Brigitte Meier, frisch gewählte Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung, mit Oberbürgermeister Mike Schubert kurz nach der Wahl am 6. Mai 2019. Foto: Andreas Klaer
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Brigitte Meier gewählt Auf die neue Sozialbeigeordnete warten große Aufgaben

Mit knapper Mehrheit haben die Stadtverordneten für Brigitte Meier als neue Sozialdezernentin votiert. Es stehen wichtige Herausforderungen an.

Potsdam - Brigitte Meier (SPD) ist für die nächsten acht Jahre Potsdams Sozialdezernentin. Am Mittwochabend haben die Stadtverordneten die 54-jährige Münchnerin gleich im ersten Wahlgang mit einer knappen Mehrheit bestätigt. Sie erhielt – in geheimer Abstimmung – 30 Ja-Stimmen. Nötig waren mindestens 29 Stimmen. 22 Stadtverordnete votierten gegen Meiers Berufung. In einer ersten Reaktion nach der Wahl sagte die frühere Münchener Sozialbeigeordnete, sie freue sich auf die Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten. Sie hoffe, auch jene überzeugen zu können, die sie jetzt nicht gewählt hatten. „Das wird schon klappen“, sagte sie.

Das Votum für Meier ist auch für Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) ein Erfolg – schließlich hatte er sie vorgeschlagen und sich darauf verlassen, dass SPD, Grüne, Die Andere und Teile der Linken die von ihnen favorisierte Kandidatin wie versprochen auch wählen und sie nicht durchfallen lassen. Schon mehrfach waren Dezernentenwahlen in Potsdam wegen parteipolitischer Manöver zu Zitterpartien geworden oder sogar gescheitert.

Auf Wohnungssuche in Potsdam

Schon vor Wahl lobte Schubert die langjährigen Erfahrungen seiner Wunschkandidatin. Diese habe in München einen großen Aufgabenbereich bearbeitet, vom Jugendamt über Wohnen und Migration bis zum Jobcenter. „Sie ist erfahren in der politischen Gremienarbeit, verfügt über Kompetenzen im Projektmanagement und ist zudem äußerst krisenerfahren“, hieß es in der Vorlage zur Wahl. Laut Medienberichten aus München war Meier dort 2016 nicht mehr für eine weitere Amtszeit angetreten, nachdem sie unter anderem in einem Streit um Unterbringungskosten für Flüchtlinge den Rückhalt in der dortigen Politik verloren hatte. Derzeit ist sie Geschäftsführerin der Israelitischen Kultusgemeinde Oberbayern, der zweitgrößten jüdischen Gemeinde Deutschlands. Nun werde sie sich eine Wohnung in Potsdam suchen, hieß es. Ab Juli soll ihre Arbeit im Rathaus beginnen.

Die wichtige Stelle ist seit der Wahl von Schubert zum Oberbürgermeister vakant gewesen. Für die Suche nach einem Nachfolger hatte die Stadt einmal mehr das Personalberatungsunternehmen Kienbaum beauftragt. Im Januar hatte das Verfahren begonnen. Insgesamt waren laut Rathaus 22 Bewerbungen eingegangen, wobei 15 Männer unter den Kandidaten waren. Mehr als 100 mögliche Bewerber seien von Kienbaum angesprochen worden.

Das Verfahren sei mit anonymisierten Daten durchgeführt worden, hatte das Rathaus mehrfach betont. Zunächst seien die schriftlichen Bewerbungsunterlagen analysiert und eine Vorauswahl von sieben Kandidaten getroffen worden, die man dann zu Interviews eingeladen hatte. Deren Ergebnisse führten zur Auswahl von vier Kandidaten, die noch einmal mit Tests konfrontiert wurden. Dann hatten die Fraktionschefs des Stadtparlaments die beiden für sie überzeugendsten Kandidaten bestimmt – und sie erst danach persönlich vorgestellt bekommen.

Es warten wichtige Aufgaben

Neben Meier war das der parteilose Sozialbeigeordnete der sächsischen Kleinstadt Torgau, Lars Fähling – ihn hatten CDU, Bürgerbündnis/FDP und AfD favorisiert. Auch seine Bewerbung sei exzellent gewesen, sagte Schubert. Doch habe er sich schließlich für Meier entschieden – schon im Sinne der Gleichstellung in der Beigeordnetenriege, die sonst männlich dominiert wäre. Das Parteibuch habe keine Rolle gespielt. Schubert räumte ein, er sei skeptisch gewesen, ob eine solche Abstimmung kurz vor der Kommunalwahl möglich wäre. Umso erfreuter wirkte er nach der Wahl. Im Sozialdezernat stünden wichtige Herausforderungen an, betonte er: Etwa im Bereich Wohnen, Pflege oder bei der Besetzung von vielen lange vakanten Stellen. Zu dem Bereich gehören auch das Ordnungs- und das Gesundheitsamt sowie die Feuerwehr.

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