Einzelhandelsmärkte aufzustocken wird zum Trend - und Lidl besitzt Filialen in eingeschossigen Gebäuden wie hier in der Zeppelinstraße. Foto: PNN / Ottmar Winter
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Einziehen und einkaufen Lidl denkt über Wohnungsbau in Potsdam nach

Marco Zschiek

Nach Aldi könnte nun auch Lidl in Potsdam in den Wohnungsbau einsteigen. Würden alle eingeschossigen Märkte überbaut, könnten rund 1000 Wohnungen entstehen.

Potsdam - Not macht bekanntlich erfinderisch. Und angesichts der großen Nachfrage nach Wohnungen bekommt das Thema Nachverdichtung immer mehr Bedeutung. Doch die Flächen sind begrenzt und oft gibt es Bedenken, die wenigen Grünflächen in den Wohngebieten zuzubauen. Wohnungen über bestehenden Gewerbeimmobilien zu errichten ist hingegen vergleichsweise unumstritten.

Lidl hat Erfahrungen im Wohnungsbau

Nach Aldi könnte nun auch die Discounter-Kette Lidl in Potsdam in das Geschäft mit Wohnungen einsteigen. Derzeit befinde man sich hinsichtlich der Standorte in Potsdam in Gesprächen, heißt es dazu auf Nachfrage aus der Zentrale des Unternehmens. Fragen, wo und wie viele Wohnungen genau Lidl in Potsdam bauen könnte, beantwortete das Unternehmen nicht. Lidl sei aber immer daran interessiert, sein Filialportfolio qualitativ und quantitativ weiterzuentwickeln. „Auch in Potsdam prüfen wir kontinuierlich verschiedene Lagen für neue Filialen oder in welchem Umfang wir bestehende Filialen modernisieren können“, so eine Sprecherin.

Lidl betreibt in Potsdam sechs Filialen in Bornim, Potsdam-West, der Berliner Vorstadt, am Horstweg, am Stern und im Kirchsteigfeld. Alle sind in den typischen eingeschossigen Gebäuden mit den spitzen Dächern untergebracht, meistens mit einem großen Parkplatz drum herum. Potenzial für Wohnungsbau gäbe es also prinzipiell – abhängig davon, welche Gebäudehöhen und Nutzungsarten die Bebauungspläne jeweils vorsehen. Und Lidl hat bereits Erfahrung mit dem Bau von Wohnungen.

Beispielsweise wurden in Berlin bereits Wohnungen über einer Lidl-Filiale in der Prenzlauer Allee errichtet. Aber es müssen nicht zwangsläufig Wohnungen sein: In Hamburg wurde in diesem Jahr eine neue Filiale eröffnet, über der sich ein Hotel befindet. Über einer weiteren ist eine Kita geplant.

Wohnen über Aldi

Ein Vorreiter wäre Lidl in Potsdam jedoch nicht. Aldi hat die Nase vorn. Im November fand wie berichtet der erste Spatenstich für einen Neubau in der Georg-Hermann-Allee statt. Zuvor war der seit 2003 bestehende ebenerdige Markt abgerissen worden, im Frühjahr 2020 soll er wiedereröffnen. 14 Millionen Euro investiert Aldi nach eigenen Angaben am Standort insgesamt. Das Grundstück wird größtenteils überbaut, 50 Parkplätze verschwinden im überdachten Parkdeck im Erdgeschoss. Der eigentliche Verkaufsraum wandert ins erste Obergeschoss und soll doppelt so groß wie vorher sein. Obendrüber werden 36 Ein- bis Dreizimmerwohnungen geschaffen, die vermietet werden sollen. Der Quadratmeterpreis steht noch nicht fest. Fördermittel werden jedoch nicht in Anspruch genommen, sodass keine Sozialwohnungen geschaffen werden.

Für Aldi hat der Bau im Bornstedter Feld Pilotcharakter. Bekanntlich will der Konzern in Berlin in den nächsten fünf Jahren rund 2000 Wohnungen bauen und vermieten, an 30 von 130 Filialstandorten. Zwei Pilotprojekte sind an der Silbersteinstraße in Neukölln und der Sewanstraße in Lichtenberg geplant. Dort soll im übernächsten Jahr mit dem Wohnungsbau begonnen werden. Die Kaltmieten sollen bei rund zehn Euro je Quadratmeter liegen. 30 Prozent der Wohnungen sollen als Sozialwohnungen angeboten werden.

An weiteren Aufstockungen interessiert

In Potsdam besitzt Aldi sechs Filialen. Prinzipiell sei man an weiteren Aufstockungen interessiert, hieß es. Allerdings müsste noch geprüft werden, ob Wohnungsbau dort planungsrechtlich möglich und auch praktikabel sei. In der Stadtverwaltung ist man angesichts des Interesses der Einzelhandelsriesen hocherfreut. „Unser Ziel ist es, mit allen Unternehmen, die über grundsätzlich geeignete Standorte verfügen, ins Gespräch zu kommen“, so Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos). Erste Gespräche seien bereits geführt worden, weitere Gespräche vereinbart. Konkrete Ergebnisse gebe es aber noch nicht. „Die Nutzungsmischung von Einzelhandel und Wohnen geht gerade angesichts des angespannten Wohnungsmarktes in die richtige Richtung“, so Rubelt. Oftmals sei mit einer Aufstockung auch eine Verbesserung der städtebaulichen Situation verbunden.

Nicht alle Märkte für Aufstockung geeignet

Rubelt will allerdings die Erwartungen auch nicht zu sehr wachsen lassen. „Das Potenzial ist begrenzt, genauere Zahlen liegen noch nicht vor.“ Sie sollen im Rahmen der Fortschreibung der Wohnungsbaupotenziale 2019 ermittelt werden. Nicht alle der vorhandenen aktuell freistehenden ebenerdigen Märkte seien rechtlich oder tatsächlich für eine Aufstockung geeignet, so Rubelt. Insgesamt existieren in Potsdam 26 Filialen von Discountern, dazu kommen 30 Supermärkte unterschiedlicher Größe. Davon befinden sich 29 in freistehenden, ebenerdigen Gebäuden. 

Würden alle so überbaut wie der Aldi im Bornstedter Feld würden dabei rund 1000 Wohnungen geschaffen. Das würde nicht mal ausreichen, um den durchschnittlichen Zuzug von einem Jahr mit Wohnungen versorgen zu können.

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