Axel Drecoll, der neue Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, sollte ausgeladen werden, fordern Kritiker. Foto: R. Hirschberger/dpa
© R. Hirschberger/dpa

Diskussion der Garnisonkirchen-Stiftung Bund der Antifaschisten fordert Absage des Teilnehmers Drecolls

Die heutige Diskussionsrunde der Stiftung Garnisonkirche beschäftigt sich vor allem mit dem "Tag von Potsdam". Doch bereits im Vorfeld gibt es Streit.

Potsdam -  Schon vor einer für den heutigen Mittwoch angesetzten Diskussionsrunde der Stiftung für den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche gibt es Streit. Die brandenburgische Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BDA) – forderte am Dienstag den neuen Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (SBG), Axel Drecoll, in einer Presseerklärung direkt dazu auf, seine Teilnahme an der Veranstaltung abzusagen.

Drecoll nimmt trotzdem teil

Ein SBG-Sprecher lehnte das auf PNN-Anfrage ab: „Herr Drecoll betrachtet die Veranstaltung als Gelegenheit, über zu Recht kontroverse erinnerungskulturelle Themen, die Potsdam und die Garnisonkirche betreffen, kritisch zu diskutieren. Unter dieser Maßgabe wird er an der Veranstaltung teilnehmen.“

Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) wird an der Diskussionsveranstaltung in Potsdam teilnehmen. Foto: Thilo Rückeis Vergrößern
Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) wird an der Diskussionsveranstaltung in Potsdam teilnehmen. © Thilo Rückeis

Bei der Veranstaltung, die sich vor allem dem sogenannten Tag von Potsdam widmen soll, werden neben Drecoll die Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke) und Martin Sabrow vom Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung erwartet. Die beiden könnten das „Versöhnungsallerlei mit geschichtsklitternden Tendenzen“ aber auch alleine bestreiten, erklärte der VVN-BDA, der zu den Kritikern des Wiederaufbaus zählt.

Mittel fehlten anderen Gedenkprojekten in Brandenburg

Zugleich erinnerte der Verein daran, dass die temporäre Kapelle der Stiftung für den Wiederaufbau vor allem aus dem Topf der Gelder der Parteien und Massenorganisationen der DDR bezahlt worden sei – diese Mittel hätten für andere wichtige Gedenkprojekte in Brandenburg nicht mehr zur Verfügung gestanden.

Als Beispiel wird der Geschichtspark Klinkerwerk bei Oranienburg (Oberhavel) genannt, dieses frühere Außenlager des KZ Sachsenhausen sei wegen der fehlenden Mittel immer noch kein angemessener Lern- und Erinnerungsort. Nun aber „hofiert“ Drecoll, in seiner Funktion auch Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen, „ausgerechnet den geplanten Wiederaufbau eines Symbols der NS-Täter und diskutiert ausgerechnet an dem Ort, der aus Mitteln aufgebaut wurde, die dem Klinkerwerk vorenthalten wurden“, so der VVN-BDA.

Das wiederum wies der SBG-Sprecher zurück, es gehe um eine kritische Debatte. Und: „Die Weiterentwicklung des Geschichtsparks Klinkerwerk ist und bleibt auch weiterhin ein wichtiges Projekt unserer Stiftung“.

Zur Startseite