Potsdamer Händler fordern Konzepte gegen Leerstand. Foto: Ottmar Winter
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Branchenmix und Verkehr Potsdam überarbeitet Einzelhandel-Konzept

Die Stadt Potsdam will ihr Einzelhandelskonzept fortschreiben. Die Händler fordern Konzepte gegen Leerstand, eine bessere Verkehrssituation im Zentrum und ein Gleichgewicht zwischen Gastronomie und Handel.

Potsdam - Branchenmix, Onlinehandel, Innenstadtverkehr – die Herausforderungen für den Einzelhandel in Potsdam sind groß. „Wir haben viele Baustellen. Zum einen muss die Verkehrssituation im Zentrum deutlich verbessert werden, zum anderen muss der Ausbau der Brandenburger Straße vorangetrieben werden“, sagt Wolfgang Kampmeier, Leiter des Regionalbereichs Mittelbrandenburg und Nordwestbrandenburg beim regionalen Handelsverband. Vor allem aber müsse darauf geachtet werden, dass in der Innenstadt das Gleichgewicht zwischen Gastronomie und Handel gewahrt bleibt, so Kampmeier. Es gebe bereits Fälle, etwa im Holländischen Viertel, wo Hauseigentümer bei Geschäftsaufgaben auf Gastronome als Nachfolger bestünden.

Arbeit am Konzept startet demnächst

Viele Themen liegen also auf dem Tisch, wenn die Stadt demnächst ihr Einzelhandelskonzept überarbeitet. „Derzeit ist die Fortschreibung geplant, die konkrete Arbeit dazu startet in den kommenden Wochen“, bestätigte das Rathaus jetzt auf PNN-Anfrage. Ein Vergabeverfahren dazu sei noch nicht abgeschlossen, hieß es weiter.

Das aktuelle Einzelhandelskonzept stammt aus dem Jahr 2014. Eine Überarbeitung solcher Konzepte sei durchaus üblich, so ein Rathaussprecher. Bestandteil der Fortschreibung sei unter anderem die vollständige Erhebung des Einzelhandels sowie eine Untersuchung der zentralen Versorgungsbereiche und anderer Standorte. Daraus würden dann Grundsätze für die Handelsentwicklung abgeleitet, hieß es weiter. Im Rahmen des Einzelhandelskonzeptes würden das Stern-Center und die Bahnhofspassagen untersucht, teilte das Rathaus mit.

Potsdamer Händler leiden unter Online-Boom

Zu schaffen macht dem Einzelhandel in Potsdam unter anderem der Boom im Onlinehandel. Immer mehr Kunden bestellen mittlerweile ihre Produkte im Internet. Dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) zufolge wuchs der Onlinehandel bundesweit im ersten Quartal des Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018 um mehr als elf Prozent. Davor betrug der Zuwachs 10,6 Prozent.

Frank Kosterka, Leiter des Potsdamer Stern-Centers. Foto: promo Vergrößern
Frank Kosterka, Leiter des Potsdamer Stern-Centers. © promo

Hier seien aber vor allem die Händler selbst gefragt, sagt Frank Kosterka, Manager des Stern-Centers. Die müssten vor Ort noch stärker über gute Beratung und einen guten Service ihre Vorteile gegenüber dem Onlinehandel ausspielen. „Man kann immer viel über das Internet schimpfen, aber letztlich hat es jeder selbst in der Hand, etwas zu unternehmen.“

Anfang des Jahres beklagten Einzelhändler auch zunehmenden Leerstand in der Potsdamer Innenstadt. Manfred Gerdes, dessen Frau zwei Geschäfte in der Innenstadt führt und der bis vergangenen Sommer Vorsitzender der AG Innenstadt war, hatte deshalb bereits Änderungen am Einzelhandelskonzept der Stadt gefordert. Die Stadt müsse gezielter steuern, was wo einziehen dürfe, damit der Branchenmix sichergestellt bleibe, hatte Gerdes gesagt.

Der Zuzug verbessert die Situation

Das sehen auch Kampmeier und Kosterka als wichtiges Ziel. Im Zuge der Aktualisierung des Einzelhandelskonzepts müsse analysiert werden, welche Zielgruppen an welchen Einzelhandelsstandorten vorzugsweise einkaufen, so der Centermanager. Dann könne man besser maßgeschneiderte Angebote für die jeweilige Zielgruppe zusammenstellen, sagt Kosterka. „Da gibt es noch Luft nach oben.“ Im Vergleich zu vielen anderen ostdeutschen Städten sei Potsdam durch den Zuzug ja in einer recht luxuriösen Situation, zumal unter den Neu-Potsdamern auch zahlreiche Besserverdienende seien. Das steigere auch die Kaufkraft.

Der enorme Zuzug stelle die Stadt, und damit auch den Handel, auch vor große Herausforderungen, gibt aber Kampmeier zu bedenken. „Der zunehmende Fahrradverkehr muss mit dem Kraftverkehr besser koordiniert werden“, fordert der Funktionär. Denn ein vollständiger Verzicht auf den individuellen Kraftverkehr in der Innenstadt sei aus Sicht des Einzelhandels nicht akzeptabel.


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