Bald in neuem Besitz? Für das „Shi Shan“ wird ein Investor gesucht. Foto: S. Schuster
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"Shi Shan“ in Teltow Restaurant der Superlative insolvent

Neuer Investor für Brandenburgs größtes China-Restaurant „Shi Shan“ in Teltow gesucht. Die Geschäfte laufen trotzdem weiter.

Teltow - Vom „Shi Shan“ in der Potsdamer Straße in Teltow sprach man gern in Superlativen. Jetzt ist der Betreiber des nach eigenen Angaben „größten und innovativsten China-Restaurants“ des Landes, in dem über viele Jahre „königlich gespeist“, getanzt und gefeiert werden konnte, insolvent. Die Geschäfte laufen trotzdem weiter.

„Das Amtsgericht Potsdam hat am 1. August das vorläufige Insolvenzverfahren über die Doppelte Neun GmbH angeordnet“, bestätigt der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Thomas Krafft von der Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm den PNN. Warum das seit 2007 tätige Unternehmen in finanzielle Schieflage geraten war, wollte er mit Verweis auf das nicht-öffentliche Verfahren nicht sagen. Auch über mögliche Verbindlichkeiten äußerte sich der Insolvenzverwalter nicht. Derweil wird im Restaurant, in dem zurzeit 15 Mitarbeiter beschäftigt sind, Schadensbegrenzung betrieben. Die Tische in dem über 2200 Quadratmeter großen Flachbau, der sich hinter einem Parkplatz zwischen Neiße- und Warthestraße im Gewerbegebiet Techno Terrain erstreckt, sind noch immer gedeckt. Fein gespülte Gläser, sorgfältig gefaltete Servietten und blaue Speisekarten schmücken dunkle holzgetäfelte Tische, an denen akkurat gestellt beige-farbene und braune Lederstühle stehen. Auf das Ambiente wird in dem mehr als 800 Plätze umfassenden Gourmet-Tempel weiter Wert gelegt. Trotz der Insolvenz dürfen in dem asiatischen Lokal weiter Gäste bewirtet werden. Mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters werde das Restaurant weiterbetrieben, erklärte Krafft. Ziel sei es, einen Investor für das über die Stadtgrenzen Teltows hinaus bekannte Lokal zu finden.

Vor neun Jahren war die Doppelte Neun GmbH gegründet worden und hatte vor vier Jahren in dem Flachbau, in dem zuvor ein Reichelt-Supermarkt untergebracht war, das Restaurant eröffnet. Bis zur Wende gehörte der Bau zum ehemaligen Elektronischen Bauelemente-Betrieb „Carl von Ossietzky“ und diente als Betriebskantine. 1998 war das Haus laut der Geschäftsführerin des Gewerbeparks, Petra Schulze, gemeinsam mit der danebenstehenden Platte an der Ecke zur Neißestraße an die DREAG Objekte Hamburg 44.GmbH&Co.KG verkauft worden.

Fast mehr noch als durch die kulinarischen Köstlichkeiten hatte sich das in dem ehemaligen Supermarkt eröffnete Erlebnis-Restaurant mit spektakulären Veranstaltungen einen Namen gemacht. Partys, Modenschauen und Konzerte gehörten zum festen Repertoire, bereits kurz nach der Eröffnung sorgten die aus der RTL-Tanzshow „Let’s dance“ bekannten Tänzer Melissa Ortiz-Gomez und Christian Polanc mit ihrer lateinamerikanischen Tanzshow für Schlagzeilen und ein volles Haus.

Im gleichen Jahr wurde das „Shi Shan“ Premiumsponsor des regionalen Sportvereins RSV. Gegen einen nicht näher benannten Geldbetrag habe der Verein im Vertragsjahr 2012/13 für das Restaurant geworben und dem Unternehmen die Möglichkeit geboten, sich bei Heimspielen der Basketballer in der Halle mit einem Stand zu präsentieren, sagte RSV-Präsident Michael Grunwaldt den PNN. Davon machte „Shi Shan“ einige Male Gebrauch, an einer weiteren Zusammenarbeit hätte das Unternehmen danach aber kein Interesse gehabt, erklärte er. Die Sponsoringvereinbarung lief aus. Seitdem habe es keine vertragliche Bindung mehr gegeben, auch finanzielle Verpflichtungen aus der Zeit bestünden nicht. Grunwaldt beschrieb die bisherige Zusammenarbeit mit dem Unternehmen als „sehr gut“ und zeigte sich überrascht. Darüber hinausgehende Verbindungen, etwa zur Stadt Teltow, bestanden offenbar nicht. Veranstaltungen der Stadt seien durch das „Shi Shan“ nicht „becatert“ worden, sagte Verwaltungsmitarbeiterin Stefanie Icks.

Wann der Betreiber des „Shi Shan“ zu straucheln begann, ist bislang nicht bekannt. Die Geschäftsführung wollte sich nicht zum Insolvenzverfahren äußern. Den letzten Facebook-Eintrag gab es vor gut einem Jahr: „Die beste Möglichkeit, seine Träume zu verwirklichen, ist aufzuwachen“, heißt es da.

 

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