Auf dem Areal des ehemaligen Tramdepots sollen von der Pro Potsdam bis 2023 mehr als 300 Wohnungen mit möglichst preisgünstigen Mieten gebaut werden.  Foto: Ottmar Winter
© Ottmar Winter

Bauprojekt in Potsdam Viele Wohnungen, wenige Parkplätze

Pro Potsdam und Stadt treiben den Bau des neuen Quartiers auf dem früheren Tramdepot voran. 341 Wohnungen sollen dort entstehen. 

Potsdam - Das Gelände diente schon als Exerzierplatz, Tramdepot und Tennisanlage – nun sollen bis 2023 mehr als zwei Hektar Brachland zwischen Heinrich-Mann-Allee und der Kolonie Daheim zum Wohngebiet mit günstigen Mieten entwickelt werden. Investor vor Ort ist die kommunale Bauholding Pro Potsdam, die ab dem Herbst dort 341 Wohnungen errichten will, 75 Prozent davon staatlich gefördert und daher mit entsprechender Mietpreisbindung. Schon jetzt beginnen dafür die Erschließungsarbeiten, erklärte Pro-Potsdam-Chef Bert Nicke am Dienstag bei einem Pressetermin vor Ort.

Unter anderem wird eine zentrale Baustellenzufahrt eingerichtet und ein Radweg in der Straße am Nuthewinkel neu geführt. Ferner müssen Wasser-, Strom- und Fernwärmeleitungen verlegt und eine Trafostation neu gebaut werden. Ab Herbst soll dann – fast direkt hinter dem heutigen Humboldt-Gymnasium – der Bau der Wohnungen starten, dafür sind 13 Gebäude vorgesehen, für deren Gestaltung es auch schon einen städtebaulichen Wettbewerb gegeben hatte.

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Tramdepot Potsdam Visualisierung Bauarbeiten. Foto: propotsdam/promo Vergrößern
Tramdepot Potsdam Visualisierung Bauarbeiten. © propotsdam/promo

139 Parkplätze sollen zur Verfügung stehen

Zum Ensemble gehört den Angaben nach auch eine Tiefgarage. Insgesamt würden für Anwohner und Gewerbe 139 Parkplätze zur Verfügung stehen, hieß es – also deutlich weniger als ein halber Stellplatz pro Wohnung. Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) verwies allerdings auf die sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Ferner sollen 983 Fahrradstellplätze geschaffen werden. „Umweltgerechte Mobilität und zukunftsweisende Energieerzeugung sollen dieses neue Quartier prägen“, so Rubelt. Man wolle auch dafür sorgen, dass der Parkdruck im Umfeld nicht zunehme, versprach der Baubeigeordnete.

Für eine möglichst umweltfreundliche Energieversorgung vor Ort soll auch ein Geothermie-Projekt der Stadtwerke sorgen, hieß es bei dem Termin. Geplant sei eine Bohrung in zwei Kilometer Tiefe, was das Landesbergbauamt aber noch genehmigen müsse. Die Erdwärme sei eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle, hieß es von der Pro Potsdam und den Stadtwerken in einer Erklärung. Zur Versorgungssicherheit werde das Viertel gleichwohl an das Fernwärmenetz der Stadtwerke angeschlossen.

Die ehemaligen Gleise des früheren Tramdepots. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Die ehemaligen Gleise des früheren Tramdepots. © Ottmar Winter

Mehrere Blindgänger wurden entdeckt

Die Kampfmittelberäumung habe man schon kurz vor der Coronakrise abschließen können, sagte Nicke. Dafür habe man 25.000 Bohrungen mit einer Tiefe von sechs Metern vorgenommen, so Nicke – das Gelände war im Zweiten Weltkrieg auch von den Arado-Flugzeugwerken genutzt worden und wurde deshalb auch bombardiert. Bei der Kampfmittelsuche waren mehrere Blindgänger entdeckt worden, was Entschärfungen und entsprechende Absperrungen nötig machte. Inklusive der Grundstückskäufe habe man schon 20 Millionen Euro vor Ort investiert, so Pro-Potsdam-Chef Nicke. Insgesamt sollen es 150 Millionen Euro werden.

Das Verfahren ist auch insofern aufwendig, als das im Sommer der Zustand aller Gebäude in der näheren Umgebung detailliert dokumentiert werden muss – um Beweise zu haben, ob womöglich künftig auftretende Schäden im Umfeld auf die umfangreichen Bauarbeiten zurückzuführen sind. Die Dokumentation werde ein unabhängiger Gutachter übernehmen, hieß es von der Pro Potsdam in einem eigens für die Anwohner gedruckten Handzettel, der in den kommenden Tagen verteilt werden soll – und in Zeiten von Corona die sonst für Projekte dieser Größenordnung übliche Bürgerversammlung vor Ort ersetzen sollen. 3000 solche Flyer seien dafür gedruckt worden, so Nicke.

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Schule soll bis Sommer 2021 errichtet werden

Doch mit dem Standort hat die Stadt noch mehr vor. Wie berichtet prüft das Rathaus parallel, ob auf dem Gelände zwischen Altem Friedhof und Humboldt-Gymnasium auch ein neuer Verwaltungscampus errichtet wird oder ob dort die Pro Potsdam noch weitere Wohnungen bauen kann. Rubelt sagte auf PNN-Nachfrage, die Prüfungen für diese Grundsatzentscheidung würden noch laufen. Es stünden mehrere Varianten zur Auswahl. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte den Plan für den Neubau im vergangenen Jahr öffentlich gemacht und durchblicken lassen, dass er die Lösung auf dem ehemaligen Tramdepot favorisiere – was für die Stadt aber voraussichtliche Gesamtkosten in dreistelliger Millionenhöhe bedeuten könnte – ob das angesichts wegbrechender Steuereinnahmen im Zuge der Coronakrise noch realistisch ist, scheint aktuell fraglich.

Klarer sind die Pläne für eine temporäre Grundschule auf dem Gelände – diese soll wie berichtet bis Sommer 2021 in Modulbauweise errichtet werden, parallel zu den Erschließungsarbeiten. Die Schule soll übergangsweise als Ausgleich für eine noch geplante dreizügige Grundschule dienen, die zwischen Bundespolizeipräsidium und der Straße Am Nuthewinkel vorgesehen ist. Im gesamten Umfeld der Teltower Vorstadt hatte es in den vergangenen Jahren mehrere Neubauvorhaben gegeben, die aus Sicht der Stadt für ein unerwartet rasches Wachstum der Schülerzahlen gesorgt haben. Daher muss wieder eine Behelfslösung gebaut werden.


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