Matthias Schuke (Mitte) mit seinen beiden Söhnen Michael (links) und Johannes, die den Orgelbau übernommen haben. Foto: Andreas Klaer
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Werder (Havel) Rekord-Auftrag für Orgelbauer Schuke

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Johannes und Michael Schuke haben Werders Orgelbauer übernommen. Sie sollen nun das Instrument der Brandenburger St. Katharinenkirche restaurieren und erweitern. Es ist das größte Orgelbauprojekt in Ostdeutschland.

Werder (Havel) - Es ist ein Großauftrag für Schuke Orgelbau in den Werderaner Havelauen: Die Firma wird die Orgel in der St. Katharinenkirche in Brandenburg/Havel restaurieren und erweitern. Etwa ein Jahr lang wird der Betrieb damit beschäftigt sein, wie Johannes Schuke den PNN am gestrigen Dienstag sagte. Er und sein Bruder Michael haben Anfang Oktober in bereits vierter Generation die Geschäftsführung des Familienbetriebes mit 17 Angestellten übernommen.

Laut dem Evangelischen Pressedienst (epd) hat der Auftrag einen Wert von 867 000 Euro. Gut 400 000 Euro davon kommen vom Brandenburger Kulturministerium, den entsprechenden Bescheid hat Ministerin Martina Münch (SPD) am gestrigen Dienstagabend übergeben. Der Rest stammt aus Spenden der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, von regionalen Unternehmen und Spendern sowie einem Eigenanteil der evangelischen Gemeinde. Laut epd handelt es sich um das größte Orgelbauprojekt in Ostdeutschland.

Die Arbeiter sollen die Orgel der St.Katharinenkirche in Brandenburg/Havel restaurieren. Foto: Ralf Hirschberger/dpa
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Die Arbeiter sollten aus der Region kommen

Die 1401 geweihte St. Katharinenkirche ist einer Pressemitteilung der Kirchengemeinde zufolge eine der größten und bedeutendsten gotischen Backsteinkirchen Norddeutschlands. Die Firma Schuke habe mit ihrem Konzept und der langjährigen Erfahrung den Auftrag für sich gewinnen können. „Wir freuen uns sehr, dass die Gemeinde Wert darauflegt, dass die Arbeiter hier aus der Region kommen“, so Johannes Schuke. Sein Vater Matthias freut sich, den Söhnen die Firma „mit einem solch herausragenden Orgelprojekt“ übergeben zu können.

Orgelpfeifen in der Werkstatt Schuke. Foto: Andreas Klaer
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Die Firma soll die 1726 errichtete und zuletzt 1936 ebenfalls von der Firma Schuke umgebaute Orgel, die ebenso wie die Kirche an sich unter Denkmalschutz steht, restaurieren und um ein zusätzliches Orgelwerk erweitern. Dadurch wird die Anzahl der Orgelpfeifen auf rund 7500 verdoppelt. Somit können laut Kirchengemeinde auch romantische sowie moderne angelsächsische und französische Musikstücke stilecht aufgeführt werden. Laut Kultusministerin Martina Münch wird durch den Umbau ein „einmaliges Klangerlebnis“ geschaffen. Johannes Schuke zufolge wird die Orgel von ihrem Spielumfang her einzigartig in Berlin und Brandenburg werden.

Im September 2019 soll die Orgel eingeweiht werden

Das zusätzliche Orgelwerk, das sogenannte Auxiliar, soll von unten nahezu unsichtbar auf der Empore unter dem barocken Orgelgehäuse untergebracht werden. Die Hauptorgel hat ein historisches Barockgehäuse. Sie gilt als eine der wenigen Orgeln des Landes, die zuletzt in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen umgebaut wurde und steht auch deshalb unter Denkmalschutz. Eingebunden werden soll in die Sanierung auch die 2005 in einem Chor der Kirche eingebaute kleinere Orgel, die derzeit gemeinsam mit dem Hauptinstrument noch kein harmonisches Klangbild ergebe.

Die restaurierte Orgel soll am 20. September 2019 eingeweiht werden. Organisten sollen das Instrument von mehreren Spieltischen aus bedienen können. So kann auch von der Sängerempore aus ein Chor oder ein kleines Orchester begleitet werden. Als Besonderheit soll es auch einen fahrbaren Spieltisch geben. Dadurch können auch große Sinfonieorchester die Orgel nutzen. Zudem sieht das Publikum bei Konzerten auch den Organisten.

Am Dienstag wurde der Vertrag unterschrieben

Der Vertrag zwischen Schuke und der evangelischen Gemeinde wurde am Dienstag unterschrieben. Laut Johannes Schuke sollen nun die Vorplanungen für alle Arbeiten beginnen. Ab Januar starte dann die Fertigung der Orgelteile in der Werkstatt, ab dem Frühjahr soll dann der Einbau folgen und im Sommer abgeschlossen werden. Danach müsse das Instrument noch aufwändig intoniert werden, weshalb die Mitarbeiter insgesamt ein Jahr lang durch das Projekt gebunden seien.

Das Traditionsunternehmen, das 1820 in Potsdam gegründet wurde und 2004 in die Werderaner Havelauen gezogen ist, hat wie berichtet turbulente Jahre hinter sich. 2014 musste Schuke Insolvenz anmelden, da aufgrund der Krim-Krise eine für die Ukraine fertiggestellte Orgel zunächst nicht ausgeliefert werden konnte. 2015 konnte sie dann doch noch aufgebaut werden, weitere Aufträge folgten. Vor gut einem Jahr wurde das Insolvenzverfahren offiziell beendet.

Auch Azubis arbeiten mit an dem Rekord-Projekt

Unter den 17 Mitarbeitern befinden sich seit dem Herbst auch wieder zwei Auszubildende, nachdem zuvor keine Azubis mehr eingestellt wurden. Johannes Schuke zufolge sind die ersten Monate mit den Auszubildenden jedoch gut verlaufen, sowohl die Jugendlichen, als auch die Firma seien „frohen Mutes“. Vor der Insolvenz waren allerdings 22 Mitarbeiter beim Orgelbauer beschäftigt.

Schuke hatte in diesem Frühjahr bereits die Orgel im Werderaner Ortsteil Plötzin restauriert, die Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut wurde und somit etwa 100 Jahre älter ist als die meisten Kircheninstrumente der Region. Auch um interkulturellen Austausch ist das Unternehmen wie berichtet bemüht: So waren im Sommer knapp 40 Mitglieder eines chinesischen Chores in Werder, um herauszufinden, wie gut das Instrument zur traditionellen chinesischen Musik passt.

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