Manuela Saß (CDU), Bürgermeisterin von Werder (Havel). Foto: promo
© promo

Wahl in Werder (Havel) Ein Quartett fordert Manuela Saß (CDU) heraus

Am Sonntag wird gewählt: Fünf Kandidierende wollen Werder (Havel) voranbringen. Wer sie sind und was sie vorhaben.

Werder (Havel) - Am 12. Juni bestimmen die Werderaner ihre Bürgermeisterin – oder ihren Bürgermeister. Drei Frauen und zwei Männer treten an. 

Wir haben sie gefragt, warum sie das Amt wollen und welche Vorhaben sie für die Stadt haben. Ein PNN-Überblick mit den wichtigen Fragen und Antworten vor der Wahl.

Warum wollen Sie Bürgermeister:in werden beziehungsweise bleiben? Was qualifiziert Sie?

Manuela Saß (CDU, aktuelle Bürgermeisterin): Bei der Bürgermeisterwahl 2014 hat mir eine große Mehrheit der Werderaner im ersten Wahlgang das Vertrauen geschenkt. Die Stadt hat sich in den Jahren meiner ersten Amtszeit hervorragend entwickelt. Neue Kitas, Schulgebäude, Wohnungen, Sportanlagen, Feuerwachen, Spielplätze und Radwege sind entstanden. Die Havel-Therme ist fertig und ein Riesenerfolg. Diese erfolgreiche Arbeit möchte ich für unsere Stadt, für alle Werderanerinnen und Werderaner fortführen.

Timo Ritter (Linke): Ich möchte Werder sozialer gestalten und ein generationsübergreifendes Leben für die Menschen in der Stadt und ihren Ortsteilen sicherstellen. In meiner dienstlichen Verwendung als Polizist habe ich bereits das gesamte soziale Spannungsfeld erleben dürfen, sei es als Vermittler, Tröster oder gar Durchsetzer gesetzlicher Forderungen. Alles setzt jedoch eines voraus – zuhören, entscheiden und handeln können – das sind meine Stärken.

Timo Ritter kandidiert für die Linken. Foto: promo Vergrößern
Timo Ritter kandidiert für die Linken. © promo

Marlon Deter (AfD): Meine Familie ist bereits in vierter Generation in Werder ansässig und ich habe mit meinen 49 Jahren die Entwicklung meiner Heimatstadt hautnah miterlebt. Ich bin seit 2019 Abgeordneter der Stadt Werder und im Kreistag. Im Gegensatz zu meinen Mitbewerbern bin ich kein Staatsbediensteter, sondern arbeite seit 1994 in verantwortungsvollen Positionen als Bankkaufmann in der Finanzwirtschaft. Durch meine 20-jährige SPD-Mitgliedschaft verfüge ich über ein politisches Spektrum.

Marlon Deter tritt für die AfD an. Foto: promo Vergrößern
Marlon Deter tritt für die AfD an. © promo

Anika Lorentz (parteiunabhängig): Ich lebe seit meiner Kindheit gerne in Werder. Es ist in den letzten 30 Jahren um das Doppelte gewachsen. Doch ein langes Jahrzehnt beschäftigte sich die Stadtverwaltung mit dem Bau der Therme, die wunderschön, aber mit 50 Millionen Euro zu teuer wurde. Bildung, Verkehrsplanung, sozialer Wohnungsbau, Baumblüte – zu viel blieb liegen. Deswegen habe ich zuerst als Stadtverordnete kandidiert. Weil ich will, dass Werder auflebt, bewerbe ich mich nun als Bürgermeisterin.

Anika Lorentz. Foto: promo Vergrößern
Anika Lorentz. ©  promo

Anja Spiegel (SPD): Werder ist seit Jugendtagen mein Zuhause, ein wundervoller Ort zum Leben und Arbeiten. Und ich glaube, unser Werder kann mehr. Ich habe neue Ideen für Werder und will sie auch verwirklichen. Dafür bringe ich meine langjährige Führungs- und Verwaltungserfahrung, viel Fachkompetenz in Sachen Finanzen, Wirtschaft und Soziales und politische Erfahrungen mit. Vor allem aber: Ein großes Herz für Werder, eine gehörige Portion Mut und ebenso viel Respekt vor den Aufgaben!

Anja Spiegel (SPD). Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Anja Spiegel (SPD). © Ottmar Winter

Was sind für Sie die drei wichtigsten Themen für Werder?

