine Immobilienblase sei nicht erkennbar. Auch für die vergleichsweise teuren Neubauten fänden sich schließlich innerhalb kürzester Zeit Mieter, so Liersch.


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