Als „Captain Future“ protestiert Michael B. gegen die Corona-Maßnahmen. Im März will seine Gruppe nach Potsdam kommen. (Archiv) Foto: Christoph M. Kluge
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Update Demo am Samstag Corona-Skeptiker wollen in Potsdam protestieren

Coronaleugner rufen zu zwei Veranstaltungen in Potsdam auf - die erste am 13. März. Auch ein AfD-Politiker und ein kostümierter DJ mischen mit. Antifas kündigen Gegenproteste an.

Potsdam - Ein Jahr nach der Einführung der ersten Corona-Maßnahmen wollen Corona-Skeptiker in Potsdam für deren Aufhebung demonstrieren. An den beiden kommenden Wochenenden sollen unabhängig voneinander Protestveranstaltungen stattfinden. Linke Gruppen rufen zu Gegenprotesten auf.

Die erste Kundgebung ist für Samstag, den 13. März, angekündigt. Ein Aufruf dazu wurde unter anderem vom Potsdamer AfD-Landtagsabgeordneten Dennis Hohloch in den sozialen Netzen geteilt. In dem YouTube-Video stellt eine düstere Stimme die Lockdown-Maßnahmen als sinnlose und willkürliche Schikane dar. Dagegen soll unter dem Motto “Es reicht!” am kommenden Samstag zeitgleich in allen deutschen Landeshauptstädten demonstriert werden. Die Teilnehmenden werden dazu aufgefordert, möglichst viel Lärm zu machen.

Auch Ken Jebsen ruft auf

Hinter dem Aufruf scheint ein verhältnismäßig kleines Netzwerk zu stecken. Das Impressum nennt als Verantwortlichen einen Blogger und Globetrotter namens Björn Wegner aus Münster. Vor Corona hatte er unter anderem gegen das unter Verschwörungsfans gefürchtete Mobilfunknetz 5G protestiert. 

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Wegners Corona-Aufruf ist nun allerdings auch auf der Website des bundesweit bekannten Verschwörungsideologen Ken Jebsen veröffentlicht worden. Bislang wurde es mehr als 80.800 Mal angeschaut (Stand: 12.3.). Die Potsdamer Kundgebung soll am Brandenburger Tor stattfinden.

Reichsbürger in Berlin, Esoteriker in Potsdam

Schon eine Woche später soll es eine weitere Anti-Lockdown-Kundgebung in der Landeshauptstadt geben. Dabei handelt es sich offenbar um eine Ausweichveranstaltung. Dem Bündnis “Berlin gegen rechts” zufolge mobilisieren sogenannte Reichsbürger und andere Rechtsextremisten für den 20.3. zu einer Corona-“Großdemo” nach Berlin. Verschiedene antifaschistische Gruppen rufen zu Gegenprotesten auf.  

Im Dezember beendete die Polizei eine Corona-Demo vor dem Landtag, weil Abstände nicht eingehalten wurden. Foto: Ottmar Winter PNN Vergrößern
Im Dezember beendete die Polizei eine Corona-Demo vor dem Landtag, weil Abstände nicht eingehalten wurden. © Ottmar Winter PNN

Ein Teil der Corona-Skeptiker-Szene möchte zwar gern gegen die Maßnahmen demonstrieren, aber nicht zusammen mit den Reichsbürgern. Deshalb versuchen diverse Splittergruppen nun offenbar, ihre eigenen Anhänger:innen nach Potsdam umzuleiten.  

Eine illustre Runde hat sich angekündigt

Ein entsprechender Aufruf wird in einschlägigen Telegram-Gruppen geteilt. Unterzeichnet haben ihn mehrere kleine Netzwerke von Impfgegnern, Esoterikfreunden und fundamentalistischen Christen. Auch die “Basisdemokratische Partei” ist mit von der Partie.  Angekündigt hat sich außerdem die “Freedom Parade” um den Berliner Schlager-DJ Michael B. alias "Captain Future”. Der protestiert seit etwa einem Jahr im Superheldenkostüm gegen die Corona-Maßnahmen und machte mit grotesken Aktionen bundesweit auf sich aufmerksam. 

Antifa ruft zu Gegenprotesten auf

Die Emanzipatorische Antifa Potsdam ruft unterdessen dazu auf, beide Veranstaltungen zu verhindern. Ein im Internet veröffentlichter Aufruf wirft den Organisator:innen "Resistenz gegen wissenschaftliche Erkenntnis" sowie die Verbreitung von Verschwörungsmythen und Antisemitismus vor. Auf Twitter kursiert außerdem ein Video, das die Verbrennung eines Transparentes der "Es reicht"-Demo zeigen soll. 

Der aktuellen Brandenburger Eindämmungsverordnung zufolge sind Versammlungen unter freiem Himmel “ausschließlich ortsfest und mit höchstens 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zulässig”. Die Versammlungsleitung muss ein Hygienekonzept erstellen und unter anderem den Zutritt zur Kundgebung beschränken. Teilnehmende müssen Masken tragen und Abstände einhalten.

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