Diese Rolltreppe ist bereits seit einigen Monaten kaputt. Foto: Sebastian Gabsch
© Sebastian Gabsch

Es bröckelt Der Potsdamer Hauptbahnhof ist eine Dauerbaustelle

Am Potsdamer Hauptbahnhof gibt es eine Reihe von Problemen. Dabei wurde dort erst in den vergangenen Jahren einiges saniert.


Innenstadt/Potsdam-West - Das notdürftig mit Klebeband gesicherte Loch im Fußboden des Potsdamer Hauptbahnhofs scheint jeden Tag ein Stückchen weiter zu bröckeln. Eine Rolltreppe zu zwei Gleisen ist seit Monaten kaputt. Ende vergangenen Jahres tropfte es durchs Dach und auch über verstopfte Pissoirs gibt es Beschwerden. An einigen Ecken des Bahnhofs gibt es offensichtliche Schäden – obwohl die Sanierung etwa des Fußbodens gerade einmal drei Jahre zurückliegt. 


„Für ein Gebäude im 24/7 Betrieb mit einer täglichen Frequenz von bis zu 70.000 Menschen ist der Zustand gut.“ So bewertet Jana Strohbach, die Centermanagerin der Bahnhofspassagen, den Zustand. In einem derart beanspruchten Gebäude gebe es immer Instandsetzungsbedarf. „Dies wird von uns gemeinsam mit unseren Dienstleistern und Ingenieurbüros regelmäßig bewertet und geplant und daraus folgend die Budgets und Prioritäten festgelegt“, so Strohbach.
In den vergangenen Jahren sei beständig „in die Werterhaltung der Immobilie investiert“ worden, mit einer jährlichen Summe im siebenstelligen Bereich. 

"Nicht alle Maßnahmen sind für den Besucher sichtbar"

So habe es etwa im vergangenen Jahr umfassende Erneuerungen der Rolltreppen im Haupteingangsbereich gegeben. „Nicht alle Maßnahmen sind für den Besucher sichtbar, so haben in den vergangenen drei Jahren weitere umfangreiche Erneuerung der Gebäudeleittechnik stattgefunden“, betont Strohbach. 
Auch sei die Videoüberwachung erneuert und auf den aktuellen Stand gebracht sowie in der Tiefgarage der Boden umfangreich saniert worden. Zudem habe es umfangreiche Umbauten und Modernisierungen durch zwei der großen Mieter, Kaufland und das UCI Kino gegeben. Wie berichtet war Ende vergangenen Jahres das umgebaute UCI Luxe mit Ledersesseln eingeweiht worden. 

Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen geplant

Auch in Zukunft seien umfangreiche Maßnahmen zur Instandhaltung und Sanierung geplant. Details wollte sie dazu aber noch nicht nennen, sie würden in einem Planungsprozess noch festgelegt. Pro Jahr veranschlagten die Passagen Investitionen im sechs- bis siebenstelligen Bereich. 
Zu den Mängeln im Boden, der erst 2016 erneuert worden war, erklärte Centermanagerin Strohbach, die Schadstellen seien in den vergangenen Monaten geprüft und mit den verantwortlichen Firmen besprochen worden. 

An mehreren Stellen wurde der Fußboden notdürftig gesichert. Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
An mehreren Stellen wurde der Fußboden notdürftig gesichert. © Sebastian Gabsch

„Bis zum Abschluss der Prüfungen werden die Schadstellen entsprechend gesichert“, sagt sie. Gemeint sind die Abklebungen mit gelb-schwarzem oder weißem Klebeband an den beschädigten Stellen im Boden. Genauere Angaben wolle man zu den Ursachen erst machen, wenn der Prozess abgeschlossen sei. 

Dieses Loch wird zusehends größer. Foto: Sebastian Gabsch PNN Vergrößern
Dieses Loch wird zusehends größer. © Sebastian Gabsch PNN

Urinale seien durch Müll verstopft

Die Urinale, so erklärte Strohbach, seien hauptsächlich durch „eine unsachgemäße Nutzung der Toiletten“ verstopft. Sprich: Indem Besucher Müll oder andere Dinge in die Pissoirs werfen, die dort nichts zu suchen haben. Dadurch könne das Wasser nicht ungehindert abfließen. 
Weiterhin Ärger gibt es mit der seit Monaten defekten Rolltreppe von den Gleisen zwei und vier nach oben. Wie berichtet sollte der schwere Antriebsschaden eigentlich bis Ende März behoben werden.

Die Rolltreppe sei so alt, dass die Ersatzteile bei den Subunternehmern nicht mehr vorrätig seien – so lautete damals die Erklärung der Deutschen Bahn. Das Datum wurde zunächst auf Mitte April verschoben. Mittlerweile hängt seit einigen Tagen ein neues Schild an der mit blauen Zäunen abgesperrten Rolltreppe. Es verweist darauf, dass die Reparatur erst Ende April erfolgen könne. Man arbeite aber „mit Hochdruck“ an der Beseitigung, so das Schild.

Rollstuhlfahrer sollten Bus nach Babelsberg nehmen

Die Bahn, verantwortlich für den Bereich der Gleise und Aufgänge, tauscht derzeit zudem den Aufzug auf den Gleisen sechs und sieben aus. Wenn derzeit Rollstuhlfahrer die S-Bahn nehmen wollen, wird ihnen am Service-Schalter empfohlen, den Bus nach Babelsberg zu nehmen und dort in die S-Bahn umzusteigen – am Hauptbahnhof kommen sie nicht ans Gleis. 
Im kommenden Jahr soll ein weiterer Aufzug ausgetauscht werden. Das teilte ein Bahnsprecher auf Anfrage mit. Eine Änderung ist auch am Reisezentrum der Bahn vorgesehen. So soll nach Angaben einer Bahnsprecherin zum Jahreswechsel eine neue Mobilitätszentrale eröffnen, bei der die Angebote von Verkehrsbetrieb Potsdam (Vip), Verkehrsbetrieb Berlin-Brandenburg (VBB) gebündelt werden sollen. Die Initiative sei vom Verkehrsbetrieb Potsdam (Vip) ausgegangen, der auch die Führung des neuen Zentrums übernehmen soll. 

„Die Mobilitätszentrale wird die gesamte Produktpalette eines DB Reisezentrums im Portfolio haben“, sagte die Sprecherin. Zudem sei „im Langfristzeitraum, abhängig von der Finanzierung, die Erneuerung der Fernbahnsteige einschließlich der Dächer und der Beleuchtung“ geplant. Genauere Angaben dazu, wann dieser Umbau angegangen werden soll, machte die Bahn nicht.

Beschwerden über Bahnhof Charlottenhof

Auch am Bahnhof Charlottenhof gibt es immer wieder Beschwerden über den Zustand des Gebäudes: Der Putz ist großflächig abgeplatzt, es gibt Verunreinigungen mit Graffiti. Die Stadtverordneten haben erst im März beschlossen, dass Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) deswegen die Deutsche Bahn erneut zu einer Sanierung auffordern soll. 

Die Bahn hat das Problem zwar auf der Liste, genaue Daten stehen aber offenbar noch nicht fest: Eine Sanierung der Fassade sowie eine Erneuerung der Personenunterführung sei „im Langfristzeitraum“ vorgesehen, sagte ein Bahnsprecher auf PNN-Anfrage. Wann das passieren könne, hänge unter anderem mit der Finanzierung, den verfügbaren Sperrpausen und der weiteren Planung ab. (mit Jana Haase)

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