Das Potsdamer Rathaus plant eine Studie zu ihren Ehrenbürgern.  Foto: Andreas Klaer
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Aufarbeitung der Auszeichnungen Potsdam plant Studie zur Ehrenbürgerfrage

Nachdem bekannt wurde, dass Joseph Goebbels die Babelsberger Ehrenbürgerwürde nie aberkannt wurde, will Potsdam diesen Teil der Stadtgeschichte wissenschaftlich ausleuchten lassen. 

Potsdam - Die Stadtverwaltung will die in der Vergangenheit verliehenen Ehrenbürgerschaften als Teil der Stadtgeschichte und Erinnerungsgeschichte wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Wie die Stadt am Dienstag mitteilte, wird dafür eine Kooperation mit einer universitären Einrichtung angestrebt. Ziel sei die „Einordnung und Kontextualisierung der verliehenen Ehrenbürgerschaften in die jeweilige Epoche und den jeweiligen Zeitgeist“. Die Erkenntnisse daraus und der weitere Umgang, auch für künftige Ehrenbürgerschaften, sollen dann mit den Stadtverordneten besprochen und bewertet werden.

Würde auf Lebenszeit

Anlass des Vorstoßes war die jüngst durch Recherchen der Stadt bekannt gewordene Tatsache, dass auf der Liste der Ehrenbürger vom heutigen Stadtteil Babelsberg der NS-Propagandaminister Joseph Goebbels steht, ohne dass ihm diese Würde je aberkannt wurde. Die Potsdamer Ehrenbürgerwürde gilt laut Satzung nur auf Lebenszeit. Im Fall von drei anderen Nazipersönlichkeiten und Kriegsverbrechern hatte die Stadt diese Würde im Jahr 1990 ausdrücklich aberkannt. Im Fall von Generalfeldmarschall und Reichspräsident Paul von Hindenburg beschlossen die Stadtverordneten 2013 eine Distanzierung. Goebbels wurde im April 1938 die Ehrenbürgerwürde der damals noch selbstständigen Stadt Babelsberg verliehen – was bis zum Sommer 2021 allerdings nicht bekannt war.

Befassung im Hauptausschuss

Unabhängig von der geplanten Studie soll sich der Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung am 10. November mit der nachträglichen Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für Goebbels befassen, wie die Stadt weiter mitteilte.

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Die Stadt Potsdam hat die Ehrenbürgerwürde in rund 200 Jahren an mehr als 45 Personen verliehen. Der nach derzeitigen Erkenntnissen erste Ehrenbürger war 1822 der Verwalter des königlichen Schauspielhauses, Johann Christoph Deesen. Mit der Schriftstellerin Helga Schütz wurde 2018 erstmals einer Frau die Würde verliehen. Der zweite aktuelle Ehrenbürger ist der Software-Unternehmer und Potsdam-Mäzen Hasso Plattner.

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