War das Baumblütenfest in diesem Jahr das letzte mit großer Festmeile vor der Insel? Foto: Sebastian Gabsch
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Volksfest in Werder (Havel) Gibt es kein Baumblütenfest mehr auf der Insel?

Werders Baumblütenfest soll wieder eine gemütliche Feier für die Werderaner werden. Das fordert die CDU und schließt auch ein Ende der Festmeile rund um die Insel schon 2020 nicht aus.

Werder (Havel) - War das 140. Baumblütenfest in diesem Frühjahr das letzte, bei dem sich Besuchermassen über Werders Insel ergossen und Fahrgeschäfte auf dem Hartplatz vor der Brücke für Adrenalinräusche gesorgt haben? 
Werders CDU-Fraktion stellt nun überraschend die Festmeile auf der Insel und den umliegenden Straßen zur Disposition. In einem Antrag für die nächste Stadtverordnetenversammlung fordert die Fraktion von der Stadt, sie solle in den laufenden Verhandlungen mit künftigen Betreibern eine Neuausrichtung vorbereiten. Drogenmissbrauch sei „mit Priorität einzudämmen“, die Belastungen für die Anwohner seien deutlich zu verringern. „Dabei gelten keine Denkverbote“, heißt es in dem Antrag. „Es kann zum Beispiel ausdrücklich auch Ergebnis sein, dass die Baumblüte sich auf den Festumzug und das Geschehen in Gärten und Obstplantagen beschränkt und es keinen zentralen Festbereich auf der Insel und dem Inselvorfeld mehr gibt.“ Über Antrag der CDU, die mit zwölf Stadtverordneten gut ein Drittel der Werderaner Mandatsträger stellt, wird am 20. August zum ersten Mal im Kulturausschuss beraten.

Knapp 300 Straftaten hat die Polizei registriert

Das neuntägige Baumblütenfest gilt als größtes Volksfest der Region, Sicherheitskreise gehen von etwa 200.000 Besuchern jährlich aus. Wie berichtet gab es in der Vergangenheit aber immer wieder Beschwerden von Werderanern über Besucher, die durch Gartenzäune hinweg urinieren, teilweise wurde den PNN auch von Sexszenen vor Hauseingängen in den Gassen der Insel berichtet. Die Polizei hat in diesem Jahr fast 300 Straftaten im Zusammenhang mit dem Volksfest registriert. „Das Fest hat sich in der allgemeinen Ausrichtung so geändert, dass es zu weit von den Anfängen entfernt ist und zu viele externe Drogenprobleme nach Werder holt“, sagt der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Kreilinger am Freitag den PNN. Deshalb brauche es eine Neuausrichtung, bei der auch die Werderaner mitreden sollen. Laut CDU-Antrag sollen die Bürger bei der Ideenfindung für das Fest beteiligt werden, abschließend sollen ihnen mehrere Varianten zur Abstimmung vorgeschlagen werden. Auch die Interessen von Tourismus, Obstbauern und Vereinen sollen in die Ideenfindung eingehen. 

Auf den Plantagen wie hier beim Verein Zuckerbaum und auf den Obsthöfen soll das Fest auf jeden Fall weiterhin gefeiert werden. Foto: Enrico Bellin Vergrößern
Auf den Plantagen wie hier beim Verein Zuckerbaum und auf den Obsthöfen soll das Fest auf jeden Fall weiterhin gefeiert werden. © Enrico Bellin


Zum aktuellen Vergabeverfahren hielt sich die Stadt auf Nachfrage noch bedeckt, weil die Verhandlungen mit den potenziellen Betreibern noch laufen. „Auch für uns gibt es in diesem Verfahren aber keine Denkverbote“, sagt der 1. Beigeordnete Christian Große (CDU) den PNN. Sobald der Verfahrensstand es zulässt, wolle man auch die Öffentlichkeit informieren und eine entsprechende Bürgerbeteiligung umsetzen. In etwa acht Wochen solle das der Fall sein. „Es braucht die Akzeptanz des Festes in der Einwohnerschaft, das ist unser Leitfaden für die aktuellen Verhandlungen“, so Große.
Diese dürften nicht einfach werden: So sind die Sicherheitsvorkehrungen nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz deutlich erhöht worden, an den Hauptfesttagen wird das Gelände etwa durch mobile Sperren, die auch Lastwagen abhalten sollen, begrenzt. Wer diese Kosten trägt und wer Haftungen für mögliche Vorfälle auf dem Festgelände übernimmt, dürfte der größte Knackpunkt in den Verhandlungen zwischen Stadt und Betreiber sein. Nach PNN-Informationen haben sich ohnehin nur wenige Bieter an der Ausschreibung beteiligt.

Obstbauern sollen weiterhin Wein verkaufen

Das Baumblütenfest war vor 140 Jahren auf Initiative der Obstbauern entstanden, die durch den Verkauf von im Vorjahr hergestellten Wein an Gäste aus Berlin ihr erstes Geld im Jahr verdienten. Noch heute bringt das Fest den Obstbauern der Region die ersten Einnahmen. Dies soll auch so bleiben. Die Frage ist Peter Kreilinger zufolge nur, wie die Gestaltung künftig am besten funktioniere. Detaillierte Pläne hat die CDU noch nicht, sie sollen mit allen Beteiligten erarbeitet werden. „Eine mögliche Variante wäre aber sicher, einen städtisch subventionierten Busverkehr zu den Obstplantagen zu organisieren“, so Kreilinger. Bisher gibt es einen solchen Service stündlich, das Ticket kostet fünf Euro. Die Busse fahren aber nur bis etwa 18 Uhr. Das Angebot könnte künftig deutlich ausgeweitet werden. „Der gesamtgesellschaftliche Trend geht ja derzeit in Richtung Nachhaltigkeit. Ein geruhsames Fest auf den Plantagen ist dem bisherigen da sicher vorzuziehen“, so Kreilinger. Als Beispiel für eine solche Feier nannte er das Caputher Fährfest, das am heutigen Samstag gefeiert wird. Dort gibt es an einem Abend auf mehreren Bühnen Musik.

Eine Mehrheit für den Antrag gilt als sicher

Die CDU kann für ihren Antrag mit einer Mehrheit unter den Stadtverordneten rechnen. Wie eine PNN-Umfrage ergab, sind auch SPD und Grüne für den Vorschlag. Beide stellen mit je vier Abgeordneten die stärksten Fraktionen nach der CDU. Die Belastungen für die Bürger seien derzeit untragbar, der Antrag nur folgerichtig, sagt SPD-Vizefraktionschef Joachim Lindicke. Auch Grünen-Fraktionschef Markus Altmann betonte, dass es sich beim Baumblütenfest künftig wieder um ein Fest für Werderaner und einige friedlich feiernde Gäste der Umgebung handeln müsse. Das Angebot eines künftigen Festbetreibers sollte man nur annehmen, wenn es sich darauf ausrichtet. „Wenn es dann ein oder zwei Jahre keine Festmeile gibt, ist das eine gute Zäsur für eine inhaltliche Neuausrichtung.“ Eventuell merke man dann, dass das Fest auch ohne Meile gut funktioniere. Zudem bedeute ein Verzicht auf die Festmeile nicht, dass es gar keine Fahrgeschäfte für Kinder und Jugendliche geben müsse. Da seien Zwischenlösungen möglich.

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