Die Potsdamer Wasserschutzpolizei überwacht die Wasserflächen von einer Drohne. Foto: Ottmar Winter PNN
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Bilanz der Wasserschutzpolizei und Saisonstart Auf der Jagd nach Rasern auf dem Wasser

Potsdams Wasserschutzpolizei schlägt Alarm: Die Zahl der Unfälle in Sport- und Freizeitschifffahrt steigt. Künftig überwacht auch eine Drohne das Wasser.

Potsdam - Zum Start der diesjährigen Wassersportsaison auf den Gewässern der Stadt hat sich Potsdams Wasserschutzpolizei besorgt über das Verhalten vieler Wassersportler geäußert: Stark gestiegen sei die Zahl von Freizeitkapitänen, die alkoholisiert am Ruder standen, hieß es am Mittwoch, als die Polizeidirektion West auch eine Bilanz über die Einsätze der Vorjahre gab. So ertappte im Jahr 2018 die Wasserschutzpolizei 28 solch alkoholisierten Schiffsführer, 2019 waren es 32 und 2020 bereits 40. Davon waren 17 Bootsführer, die das Fahrzeug lediglich gechartert hatten. Bei Berufskapitänen fielen im Vorjahr hingegen nur zwei Schiffsführer auf, die die Grenze von 0,5 Promille überschritten hatten. Die Zahl der Schiffsunfälle in 2020 gab die Polizei mit 81 an, 68 Prozent davon wurden von Charterfahrzeugen verursacht. In der Berufsschifffahrt kam es nach 22 Unfällen im Jahr 2019 zu neun Havarien.

Jetskis ein Problem auf dem Wasser

Zum Start der Saison wies die Wasserschutzpolizei der Polizeidirektion West, die fast 300 Kilometer Wasserstraßen zwischen Potsdam, Rathenow und Brandenburg an der Havel überwacht, auch auf die Probleme durch sogenannte Wassermotorräder, also Jetskis, hin. Die Neigung der Lenker zur Raserei ist den Beamten geläufig. „Deutlich mehr als die Hälfte” verstießen, so Joachim Pötschke, Chef der Wasserschutzpolizisten, gegen die Regeln und das jeweilige Tempolimit.

Ständige Wendemanöver untersagt

Eine der Regeln: Die Fahrzeuge dürfen nur auf „Wanderfahrt” unterwegs sein – von Ort zu Ort, aber nicht mit ständigen Wendemanövern. „Sie sind vom Lärm her eine Belästigung für alle, die sich in Ruhe erholen wollen“, sagt Pötschke, „im Sommer können wir uns an einigen Tagen vor Anrufen mit Beschwerden nicht retten.“ Die Jetskis erreichen Geschwindigkeiten bis zu 130 Stundenkilometern. Da muss die Wasserschutzpolizei nicht selten großes Gerät und modernste Technik auffahren, um die Raser zu stellen. „Ein solches Tempo vermeiden wir aber wegen möglicher Schäden an der Uferbefestigung durch die Bugwellen“, sagt Pötschke.

Polizisten auf See. Joachim Pötschke leitet die Wasserschutzpolizei (l.) und Karsten Schiewe, Leiter der Polizeidirektion West.  Foto: Ottmar Winter PNN Vergrößern
Polizisten auf See. Joachim Pötschke leitet die Wasserschutzpolizei (l.) und Karsten Schiewe, Leiter der Polizeidirektion West.  © Ottmar Winter PNN

Beim Pressetermin am Mittwoch ließen die Polizisten eine Drohne über der Havel aufsteigen, mit der das Treiben der Temposünder aus der Höhe beobachtet werden kann. Gestochen scharf sind die Videos, die das fliegende Gerät aufnimmt, sie haben Beweiskraft. Mit einem Video überführte die Wasserschutzpolizei im vergangenen Sommer einen Jetski-Fahrers auf dem Großen Zernsee bei Werder. Der Mann hatte die zulässige Höchstgeschwindigkeit von zwölf Stundenkilometern um mehr als 50 km/h überschritten und musste eine Geldbuße von 675 Euro zahlen. Er war Wasserschutzpolizisten dort während einer Kontrollfahrt wegen seines offensichtlich hohen Tempos aufgefallen, sie informierten die Piloten eines Polizeihubschraubers, der gerade über den Flüssen und Seen seine Bahnen zog. Sie filmten ihn, es war kein Problem, sein Tempo anhand von Fixpunkten an Land mit einer Weg-Zeit-Messung festzustellen, und die Beamten auf dem Boot stoppten ihn und nahmen seine Personalien auf.

Weniger Mängel bei Berufskapitänen

Kapitäne der Berufsschifffahrt halten sich offenbar eher an Vorschriften. Die Zahl der Beanstandungen etwa von fehlenden Ausrüstungsgegenständen, Vorgaben für die Besatzung oder dem Umgang mit Abfall sank bei 304 Kontrollen im vergangenen Jahr auf 110, 2019 wurden bei 319 Kontrollen noch 140 Mängel gefunden.

Diebstahlsdelikte im Wassersport geringer

Die meisten Boote und deren Zubehör haben für Diebe an Attraktivität verloren. 2020 wurden im Bereich der Polizeidirektion West nur vier Motorboote gestohlen, im Jahr zuvor waren es noch acht und 2018 sogar 15. Mit 64 ist die Zahl der gestohlenen Außenbordmotoren im Vergleich zu 2019 (111) deutlich gesunken. Ruderboote waren unter Kriminellen wesentlich gefragter als zuvor: 2020 verschwanden 21 auf oft unbekannte Weise an unbekannte Orte, 2019 waren es 11.

Angesichts der anhaltenden Corona- Pandemie rechnet die Polizei damit, dass sich noch mehr Urlauber als im vergangenen Jahr auf Deutschland beschränken werden – auch auf vielen Flüssen und Seen in Brandenburg. Und das nicht zuletzt mit Hausbooten. Mancherorts werden Boote vermietet, in Potsdam zum Beispiel die Flöße von „Huckleberrys Tour“ an der Schiffbauergasse. Nur übernachten kann man derzeit darauf nicht – wegen der nächtlichen Ausgangssperre.

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