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Auf Patrouille im Welterbe Neuer Garten in Potsdam leidet unter Hitze und Gästen

Der Neue Garten leidet unter seinen Gästen. Der Ordnungsdienst versucht die Parkordnung durchzusetzen. Denn fast alles, was Sinn eines normalen Parks ist, ist hier untersagt.

Potsdam - Vormittag im Neuen Garten: Die Sonne scheint, ein leichter Wind bewegt das Laub der Bäume. Ideales Wetter also, um sich in einem Park zu erholen. Cornelia Weiß und Markus Groß sind aber nicht zum Spaß im Neuen Garten unterwegs. Sie sollen im Auftrag der Schlösserstiftung dafür sorgen, dass die Parkordnung eingehalten wird. Sie sind die Sheriffs im Park. Viele Freunde unter den täglich rund 4000 Parkbesuchern machen sie sich damit nicht. Deshalb wollen sie auch nicht, dass ihre richtigen Namen in der Zeitung stehen.

An der Orangerie beginnen sie ihren Rundgang. Es dauert keine Minute, da kommt ihnen eine Gruppe Fahrradtouristen auf dem Uferweg am Heiligen See entgegen. Alle tragen Helme und haben große Taschen an den Rädern befestigt. Weiß stellt sich ihnen in den Weg. Fahrradfahren ist im Welterbepark nämlich verboten, bis auf den asphaltierten Ökonomieweg am Rand des rund 100 Hektar großen Parks. Die Touristen zeigen sich einsichtig, steigen ab und schieben ihre Räder wieder zurück. Eigentlich ist auch das verboten – aber dafür ist es nun zu spät.

Fast alles, was Sinn eines normalen Parks ist, ist untersagt

Fahrradfahrer sind die häufigste Kundschaft von Weiß und Groß. „Die meisten sehen es ja ein“, sagt Weiß. Gerade Touristen wüssten es oft nicht besser. „Dabei steht das am Eingang auf dem Schild.“ Potsdamer würden hingegen häufig weniger Verständnis zeigen. So wie eine ältere Dame, die mit ihrem Rad Richtung Gotischer Bibliothek fährt: Kaum dass Groß nach einer Belehrung von ihrem Rad weggeht, steigt sie wieder auf und fährt kopfschüttelnd davon. Der 45-Jährige lässt sie ziehen. „Hinterherrennen wäre unverhältnismäßig.“

Ein richtiger Fan des Neuen Gartens ist Veronika Meier, die zwei Tage später mit ihrem Fahrrad am Ufer es Heiligen Sees unterwegs ist. „Die Bäume, die gute Luft“, schwärmt sie. „Ich müsste hier viel häufiger sein.“ Gerade ist sie auch dem Weg von der Nauener Vorstadt Richtung Jungfernsee. Ihren richtigen Namen will sie nicht nennen, nachdem sie erfährt, dass ihre Radtour eigentlich illegal ist. „Das wusste ich nicht. Aber wieso ist das eigentlich in einem Park verboten?“

Tatsächlich erschließen sich die Verbote selbst vielen, die sie kennen, Besuchern nicht. Im Neuen Garten gibt es Wiesen, Wege und schattenspendende Bäume. Also alle Zutaten, um sich zu erholen oder Sport zu treiben. Sogar ein See lädt zu baden ein. Doch fast alles, was Sinn eines normalen Parks ist, ist untersagt: Wege dürfen nicht verlassen werden, Ballspiele und Musik sind verboten, ebenso wie grillen, angeln und baden – abgesehen von der Badestelle. Niederlassen darf man sich nur auf ausgewiesenen Liegewiesen. So steht es in der Parkordnung. Denn der Neue Garten ist kein einfacher Park, sondern „ein Gesamtkunstwerk von Weltrang“. 

 „Manche reagieren aggressiv“

Doch teilweise bietet der Neue Garten derzeit einen etwas traurigen Anblick. Viele der Wiesen muten wie eine Steppenlandschaft an. Bäume werfen Rinde ab oder verlieren ganze Äste. Die Hitze der vergangenen Wochen hat dem Gartendenkmal zugesetzt. Doch auch seine Besucher sollen an den Schäden mitschuldig sein, meint die Schlösserstiftung. Stellenweise sei der der Uferstreifen bis zu zehn Meter in der Tiefe verloren gegangen und erhebliche Schäden an den Schilfgürteln entstanden. 3,5 Hektar Wiesenbiotope seien durch „Lagern, Trampelpfade und Feuerstellen von Grillgerätschaften“ zerstört.

Weiß und Groß sehen es als ihre Aufgabe an, das Welterbe zu schützen. Weiß sieht seit zwölf Jahren für den Ordnungsdienst der Schlösserstiftung in den Schlösserparks nach dem Rechten. Sie darf auch Personalien feststellen und Geldbußen aussprechen. Groß ist sogar schon 16 Jahre für den Wachdienst von Fredericus, einer Tochtergesellschaft der Schlösserstiftung, unterwegs. „Es gibt Regeln, wir sind ja auch in Preußen“, sagt Weiß. Gäbe es keine Kontrollen, würden die Parks noch mehr leiden, fürchten sie. Allerdings seien ihnen manchmal die Hände gebunden. Eine große Gruppe von einer Wiese zu verweisen, sei eben kaum machbar – gerade wenn bei den Parkbesuchern noch Alkohol im Spiel sei. „Manche reagieren aggressiv“, sagt Groß.

Innerhalb von zwei Stunden verwarnen Weiß und Groß gut 30 Parkbesucher; die meisten davon Radfahrer, einige Hundehalter wegen fehlender Leinen und einen Badegast. Ein Knöllchen bekommt nur eine Hundebesitzerin. Die Potsdamerin hatte ihren Pudel nicht an die Leine genommen – obwohl sie die Parkwächter sogar kommen gesehen hatte.

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