Dank der Spendengelder kann Stadtteilnetzwerk-Chefin Annette Paul nun in eine bessere Ausstattung investieren. Fotos: Andreas Klaer/PNN
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Erfolgreiche Crowfunding-Aktion Neues Werkzeug für die Scholle 34

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Das Stadtteilnetzwerk Potsdam-West hat über 3800 Euro für Sägen, Zangen und Schrauben gesammelt. Damit soll das Nachbarschaftshaus schick gemacht werden.

Der Himmel ist grau, die Kälte zieht durch alle Glieder. Entsprechend wenig los ist auch auf dem Gelände der Scholle 34 in Potsdam-West. Das marode Hauptgebäude wirkt trüber als sonst. Die vielen ehrenamtlichen Helfer, die daran mitwirken, aus der Scholle 34 einen bunten Kieztreffpunkt zu machen, scheinen die Arbeit über die Wintermonate niedergelegt zu haben. Aber der erste Eindruck täuscht. Ständig wird weiter gewerkelt, konzipiert, überlegt, um die Scholle 34 zu einem attraktiven Nachbarschaftshaus zu entwickeln.

Damit es weiterhin vorangehen kann, hat das Stadtteilnetzwerk Potsdam-West eine Crowdfunding-Aktion gestartet, um dringend benötigte Werkzeuge anzuschaffen. Mit Erfolg. 3300 Euro war das Ziel, inzwischen sind über 3800 Euro zusammengekommen. Am heutigen Donnerstag ist der letzte Tag der Aktion. „Am Ende war ich erstaunt, dass sich so viele Menschen gefunden haben“, freut sich Annette Paul, Geschäftsführerin vom Stadtteilnetzwerk Potsdam-West. Kurz nach Weihnachten habe das Ganze stagniert, die bis dahin zusammengekommene Summe erhöhte sich nicht mehr. Zuletzt habe es aber nochmal einen Ruck gegeben, so Paul. 100 Unterstützer haben bislang für Werkzeuge gespendet.

Unter anderem das Tor muss repariert werden

Auf der Internetseite der Crowdfunding-Aktion ist zu lesen, was genau mit dem Geld passieren soll. Werkzeuge wie verschiedene Sägen, Bohrer, Schrauben, Zangen, Schleifpapier, Sortierkästen oder Hammer sollen demnach angeschafft werden. Außerdem soll das Tor der Werkstatt repariert werden und diese mit einem abschließbaren Werkzeugschrank ausgestattet werden, erklärt Paul. 

„Alles, was jetzt gespendet wird, geht in zusätzliche Träume“, sagt sie. Das darüber hinaus beigetragene Geld werde in jedem Fall gebraucht, betont sie. Ein Wunsch, der nicht auf der Liste für das Crowdfunding steht, sei eine Fräse. Außerdem könnten sie Geld gebrauchen, das sie in die Sicherheit investieren wollen. Damit sie die Werkstatt besser verschließen könnten, so Paul.

Schüler kommen zum Arbeiten auf das Gelände

Über einige Werkzeuge verfügt die Scholle 34 aber bereits jetzt. An einer Wand in der Werkstatt hängen in einer Ecke mehrere Sägen hintereinander, in der anderen Hämmer, auch die Schraubenzieher sind schnell zu finden. Darüber hängen große Hinweisschilder, damit sich Neulinge in der Werkstatt schnell zurechtfinden. Regelmäßig komme es vor, dass etwa 25 Schüler zusammen auf dem Gelände arbeiten und werkeln. Schüler der Montessori-Schule in Potsdam seien dort ständig im Einsatz. Dann sei es schwierig, wenn zum Beispiel nur wenige Hämmer zur Verfügung stünden und einer immer auf den anderen warten müsse, erklärt Paul. So entstand die Idee zu der Crowdfunding-Aktion. Denn: „Werkzeuge sind teuer“, betont sie. Insgesamt gibt es laut Paul knapp 100 Ehrenamtliche, die sich an dem Aufbau des Nachbarschaftstreffs beteiligen.

Auch über die Wintermonate werde auf dem Gelände der Scholle 34 gearbeitet, sagt Paul. Auch wenn es etwas weniger als im Sommer sei. Verschiedene Ausbesserungen und Reparaturarbeiten müssten zurzeit gemacht werden. Die Montessori-Schüler seien auch im Winter oft dort. „Es ist beeindruckend, dass die Kinder trotz der Kälte so gut mitmachen“, sagt die Geschäftsführerin.

Noch offen ist die Zukunft der "Trattoria"

Derzeit läuft laut Paul auch eine Machbarkeitsstudie, um herauszufinden, wie sich das Hauptgebäude – Trattoria genannt – am besten nutzen lasse. Damit unterschiedliche Veranstaltungen dort stattfinden können. Es gebe bereits eine Anfrage für eine Kunstausstellung in der Trattoria, erzählt Paul. Außerdem seien ehrenamtliche Helfer dabei, Wasserleitungen zu verlegen, damit die Helfer für die Gartenarbeit Brunnenwasser nutzen könnten, so Paul. 

Ab Ende Januar würden sich auch wieder die etwa 12 Ehrenamtlichen aus der Kino-Gruppe treffen, um die nächste Saison vorzubereiten. Im Juli soll auf dem Gelände wieder das Freiluftkino starten. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man so richtig in der Natur sitzt“, sagt Paul. Aber erst einmal muss noch der Winter überstanden werden.

www.potsdam-crowd.de/nachbarschaftsgarten


HINTERGRUND

Für die dauerhafte Sicherung des „Scholle 51“-Atelierhauses in der Geschwister-Scholl-Straße 51 gibt es offenbar eine endgültige Lösung. Zu diesem Thema wollen der Besitzer des Gebäudes, die evangelische Heilig-Kreuz-Gemeinde, und der Trägerverein am kommenden Mittwoch vor Journalisten informieren. Das teilte der Verein Scholle 51 jetzt in einer Einladung mit – ohne Details zu nennen. Mitte 2017 war wie berichtet bereits ein offizieller Mietvertrag unterzeichnet worden, was schon als großer Schritt in Richtung dauerhafter Sicherung des Hauses gefeiert wurde. Bereits im September 2014 hatten die Stadtverordneten mehrheitlich dafür gestimmt, den Bestand des Künstlerhauses zu sichern. Zuvor gab es vielfach kritisierte Pläne, die Immobilie als Seniorenheim zu nutzen. Zur Rettung des Hauses war unter anderem auch verhandelt worden, dass eine gemeinnützige Schweizer Stiftung einsteigen und die Immobilie übernehmen soll – davon war in der Einladung nun keine Rede mehr. Henri Kramer

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