Im Teltower Hafen wäre noch Platz für einige Boote. Foto: Manfred Thomas Foto: Manfred Thomas Tsp
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Teltow Betrieb im Teltower Hafen läuft schleppend an

Über Jahre wurden gestritten, der Bau verzögerte sich. Vor drei Monaten eröffnete der neue Teltower Hafen dann schließlich. Statt betriebsam geht es dort heute gemütlich zu. 

Teltow - Was für ein entspannter Vormittag an der Marina Teltow: Hafenmeister Bernhard Klockow liest vor seinem Containerhäuschen in einem Buch, sein Kollege Kristian Nowak mäht ein Stück weiter das Gras. Der große Autoparkplatz steht komplett leer und die elf Boote, die an diesem Freitagvormittag in dem kleinen Hafen liegen, brauchen gerade keine Aufmerksamkeit. Normalerweise sind alle 19 Dauerliegeplätze besetzt, doch manch einer nutzt offenbar das schöne Wetter und ist auf den Gewässern in der Umgebung unterwegs.

Vor der Eröffnung des Hafens im Mai sei der Andrang dagegen groß gewesen, sagt Hafenmeister Klockow: „Wir hatten mehr als 150 Bewerbungen auf die Dauerliegeplätze, viele stehen noch auf Wartelisten.“ Ansonsten aber herrscht am Teltower Hafen drei Monate nach seiner Eröffnung noch nicht allzu viel Betrieb. Die Atmosphäre sei bisher am ehesten mit den Worten „gemütlich und familiär“ zu beschreiben, sagt Hafenmeister Klockow, der täglich von 9 bis 18 Uhr im Dienst ist.

Von den insgesamt 39 Liegeplätzen im Hafen sind 20 Gastliegeplätze für kurzzeitige Aufenthalte bestimmt. Bisher sei es noch nicht vorgekommen, dass alle gleichzeitig belegt gewesen seien, sagt der Hafenmeister. Im Containerhäuschen, vor dem er sitzt, können Bootsbesitzer die Toiletten nutzen, duschen und Wäsche waschen. Er kenne jeden der Daueranleger und auch viele Gastanleger persönlich, sagt Klockow. Man trinke zwischendurch zusammen Kaffee und manchmal am Abend ein Bier. Am Wochenende sei etwas mehr los, es kämen Autofahrer mit dem eigenen Kajak auf dem Dach, den Klockow und seine beiden Kollegen dann über die Slipanlage ins Wasser lassen – kostenfrei. Hin und wieder seien auch Neugierige da, die sich den Hafen einfach mal ansehen wollten, nachdem er nun endlich fertig sei. Im nächsten Jahr werde aber eine niederländische Chartergesellschaft dazukommen, die allein zehn Boote mitbringe. „Dann wird der Platz hier knapper und wir müssen genau Buch führen, wer wann wo stehen kann“, so Klockow.

Teltow profitiert von gesperrtem Wasserweg

Laut Hafenbetreiber Thomas Klemm seien im Juni etwa 60 Gastanleger gezählt worden, im Juli seien es bereits rund 90 Boote gewesen. Manche der Hobbyschiffer blieben nur für eine Mittagspause, andere übernachteten und führen erst am nächsten oder übernächsten Tag weiter. Viele Wasserurlauber kämen diesen Sommer über den Teltowkanal, weil aufgrund von Schleusenbauarbeiten der Wasserweg von Berlin und Brandenburg zur Müritz versperrt sei. Außerdem spreche es sich herum, dass es in Teltow einen neuen Hafen gibt, so Klemm. Und das nicht nur als Ausflugsort für Bootsbesitzer: „Am Wochenende machen viele Menschen, die in der Region leben, auch Fahrradtouren zum Hafen, kommen zum Angeln oder um den Hund spazieren zu führen.“

Zur Eröffnung des Teltower Stadthafens am Teltowkanal war einiges los. Foto: Manfred Thomas Foto: Manfred Thomas Tsp Vergrößern
Zur Eröffnung des Teltower Stadthafens am Teltowkanal war einiges los. Foto: Manfred Thomas © Manfred Thomas Tsp

Die Aufenthaltsqualität des Hafens ist derzeit allerdings noch äußerst gering. Außer mit den Hafenmeistern lässt sich bisher noch nicht mal ein Kaffee am Hafen trinken. Per Ausschreibung hatte die Stadt Teltow nach einem Investoren für ein Hafengebäude mit Gastronomie gesucht. Laut Stadtsprecher Jürgen Stich habe es zwar Interessenten gegeben, allerdings keinen, der alle Vorgaben der Ausschreibung erfüllen konnte oder wollte. Nachdem die Ausschreibung gescheitert sei, darf die Stadt nun per sogenannter „freier Vergabe“ nach einem Investor suchen. Dafür sollen ab dem 20. August Gespräche mit Interessenten geführt werden, die entweder ihrerseits auf die Stadt zugegangen sind oder von der Stadt eingeladen wurden.

Der Dialog soll dazu dienen, sich in strittigen Punkten anzunähern. „Nach den Gesprächen werden wir uns für einen Kandidaten entscheiden“, so Stadtsprecher Stich. Spätestens bis Ende des Jahres werde definitiv feststehen, wer das Hafengebäude errichtet. Der Investor könne umgehend anfangen zu bauen, denn das Baurecht für die Fläche östlich des Hafens direkt am Kanal bestehe bereits. Die Debatte darüber, ob die Stadt am Ende selbst einspringen müsse, sollte sich kein Investor finden, hält Stich für verfrüht: „Das wäre die allerletzte Möglichkeit, aber ich sehe derzeit absolut keinen Grund, warum es dazu kommen sollte.“

Ab September will Hafenbetreiber Thomas Klemm auf der Fläche westlich der Marina ein Winterlager für Boote errichten. Außerdem sollen ein Bootsbauer, ein Bootshändler für Segel und Motorboote und Werkstätten in den Hallen Platz finden, die ab Herbst gebaut werden. Gemeinsam mit der Stadt plant der Betreiber darüber hinaus den Bau eines Travellifts, mit dem Boote mit einem Gewicht von bis zu 45 Tonnen ins Wasser gehoben werden können. Ein Areal für Familien, wahrscheinlich ein Spielplatz, sowie ein Biergarten sind außerdem geplant. Bis Ende 2023 soll das gesamte Hafen-Areal fertig bebaut sein, hatte Klemm bereits im Mai auf PNN-Anfrage gesagt.

Die Marina Teltow hat am 12. Mai nach mehr als fünf Jahren Bauzeit und einigen Pannen endlich eröffnet. Die Baukosten waren von ursprünglich geplanten 5,5 Millionen auf 15 Millionen Euro gestiegen, zudem hatte es Probleme mit Altlasten, Bauverzögerungen und der Geheimhaltung eines Gutachtens zu den Ursachen der gestiegenen Kosten gegeben. Und auch jetzt nicht alle Baustellen beim Projekt Hafen beseitigt.

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