Das Klinikum "Ernst von Bergmann" in Potsdam Foto: Sebastian Gabsch
© Sebastian Gabsch

Update Bergmann-Klinikum durchsucht Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Patientenakten

Die Aktion steht im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren gegen drei leitende Mediziner und die beurlaubte Geschäftsführung nach dem Corona-Ausbruch mit zahlreichen Toten.

Potsdam - Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat am Mittwoch die Räumlichkeiten des kommunalen Bergmann-Klinikums durchsucht und dabei Patientenakten beschlagnahmt. Das bestätigte das Gesundheitsunternehmen den PNN, zuvor hatte die "Märkische Allgemeine" berichtet. Es gehe um mögliche Beweismittel im Ermittlungsverfahren gegen drei leitende Mediziner und die beurlaubte Geschäftsführung des Klinikums.

Wie berichtet besteht unter anderem gegen den langjährigen Klinikchef Steffen Grebner der Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung angesichts des schweren Corona-Ausbruchs im März. Ermittelt wird auch gegen die medizinische Geschäftsführerin Dorothea Fischer. Seit dem 26. März waren im Klinikum 47 Menschen mit oder an Covid-19 gestorben. 44 der Toten waren nach Angaben des Klinikums Patienten, die nicht wegen einer Corona-Infektion, sondern mit einer anderen Diagnose in das Krankenhaus gekommen waren. Insgesamt infizierten sich laut Klinikum 138 aus anderen Gründen aufgenommene Patienten mit dem Coronavirus – jeder Dritte (32 Prozent) starb mit oder an der Infektion. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte deswegen die bisherigen Geschäftsführer beurlaubt und interimsweise neue eingesetzt.

Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Wilfried Lehmann zu Beginn der Ermittlungen bestehen "zureichende tatsächliche Anhaltspunkte, dass sich Patienten während ihrer stationären Behandlung in dem Krankenhaus durch pflichtwidrige Versäumnisse der Beschuldigten mit dem Sars-CoV-2-Virus vermeidbar infiziert haben und ein Teil von ihnen infolge der hervorgerufenen Infektion an Covid-19 verstorben sind". Dies gehe aus den Erkenntnissen und Feststellungen des Potsdamer Gesundheitsamts sowie aus der Ausbruchsanalyse des Klinikums selbst hervor. Die Analyse hatten die Interimschefs des Klinikums in Auftrag gegeben und am 20. Mai auch öffentlich vorgestellt.  

Klinik räumte Fehler ein

Das Klinikum, für das zwischenzeitlich ein mehr als einmonatiger Aufnahmestopp mit Ausnahme von lebensbedrohlichen Notfällen verhängt worden war, räumte zunächst im Mai Fehler ein. Die dann beurlaubte Geschäftsführung erklärte, die Infektionen von Patienten und Mitarbeitern hätten in ihrem möglichen Zusammenhang betrachtet werden müssen. 

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Aktuell teilte das Klinikum am Mittwoch mit, Polizeibeamte hätten rund 200 Akten und verschiedene Unterlagen angefordert "und diese von unserer Rechtsabteilung erhalten". Der Ermittlung läge ein Durchsuchungsbeschluss zugrunde, in dem spezifische Dokumente und Gegenstände aufgelistet seien, die aus Sicht der Staatsanwaltschaft dazu beitragen können, die erhobenen Vorwürfe zu erhärten oder zu entkräften. 

„Wir kooperieren vollumfänglich im Sinne der Aufklärung der Sache“, so Interimsgeschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt. Das bestätigte auch die Staatsanwaltschaft den PNN. Zugleich legte das Klinikum "Wert auf die Feststellung, dass für alle fünf Personen weiterhin die Unschuldsvermutung gilt". Von den Ermittlern hieß es gegenüber den PNN, die Nachforschungen würden sicherlich noch einige Monate andauern.

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