Manuela Saß (CDU): Wohnen: Unsere Haus- und Grundstücksgesellschaft Werder (HGW) baut weitere günstige Wohnungen, demnächst 70 am Finkenberg. Wir unterstützen auch Investoren, die dabei mitmachen. In den Ortsteilen sollen neue Eigenheime möglich bleiben. Wirtschaft: Werder muss ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleiben! Für ein neues Gewerbegebiet wurden Grundstücke angekauft. Bildung: Es wird bereits die 17. Kita gebaut. Zwei Schulerweiterungen stehen an und wir unterstützen den Bau des Hoffbauer-Campus.

Timo Ritter (Linke): Im Zuge der Stadterweiterung benötigt Werder dringend ein Verkehrskonzept – weniger, dafür sicherer. Ebenso wichtig ist mir eine abwechslungsreiche und familienfreundliche Gestaltung der Innenstadt und der Ortsteile mit wesentlich mehr Grün (Schaffung einer Baumsatzung). Zudem sehe ich die schnelle Verbindung zwischen Kernstadt und Ortsteilen als eine der wichtigsten Aufgaben an, beispielsweise durch ein geschlossenes Radwegenetz in und um Werder.

Marlon Deter (AfD): Zukünftige Stadtentwicklung im Einklang der natürlichen und finanziellen Ressourcen mit den Vorstellungen der Ortsteile. Für mich senkt massiver Wohnungsbau nicht die Mieten, sondern führt zu einer Wachstumsfalle mit weiter negativen Auswirkungen für Verkehr, Infrastruktur und natürliche Ressourcen. Kümmern wir uns darum, was wir haben und hatten wie das Baumblütenfest. Die Jugend ist die Zukunft unserer Stadt. Ich möchte wissen, wie sie sich ihre Heimat vorstellt.

Das Baumblütenfest soll 2023 wieder stadtweit gefeiert werden.  Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Das Baumblütenfest soll 2023 wieder stadtweit gefeiert werden.  © Sebastian Gabsch

Anika Lorentz (parteiunabhängig): Die Verkehrsplanung behandelt künftig Interessen von Fußgängern, Radlern und Autofahrern gleichwertig. Ich stehe für einen Stopp der Mietpreise bei der stadteigenen HGW, Vorrang für sozialen Wohnungsbau und eine Stadtentwicklung, die Wachstum und Tradition verbindet. Und ich werde mehr und klüger in Kitas, Schulen, Erzieher:innen, in Sozialarbeiter:innen und Jugendclubs investieren.

In Werder müssen zusätzliche Kitaplätze geschaffen werden. Foto: dpa Vergrößern
In Werder müssen zusätzliche Kitaplätze geschaffen werden. © dpa

Anja Spiegel (SPD): Erstens fehlt es an Kita-, Hort- und Grundschulplätzen. Davon brauchen wir nicht nur mehr, sondern sie sollen auch freundliche, moderne Lernorte sein. Zweitens klagen die Werderaner zurecht über utopische Mieten und fehlende Mietwohnungen. Wir brauchen dringend mehr bezahlbaren Wohnraum. Drittens muss Werder mit seiner einzigartigen Natur, die Grundlage für Landwirtschaft und Tourismus aber auch Erholung ist, einen Beitrag in Sachen Klima- und Umweltschutz leisten.

Was würden Sie als erstes machen, sollten Sie gewählt werden?

Manuela Saß (CDU): Zunächst werde ich mich bei den Wählerinnen und Wählern sowie bei meinen Unterstützern bedanken. Den kommunalpolitischen Kräften werde ich anbieten, nach dem Wahlkampf konstruktiv, sachlich und ehrlich miteinander für eine gute Zukunft unserer wunderschönen Stadt Werder (Havel) zusammenzuarbeiten. Wir sollten den Bürgern da ein Vorbild sein. Und dann werde ich mit den Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung die erfolgreiche Arbeit fortsetzen.

Auch um den Ausbau der erneuerbaren Energien muss sich gekümmert werden. Foto: dpa Vergrößern
Auch um den Ausbau der erneuerbaren Energien muss sich gekümmert werden. © dpa

Timo Ritter (Linke): Ich würde mich bei meiner Familie, allen Wähler:innen und Unterstützer:innen bedanken. Danach würde ich mich gerne bei allen Mitarbeitern der Stadtverwaltung vorstellen wollen und sie kennenlernen, mir einen Überblick über bestehende Projekte verschaffen und gemeinsam mit ihnen zukünftige Ziele für die Stadt entwickeln.

