Von Algen befreit. Mittlerweile wird die Teichanlage an der Nutheschlange wieder gepflegt. Foto: Andreas Klaer
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Potsdam Beschwerden über Verwahrlosung der Nutheschlange

Die Nutheschlange in Potsdam hat schon bessere Zeiten gesehen. Anwohner des Wohnkomplexes beschweren sich über gekippte Teiche und fehlende Bewässerung.

Potsdam - Verschlammte Teiche, fauliger Geruch, vertrocknete Pflanzen: Julia Laabs ist frustriert über den Zustand, den die Wohnanlage Nutheschlange in den letzten Wochen angenommen hatte. Mehrmals hatte sie deswegen Briefe an die städtische Wohnungsbaugesellschaft Pro Potsdam geschickt – ohne Erfolg. Erst der dritte Brief von Ende Juni, mit der Ankündigung, sich an die Öffentlichkeit zu wenden, hatte Wirkung gezeigt: Seit über einer Woche werden nun endlich die Teiche von Algen und anderen toten Pflanzen befreit, die Fontänen laufen wieder, die Wege werden gereinigt.

„Ich finde es schade, dass man immer erst an die Öffentlichkeit gehen muss, damit etwas passiert“, sagt Laabs, die seit rund sieben Jahren in einem der Angerhäuser wohnt, die auf Stelzen direkt an der Teichanlage stehen. Laabs ist ehemalige Fraktionschefin der Partei Die Andere und hat auch die Bürgerinitiative zur Bewahrung des Kopfes der Nutheschlange mitgegründet (siehe unten).

Ihre Nachbarn in der Nutheschlange, mit denen sie im regelmäßigen Austausch steht, würden bestätigen, dass sich der Zustand der Wohnanlage in diesem Jahr immer weiter verschlechtert habe. Laabs spricht von „Vernachlässigung und Verwahrlosung“.

Im Juni seien rund zwei Wochen lang die Fontänen der Teiche komplett aus gewesen, die Teiche selbst wucherten immer stärker mit Algen zu. Irgendwann war die Wasseroberfläche nicht mehr zu sehen, sondern komplett mit Schlick bedeckt. Die Anwohner vermuteten, dass die Pumpen defekt waren, die für die Umwälzung des Wassers und den Betrieb der Fontänen zuständig sind.

In den vergangenen Wochen war das Wasser deutlich verschlickt. Foto: privat Vergrößern
In den vergangenen Wochen war das Wasser deutlich verschlickt. © privat

Auch tote Fische habe sie schon beobachtet, sagt Laabs Nachbarin Ane Esdohr: „Das Wasser war voll mit Algen.“ Auch das Veterinäramt wurde benachrichtigt, wegen des Verdachts auf Tierquälerei. Nach Ansicht der Anwohner ist der Teich längst eutrophiert, also gekippt, so dass Fische darin ersticken und verenden. Dadurch gedeiht auch die Mückenpopulation: „Ich habe mir jetzt Moskitonetze gekauft, das war in den letzten sieben Jahren nie nötig“, sagt Laabs.

Doch es ist nicht der einzige Kritikpunkt von Laabs: Sie wirft der Pro Potsdam vor, dass die Grünanlagen rund um die Häuser der Nutheschlange seit Monaten nicht mehr bewässert wurden, gerade in den letzten heißen Wochen. „Wir haben irgendwann angefangen, die Pflanzen und Beete selber zu bewässern, sonst wäre hier alles eingegangen“, sagt Laabs. "Wir haben immer wieder an die Pro Potsdam geschrieben, dass wir uns nach Absprache gerne an der Pflege der Anlage beteiligen könnten." Reaktionen darauf blieben bislang aus.

Die Pro Potsdam indes verweist darauf, dass die Pumpen vorschriftsmäßig arbeiten: „Die Teichanlage der Nutheschlange wird aus dem Grundwasser gespeist“, sagt Pro Potsdam-Sprecherin Anna Winkler. „Die Fontänen und Pumpen der Teichanlage funktionieren und werden über den Wasserstand und eine Zeitschaltuhr gesteuert. Durch die Verdunstung in der heißen Jahreszeit kann es zu einem niedrigen Wasserstand kommen, der die Fontänen außer Betrieb setzt.“

Der Wasserstand ist stark gesunken. Foto: privat. Vergrößern
Der Wasserstand ist stark gesunken. © privat.

Zum Vorwurf der ausbleibenden Bewässerung heißt es aus der Pressestelle der Pro Potsdam: „Die Bewässerung der Grünanlage orientiert sich am Bedarf der Pflanzen.“ Außerdem werde auf einen wirtschaftlichen Einsatz der Mittel für die Pflege geachtet, da diese Kosten Teil der von den Mietern zu bezahlenden Betriebskosten sind. „Aus diesen Gründen ist die mit der Pflege beauftragte Firma angehalten, junge Bäume sowie Pflanz- und Gehölzflächen kurzfristig nach festgestelltem Bedarf zu bewässern.“

Zumindest was die Teichanlage angeht, hat sich die Situation in der Nutheschlange vorerst gebessert, aber Laabs traut dem Frieden nicht: „Wir fürchten, dass das nur eine kurzfristige Aktion war, weil wir Druck gemacht haben.“ Später, so die Befürchtung Laabs', wird sich die stiefmütterliche Behandlung der Nutheschlange fortsetzen. Zumal es noch weitere Kritikpunkte gibt: Zu wenig Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder etwa oder Probleme mit überquellenden Müllcontainern.

Und dann ist da noch das Problem mit den Parkplätzen: Durch den geplanten Abriss des als Terrassenhaus bezeichneten Kopfbaus der Nutheschlange wird ab Ende des Jahres auch ein dreigeschossiges Parkdeck mit rund 190 Stellplätzen wegfallen. Wie der Mangel an Parkflächen kompensiert werden soll, ist derzeit noch unklar. Thomas Schenke, Fachbereichsleiter Grün- und Verkehrsflächen im Potsdamer Rathaus, hatte auf einer Informationsveranstaltung für Anwohner bereits eingeräumt, dass in Zentrum Ost mehr Stellplätze benötigt würden, als vorhanden seien. Wenn der Neubau fertiggestellt sein wird, der anstelle des Terrassenhauses entstehen soll, könnte sich die Situation noch weiter verschärfen, da er rund doppelt so viele Wohnungen umfassen soll wie das Terrassenhaus.

Bund Deutscher Architekten gegen Teilabriss
Im Streit um den Abriss des Kopfbaus der Nutheschlange hat sich nun sogar der Bund Deutscher Architekten (BDA) eingeschaltet: In einer Pressemitteilung spricht sich der Verband gegen den für Ende des Jahres geplanten Abriss des sogenannten Terrassenhauses aus. Die Architekten fordern unter anderem ein Moratorium und die Offenlegung der Gutachten, auf denen sich die Kostenkalkulation für eine mögliche Sanierung des Gebäudeabschnitts stützt. Laut Pro Potsdam sei das mit 38 Wohnungen ausgestattete Terrassenhaus mit zahlreichen Mängeln behaftet, eine Sanierung würde wie berichtet rund acht Millionen Euro kosten. Ein Neubau mit 80 Wohnungen für 15 Millionen Euro an selber Stelle sei daher wirtschaftlicher. Auch das Berliner Architektenehepaar Doris und Hinrich Baller, die die 1997 erbaute Nutheschlange einst entworfen hatten, wehren sich gegen den Abriss und bestreiten die angeführten Mängel im Wärme- und Brandschutz sowie der Standsicherheit der Außenwände.

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