Der Amazon-Standort in Werder ist gut gesichert. Der Internetriese hat am Standort 130 Mitarbeiter, dazu kommen etwa 280 Fahrer von Fremdfirmen. Foto: Andreas Klaer
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Update Polizeieinsatz im Magna-Park Razzia am Amazon-Verteilzentrum in Werder (Havel)

Im Werderaner Magna-Park, in dem unter anderem ein Amazon-Verteilzentrum steht, hat es am Dienstag eine Razzia von Zoll und Polizei gegeben. 100 Beamte waren vor Ort.

Werder (Havel) - Bei Zollkontrollen am neuen Amazon-Logistikzentrum im Werderaner Magna-Park an der Autobahnauffahrt Groß Kreutz wurden am Dienstag mehrere Verstöße von Paketfahrern gegen Arbeitsgesetze festgestellt sowie Missbrauch von Arbeitslosengeld und fehlende Meldungen zur Sozialversicherung. Das teilten Zoll und Polizei am Dienstagnachmittag in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Auslöser der knapp vierstündigen Kontrolle waren chaotische Verkehrsverhältnisse, die Zeugen vermehrt auf dem Gelände gemeldet hätten und die zu Rückstaus bis auf die Bundesstraße 1 geführt hätten, wie eine Polizeisprecherin den PNN bestätigt.

Es gab elf Verstöße und neun Verdachtsfälle

Im Herbst hatte Amazon das Verteilzentrum in Modulbauweise eröffnet. In zwei Hallen werden Pakete sortiert, daneben stehen Container für die Mitarbeiter. Amazon hat vor Ort etwa 130 Angestellte, dazu kommen nach PNN-Informationen etwa 280 Mitarbeiter von Fremdfirmen, die für Amazon ausliefern. Der Zoll, der mit 60 Mitarbeitern vor Ort war, hat 110 Mitarbeiter von acht Firmen der Paketbranche kontrolliert. Es wurde ein Strafverfahren wegen illegaler Beschäftigung eingeleitet, wie ein Sprecher des Hauptzollamtes Potsdam den PNN bestätigte. „Dabei handelte es sich um einen Marokkaner, der einen italienischen Aufenthaltstitel hat und sich deshalb in Deutschland nur als Tourist für 90 Tage aufhalten darf“, so der Sprecher. Bei neun weiteren Arbeitnehmern müsse der Zoll Nachprüfungen anstellen. Dabei handele es sich um ausländische Studenten, die maximal 120 Tage in Deutschland arbeiten dürfen. Es werde jetzt geprüft, ob diese Zeitspanne auch eingehalten wurde. Sechs weitere Mitarbeiter waren nicht ordnungsgemäß zur Sozialversicherung angemeldet, in vier Fällen erhielten Angestellte zudem fälschlicherweise Leistungen wie Arbeitslosengeld. Zuerst hatte die Märkische Allgemeine Zeitung im Internet über die Razzia berichtet.

Amazon: Partner müssen sich an Verhaltenskodex halten

Den konkreten Vorfall hat Amazon am Dienstag auf PNN-Anfrage nicht kommentiert, da in der Firmenzentrale noch keine Informationen über die Aktion eingegangen seien. Laut einer Sprecherin des Unternehmens sei der Internetriese aber „gerne bereit, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um jedem Fall nachzugehen“. Weiter heißt es: „Unsere Partner sind verpflichtet, sich an die geltenden Gesetze und den Verhaltenskodex für Amazon-Lieferanten zu halten. Amazon setzt sich insbesondere dafür ein, dass unsere Lieferpartner ihre Mitarbeiter im Einklang mit geltendem Recht beschäftigen.“ Man ergreife unverzüglich Maßnahmen gegen Partner, die diese Erwartungen nicht erfüllten. Die Frage, ob die von 9.15 Uhr bis 13.30 Uhr dauernde Kontrolle vor Ort zu Verzögerungen im weihnachtlichen Paketversand geführt hat, hat der Konzern nicht beantwortet. 

