Der Initiativkreis Bürgerwind Schwielowsee will ein Windrad übernehmen.  Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Windenergie Ein Bürger-Windrad für Schwielowsee

Die Gemeinde Schwielowsee hat für die Errichtung von sieben Windrädern gestimmt. Eine Initiative will eines davon kaufen. Damit macht sie sich auch Feinde.

Ferch - Strom mit Hilfe von Bürgern erzeugen: Eine Initiative aus Schwielowsee will eines der geplanten Windräder in Ferch kaufen. Damit erhoffen sich die Mitglieder nicht nur, etwas zum Kampf gegen den Klimawandel beizutragen, sondern vor allem auch bei den Anwohnern Akzeptanz für die erneuerbaren Energien zu schaffen.

Die Idee für ihr Bügerwindrad hätten die Mitglieder des Initiativkreises Bürgerwind Schwielowsee nicht erst gehabt, als die aktuellen Diskussionen um die Anlagen in Ferch losgingen, die das Potsdamer Unternehmen Notus Energy errichten will, wie Thorsten Spehr vom Initiativkreis gegenüber den PNN erklärte. Der Vorschlag sei aus dem Energieforum Schwielowsee heraus entstanden, das Ende 2011 ins Leben gerufen wurde, um eine nachhaltige Klima- und Energiepolitik voran zu bringen und die Bürger über mögliche Alternativen aufzuklären, so Spehr. „Die Idee zum Bürgerwindrad entstand, da es ein ausgewiesenes Windeignungsgebiet in der Region gab und wir uns überlegt hatten, dort eine eigene Anlage zu ermöglichen.“

Rund 60 Gegner hatten demonstriert

Damals habe das Umweltenergieunternehmen Prokon um die Flächen verhandelt und wollte einen großen Windpark errichten. Doch die Verhandlungen scheiterten. Danach habe die Notus Energy Gespräche aufgenommen. Die Verhandlungen mit dem Potsdamer Unternehmen seien bereits sehr weit fortgeschritten, wie Martin von Simson vom Initiativkreis erklärte. So gebe es eine Absichtserklärung von Notus Energy, ein Windrad an die Bürgerinitiative verkaufen zu wollen.

Mit der Entscheidung der Gemeindevertreter für den städtebaulichen Vertrag am Mittwochabend ist eine wichtige Voraussetzung für die sieben Anlagen, geschaffen worden, die Notus Energy in Ferch errichten will. Rund 60 Gegner der Windräder hatten zuvor öffentlichkeitswirksam vor dem Rathaus demonstriert. „Für uns ist diese Entscheidung ein großer Erfolg“, sagte von Simson. Dass die Gemeindevertreter den Vertrag ohne Gegenstimmen beschlossen haben, sei ein wichtiges Signal für die Windkraft.

Sieben bis acht Millionen Euro Kosten

Viel Werbung habe die Bürgerinitiative bisher für ihr Vorhaben noch nicht machen wollen, da zunächst die ersten erforderlichen Bedingungen für die Windräder geschaffen werden mussten, so Spehr. „Und auch jetzt sind immer noch viele Genehmigungen notwendig, bis die Anlagen gebaut werden können.“ Der Initiativkreis plant, wenn es soweit ist, eine Firma zu gründen, wahrscheinlich eine GmbH & Co. KG, wie Spehr erläuterte. Die Gesellschaft werde dann nach Anlegern suchen, um genügend Eigenkapital für einen Kredit zur Verfügung zu haben. Spehr, der seit 35 Jahren in einem Ingenieurbüro in Berlin arbeitet, das Windkraftanlagen konzipiert, geht von Kosten in Höhe von voraussichtlich sieben bis acht Millionen für das Bürgerwindrad aus. Für den Kredit seien jedoch nur zehn Prozent, etwa 800.000 Euro, an Eigenkapital notwendig. Das Darlehen der Geldgeber würde mit 3,5 bis 4 Prozent verzinst werden. Die Anteile für die Bürger werden wahrscheinlich zwischen 500 bis 2000 Euro kosten, damit sich so viele wie möglich beteiligen können. „Die Einnahmen werden dann durch den Strom generiert“, sagt Spehr. Es gebe von den Elektrizitätsversorgern feste Einspeisungspreise für jede Kilowattstunde, die geliefert wird. Bis zu 10.000 Euro der Einnahmen sollen jährlich in Umweltschutzprojekte der Gemeinde fließen.

Schleswig-Holstein macht es vor

Der Kern des Initiativkreises bestehe aus zehn Schwielowseern, und rund 60 Mitstreitern vor allem aus der Gemeinde, sowie aus den Nachbarkommunen und aus Berlin, wie der 48-jährige von Simson sagte. „In Brandenburg gibt es aktuell etwa zwei, drei solcher Windanlagen. Da ist noch viel zu tun“, so Spehr. Anders sei es in anderen Bundesländern, besonders in Schleswig-Holstein. „Dort gibt es hunderte von Gesellschaften, die mit den Bürgern vor Ort die Windkraftanlagen betreiben.“ Im Bürgerwindrad sieht die Bürgerinitiative auch eine große Chance, mehr Zustimmung für die erneuerbaren Energien zu schaffen. „Das große Problem bei der Windkraft ist die Akzeptanz. Wenn man die Bürger mitnimmt und sie sehen, dass bei jeder Drehung ein Euro in ihre Taschen fließt, ist das etwas ganz anderes, als wenn fremde Investoren von außerhalb kommen und die Anlagen betreiben“, sagte Spehr.

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