Marlon Deter (AfD): Als erstes werde ich natürlich Gespräche mit den Mitarbeitern der Verwaltung, mit den Ortsvorstehern und den Fraktionen führen. Als Bürgermeister bin ich Chef der Verwaltung und habe jedoch die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung (SVV) umzusetzen. Somit ist für alle Vorhaben und Entscheidungen auch die Zustimmung der SVV entscheidend. Ich hoffe, wir kommen schnell wieder in der Realität an, denn die vielen Wahlversprechen meiner Mitbewerber sind nicht finanzierbar.

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.

Anika Lorentz (parteiunabhängig): Mit drei Projekten starte ich: Dem Bau von Solaranlagen auf allen öffentlichen Gebäuden, dem Ausbau von Kitas und Schulen und der Beseitigung von Gefahren für Radler und Fußgänger. Das kann sofort losgehen. Zudem wirken der Bau von Sozialwohnungen und ein Mietpreisstopp für die stadteigenen Wohnungen gegen die Mietenexplosion. Und wir starten mit der Arbeit an einer Stadt-App, mit der alle Bürgerinnen und Bürger sehen können, wie ihr Werder vorankommt.

Anja Spiegel (SPD): Mich bei allen bedanken, die mich unterstützt haben! So ein Wahlkampf ist ja keine Ein-Frau-Show. Und dann werde ich mich akribisch auf die Amtsübernahme vorbereiten. Das heißt, eine ordentliche Übergabe mit der bisherigen Bürgermeisterin organisieren und mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung über die anstehenden Aufgaben, ihre Sorgen und Nöte und ihre Hoffnungen und Wünsche sprechen. Ohne sie geht es nämlich nicht, sie sind mein wichtigstes Kapital.

Was würden Sie anders machen als die bisherige Amtsinhaberin?

Manuela Saß (CDU): In den vergangenen acht Jahren gab es eine ganze Reihe von Herausforderungen, die wir hervorragend gemeistert haben. Gerade in der Corona-Zeit hat sich gezeigt: Wir leben in einer Stadt, die zusammenhält. Das ist leider kein Selbstläufer mehr. Auch wenn wir in der Kommunikation viel erreicht haben, müssen wir offenbar noch deutlicher machen, was kommunale Selbstverwaltung eigentlich bedeutet und wie wertvoll unser funktionierendes Gemeinwesen ist.

Timo Ritter (Linke): Bei größeren Projekten die Werderaner Bürger:innen von Anfang an mit einbeziehen und somit Transparenz und Akzeptanz schaffen. Zudem würde ich mich mehr für hilfsbedürftige und benachteiligte Menschen sowie Kinder und Jugendliche engagieren.

Die Tunnelunterführung am Bahnhof wird die Gewinnerin oder den Gewinner der Wahl beschäftigen. Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Die Tunnelunterführung am Bahnhof wird die Gewinnerin oder den Gewinner der Wahl beschäftigen. © Sebastian Gabsch

Marlon Deter (AfD): Jeder Kandidat bringt seine eigene Persönlichkeit und seinen Charakter mit. Ich arbeite seit vielen Jahren mit verschiedenen Menschen zusammen. Mir ist immer ein offener und respektvoller Umgang wichtig. Ich stehe für Bürgernähe in beide Richtungen. Die Bürger sollen mich verstehen und ich möchte die Bürger verstehen. Demokratie braucht Kommunikation. Bei Entscheidungen stehen die Stadt und ihre Menschen im Vordergrund, nicht Ideologie.

Anika Lorentz (parteiunabhängig): Werder kann sich nur mit den Bürgerinnen und Bürgern gut entwickeln. Jede Woche wird es in meinem Kalender Zeit für Gespräche mit jeder und jedem geben, die oder der ein Anliegen hat. Weitreichende Vorhaben werden künftig in Bürgerräten und anderen geeigneten Formaten beraten. Beschlüsse setze ich zügig um. Als Bürgermeisterin werde ich dafür sorgen, dass alle Entscheidungen transparent sind. Auch dazu dient die Stadt-App.

Anja Spiegel (SPD): Ich will nicht über die Arbeit der bisherigen Bürgermeisterin urteilen. Ich selbst lege immer viel Wert darauf, denjenigen zuzuhören, die von einer Sache betroffen sind und mit ihnen gemeinsam eine Lösung zu finden. Derzeit gibt es in der Stadtverordnetenversammlung keine echte Mehrheit. Da kommt es auf die Fähigkeit an, frühzeitig mit allen Fraktionen zu reden und Kompromisse zu finden. Nur so werden wir in Werder weiterkommen. Lagerdenken bringt uns nicht weiter.

Zur Startseite