Der Zoll hatte zuvor keine Anhaltspunkte für Verstöße

Der Zoll hatte nach eigenen Angaben keine Anhaltspunkte dafür, dass Amazon oder die Zuliefererfirmen in Werder gegen Bestimmungen verstoßen. Man habe die konzertierte Aktion nur auf Anfrage der Polizei durchgeführt, die Verkehrskontrollen vor Ort durchführen wollte, so der Sprecher des Hauptzollamtes.
Die Polizei selbst war mit 40 Beamten vor Ort und hat 250 Fahrzeuge kontrolliert. „Wir haben in der Vergangenheit viele Zeugenhinweise auf Verkehrsverstöße gemeldet bekommen. Die Verstöße sollen sich bis auf die Bundesstraße 1 ausgewirkt haben“, begründete eine Sprecherin der Polizeidirektion West den Einsatz. 
Insgesamt hätten sich die Fahrzeugführer trotz hohen Verkehrsaufkommens an die Vorschriften gehalten, wie sich während des Einsatzes gezeigt habe. In einem Fall hätten die Beamten eine Anzeige wegen Urkundenfälschung aufgenommen, da am Fahrzeug falsche Kennzeichen angebracht gewesen seien. Einem anderen Fahrer sei die Weiterfahrt untersagt worden, da er die laut Führerschein vorgeschriebene Brille nicht dabei hatte. Gegen drei weitere Fahrer seien Verwarngelder wegen kleinerer Verstöße erhoben worden.

Amazon-Fahrer würden im Gewerbegebiet rasen

Mitarbeiter anderer Firmen im Magna-Park bestätigen den PNN, dass es seit der Eröffnung des Amazon-Logistikzentrums tatsächlich zu Verkehrsproblemen gekommen ist. „Es ist schon sehr grenzwertig, auf unser Gelände zu kommen, wenn die Amazon-Fahrer hier mit überhöhter Geschwindigkeit vorbeifahren“, sagt Angelika Koßmann den PNN. sie ist Mitarbeiterin der LGI Logistics Group, die zwischen dem Amazon-Standort und der Autobahn 10 sitzt. „Unsere Fahrer, die mit Sattelaufliegern das Gelände verlassen wollen, müssen inzwischen schon extrem auf den Amazon-Verkehr aufpassen.“ Die Lieferfahrzeuge, die für den Internet-Riesen unterwegs sind, würden auch an Straßen oder auf dem nahen Autohof geparkt. Von Rückstaus im morgendlichen Lieferverkehr bis auf die Bundesstraße 1, wie sie weitere Zeugen der Polizei gemeldet hatten, habe Koßmann aber noch nichts bemerkt.

Noch sind die Hallen in Modulbauweise ein Provisorium. Nach PNN-Informationen hat Amazon aber schon den Bauantrag für ein massives Zentrum gestellt. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Noch sind die Hallen in Modulbauweise ein Provisorium. Nach PNN-Informationen hat Amazon aber schon den Bauantrag für ein massives Zentrum gestellt. © Andreas Klaer

Mit der Ansiedlung von Amazon ist in diesem Jahr deutlich mehr Leben in den Magna-Park eingekehrt, in dem es neben dem Versandhändler hauptsächlich einen Autohof mit Tankstelle sowie mehrere kleinere Logistikfirmen gibt. 
Davor lag über mehr als zehn Jahre ein Großteil der Gewerbefläche brach. Nach PNN-Informationen hat der Logistikriese Amazon inzwischen jedoch auch einen Bauantrag für ein massives Logistikzentrum gestellt, welches die derzeitigen Modulbauten künftig ersetzen soll. 
Das Gewerbegebiet war kurzzeitig unter anderem für einen Stadionneubau für den Berliner Bundesligisten Herta BSC im Gespräch. Werder ist Partnerstadt des Fußballclubs. Das Areal liegt direkt an der A10, hat jedoch keine Anbindung an den Zugverkehr und war deshalb schnell wieder aus dem Rennen für ein<TH>Fußballstadion.

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