Der Staudenhof in der Potsdamer Innenstadt am Alten Markt - im Hintergrund die Nikolaikirche. Foto: Andreas Klaer
© Andreas Klaer

Debatte um Potsdamer Mitte Weiteres Votum für Staudenhof-Abriss

In der Potsdamer Innenstadt wird voraussichtlich wieder ein DDR-Bau abgerissen: Mit einer Abstimmung im Hauptausschuss ist die Vorentscheidung gefallen.

Potsdam - Eine der letzten verbalen Schlachten um die Zukunft der Potsdamer Mitte ist geschlagen - und der Staudenhof-Wohnblock am Alten Markt wohl bald Geschichte. Der Hauptausschuss der Stadtverordneten votierte am Mittwochabend für den Abriss des DDR-Gebäudes. Dies kann als Vorentscheidung gelten: Dafür stimmten einmal mehr CDU, Grüne, SPD, Bürgerbündnis, FDP und AfD, dagegen die Linke und die Fraktion Die Andere. Endgültig entscheiden die Stadtverordneten - und das in der Mai-Sitzung.

Abriss ab 2023

Demnach soll wie berichtet der Abriss im März 2023 beginnen, Ende 2029 soll der Neubau stehen - und zwar auf Grundlage des Leitbautenkonzepts für die Potsdamer Mitte, das den Wiederaufbau rund um den 1945 zerstörten Alten Markt im historischen Grundriss vorsieht. Dieses viele Jahre umstrittene Langzeitprojekt würde mit dem Neubau anstelle des Staudenhofs vollendet, hieß es schon mehrfach in der seit Wochen laufenden Debatte.

Allerdings gibt es laut der kommunalen Bauholding Pro Potsdam auch wirtschaftliche und soziale Gründe: So könne man für einen Neubau Fördergelder bekommen, um Sozialwohnungen langfristig zu sichern. In einem Neubau werde zudem deutlich mehr Wohnfläche zur Verfügung stehen, auch Gewerbe im Erdgeschoss möglich sein und die Grundrisse könnten flexibler vergeben werden - bei einer Sanierung sei das nicht so einfach möglich, zudem müsse man ein zweites Treppenhaus wegen des Brandschutzes einziehen. Die Fördermittel sorgen auch dafür, dass der geschätzt 39 Millionen Euro teure Abriss und Neubau unter dem Strich für die Pro Potsdam billiger wäre als eine Sanierung für 18 Millionen Euro.

Eine längere Debatte

Diese Rechnung finden die Kritiker falsch. So sprach Anja Heigl (Die Andere) von Geldverschwendung, das Steuergeld für den Neubau ließe sich auch anderswo verwenden, auch in anderen Kommunen des Landes. Zudem sei der Abriss mit Blick auf die Klimaziele der Stadt falsch - weil sogenannte graue Energie in so einem funktionsfähigen Gebäude vernichtet würde. Das räumte auch Gerd Zöller von den Grünen ein - allerdings würden die Vorteile eines energieeffizienteren Neubaus, in dem auch mehr Menschen unterkommen könnten, überwiegen. SPD-Mann Pete Heuer warnte, man dürfe "die Ökologie nicht als Feigenblatt für etwas nutzen, was man nicht möchte". 

Hans-Jürgen Scharfenberg von den Linken wiederum regte eine Bürgerbeteiligung "in geeigneter Weise" an - etwa eine repräsentative Befragung. Dem hielt unter anderem Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) entgegen, über wenige Fragen sei in Potsdam so häufig debattiert worden wie über den Staudenhof. Und Heuer verwies auf das aus seiner Sicht "wie das Hornberger Schießen geendete", aber dennoch von tausenden Potsdamern unterzeichnete Bürgerbegehren für den Erhalt von DDR-Bauten in der Potsdamer Mitte. Kurz: Es gab viele bekannte Argumente in dieser Debatte.

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In der Sitzung hieß es von den Kritikern auch, es seien nicht alle Fördermöglichkeiten für eine günstigere Sanierung berücksichtigt worden. Das hat die Pro Potsdam als Sanierungsträger für die Mitte stets bestritten: Durch Fördermittel für Sozialwohnungen könne man Mieten erreichen, die bei einer Sanierung nie möglich wären.

Derzeit wohnen in den 182 vergleichsweise kleinen Wohnungen noch 66 Mieter mit unbefristeten Verträgen, die auch bei einer Sanierung vorübergehend ausziehen müssten. Zudem würde laut Pro Potsdam auch eine Sanierung des Hauses zu wesentlich höheren Mieten als ein Neubau führen. Von bis zu 13 Euro war die Rede. Heuer sagte einmal mehr, die Mieter könnten auch in anderen neuen Wohnungen in der Mitte unterkommen. Eine Mehrheit folgte solchen Argumenten.

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