Peter Heiß, Geschäftsführer des Studentenwerks Potsdam, Wissenschaftsstaatssekretärin Ulrike Gutheil und Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (v.l.) feierten Richtfest in Golm. Foto: Sandra Calvez
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Bezahlbarer Wohnraum in Potsdam Rohbau des neuen Studentenwohnheims in Golm fertig

Ein notwendiger Zweckbau: Der Rohbau des neuen Studentenwohnheims mit 308 Betten in Golm steht. Der Bedarf ist enorm, vor allem weil die Zahl der Studenten weiter wächst. 

Golm - Quadratisch und praktisch, so präsentiert sich das neue Studentenwohnheim in Golm. Es sei ein Zweckbau, sagte Wissenschaftsstaatssekretärin Ulrike Gutheil bei dem Richtfest am gestrigen Mittwoch, aber ein dringend notwendiger. „Wir müssen jetzt schnell sein“, betonte sie, „denn die Plätze werden dringend gebraucht“. Sie wisse, dass die Wohnraumsituation für Studenten in Potsdam nicht einfach sei.

308 Wohnplätze sollen in dem neuen Gebäude auf dem Universitätscampus entstehen, nur wenige Minuten Fußweg vom Bahnhof Golm. Vier Monate nach der Grundsteinlegung steht nun der Rohbau des neuen Wohnheims. Zu Beginn des Wintersemesters 2019/20 soll es bezogen werden. Neben klassischen Ein-Personen-Appartments soll es in dem 17 Millionen Euro teuren Bau auch sogenannte Pärchenzimmer geben sowie einige größere Wohnungen. Darunter sind einige Appartments für Eltern mit Kindern und barrierefreie für Behinderte. Die Mietkosten sollen zwischen 190 und 310 Euro im Monat liegen.

In fünf Geschossen sollen in dem neuen Wohnheim insgesamt 308 Studenten unterkommen. Foto: Sandra Calvez Vergrößern
In fünf Geschossen sollen in dem neuen Wohnheim insgesamt 308 Studenten unterkommen. © Sandra Calvez

Der Neubau ersetzt ein früher an gleicher Stelle stehendes Wohnheim mit 186 Plätzen. „Immerhin einige Plätze mehr, und ohne Asbest“, kommentierte Florian Rumprecht. Er studiert im Master Mathematik in Golm. „Hier in Potsdam brennt es, die Wohnraumsituation für Studierende ist fatal“, sagte der Student den PNN. Das sieht auch die Sprecherin des Studentenwerks Potsdam so, Josephine Kujau. „Jedes Jahr aufs Neue ist die Situation zu Semesterbeginn sehr prekär.“ Gerade in Potsdam, wo der Wohnungsmarkt generell angespannt sei.

Rund 25 000 Studenten gibt es in Potsdam, demgegenüber stehen 2200 Plätze in Wohnheimen. 250 Euro im Monat sind im Bafög als Wohnpauschale eingerechnet. Wer diesen Betrag in den gängigen Immobilien- oder Wohngemeinschaftssuchportalen eingibt, findet kaum Angebote. Die Folge: Nach Angaben des Studentenwerks pendeln knapp zwei Drittel der Studenten aus Berlin oder dem Umland nach Potsdam und wohnen nicht in der Stadt.

Brisanz und Relevanz

„Ein Tropfen auf den heißen Stein“ sei der Neubau, sagte der Geschäftsführer des Studentenwerks Potsdam, Peter Heiß, bei dem Richtfest. „Aber er hilft absolut.“ Ein Dach über dem Kopf sei das allerwichtigste. Denn, so gab der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde zu bedenken, wenn Studenten kein Zimmer fänden, dann gefährde das den Studieneinstieg. Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, habe eine hohe Brisanz und Relevanz, deutschlandweit. „Die Wahl des Studienorts darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen“, so Meyer auf der Heyde. Er fordert deshalb für den weiteren Ausbau der Wohnheime neben Landes- auch Bundesmittel.

Die Finanzierung ist eine Kernfrage beim Bau zusätzlicher Wohnheime. Aus dem Studentenwerk kommt immer wieder die Forderung, dass dieses auch Kredite etwa bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aufnehmen können soll. Das allerdings hatte das Land bisher abgelehnt. Auch Staatssekretärin Gutheil sagte den PNN am Rande des Richtfests, Kredite für das Studentenwerk seien nicht die Lösung. „Denn diese müssen dann über Jahre getilgt werden.“ Aber als schnelle Möglichkeit, um in der Frage voranzukommen, schließe sie es trotzdem nicht grundsätzlich aus. „Wir müssen über eine Mischfinanzierung nachdenken“, sagte sie. Es gebe Gespräche zwischen Wissenschafts- und Infrastrukturministerium, um ein neues Finanzierungsmodell zu finden. Es gehe darum, studentisches Wohnen über die soziale Wohnraumförderung zu finanzieren.

Weitere Pläne für Golm

Solche Gespräche hatte aber auch Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) im Juni schon vor Studenten in Potsdam angekündigt. „Es ist hochkomplex und geht nicht so schnell voran“, gab Gutheil zu. Aber in ihrer Richtfestrede sagte sie zu: „Sie können sicher sein, dass sich das Land in den kommenden Jahren noch stärker für studentisches Wohnen einsetzen wird.“ In Golm II etwa solle ein neues Wohnheim mit 358 Plätzen im nächsten Jahr in die Bauplanung gehen.

Das wird auch nötig sein, denn der Wissenschafts- und Universitätsstandort Potsdam wächst, die Studentenzahlen auch. Allein die Universität Potsdam rechnet bis 2020 mit rund 3000 zusätzlichen Studenten. Auf die Frage, ob der Standort in Bezug auf die Infrastruktur überhaupt bereit sei für eine solche Expansion, entgegnete Mathestudent Rumprecht: „Eigentlich nicht.“ Staatssekretärin Gutheil antwortete, die Studentenplätze seien zwar gut, aber die Schere zwischen Studentenzahl und Wohnheimplätzen sei zu weit auseinandergegangen. „Die kritischen Bemerkungen sind berechtigt.“

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